Einführung in die Biologie der Urodela



In diesem ersten Abschnitt meiner Homepage möchte ich den Leser in die Biologie der Schwanzlurche (Urodela) einführen.
Ich habe mich dabei bemüht, wissentschaftlich aber doch verständlich zu formulieren und den scheinbar trockenen Stoff für Jeden interes-
sant zu machen, der sich für Salamander und Molche interessiert, sei es als Naturschützer, Terrarianer, Herpetologe oder einfach als
Mensch, der mit offenen Augen durch das Leben geht und dem die kleinen Dinge rechts und links seines Weges nicht verborgen bleiben,
in ihm Fragen aufwerfen.
Da dieser Abschnitt sehr umfangreich sein wird, möchte ich aber zunächst mit einem Inhaltsverzeichnis beginnen.
Einleitung- Von Molchen und Menschen.
- Die Geschichte der Interaktion zwischen Menschen und Schwanzlurchen.
Abschnitt 1. Systematik.
1.1. Die Urodela im phylogenetischen Stammbaum der Wirbeltiere (Vertebrata).
1.2 Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Urodela.
1.3 Kurzer Überblick über die verschiedenen Familien.
Abschnitt 2. Morphologie, Anatomie und Physiologie.
2.1 Morphologie- Die Basis für die "Handwerkskunst" der Artbestimmung.
2.2 Anatomie- Die Eigentümlichkeiten im Körperbau der Urodelen.
2.4 Physiologie- Wie funktioniert der Organismus der Urodelen?
Abschnitt 3. Ökologie
3.1 Molche und Salamander in ihren Lebensräumen.
3.2 Über die Verschiedenen Fortpflanzungsstrategien der Schwanzlurche als
Antworten auf die Anforderungen ihrer Habitate.
3.3 Die Rolle der Biogeographie für die Ausbreitung der Urodela auf der Erde.
4. Glossar.
5. Literatur.
Einleitung- Von Molchen und Menschen.
- Die Geschichte der Interaktion zwischen Menschen und Schwanzlurchen.
Vor etwa 11 000 Jahren begannen die Gletscher der Weichsel oder Würm- Eiszeit, sich aus Mitteleuropa zurückzuziehen. In die
Refugien der Molche und Salamander auf dem Balkan, der iberischen Halbinsel und dem heutigen Italien geriet nun Bewegung.
Einige Vertreter machten sich nach Norden auf, um dort schließlich auf Menschen zu treffen, welche dieses Gebiet in den letzten
100 000 Jahren kontinuierlich bewohnt hatten.
In anderen Gegenden der Erde, wie Ostasien und dem östlichen Nordamerika, den Diversizitätszentren der Urodela, hat es auch in
dieser Zeit vermutlich eine kontinuierliche Koexistenz von beiden Spezies gegeben. Allein- wir wissen nicht, wie sie miteinander
interagierten. Molche neigen nicht dazu, schriftliche Aufzeichnungen anzufertigen, und Menschen neigen dazu erst seid wenigen 1000
Jahren. Es ist eine interessante Frage, ab wann und in welchem Zusammenhang im alten China Molche erstmals schriftlich erwähnt
wurden. Im Europa der alten Welt jedenfalls war der Salamander bereits bekannt. Aristoteles glaubte, dass der Salamander von
Feuergeistern abstamme (vgl. unten). Doch schon im vorschriftlichen Sibirien war der
Sibirische Winkelzahnmolch (Salamandrella keyserlingii) Bestanteil der schamanistischen Mystik. Man sah den Molch allerdings
in keinem positiven Zusammenhang: Er galt als eine Art unterweltlicher Sendbote, der Unglück brachte, und deshalb ausgemerzt
werden mußte.
Im Byzanz des 11ten Jahrhunderts nun wurde dem Salamander, vermutlich dem Feuersalamander (Salamandra salamandra) nun
von Georgios Pisidianus ein positiveres Bild attestiert: Er wurde zum Sinnbild des wackeren Mannes, der vor dem Höllenfeuer gefeit ist.
Die sprichwörtliche Wiederstandskraft des Feuersalamanders gegenüber den Flammen wurde auch im Europa der frühen Neuzeit immer
wieder thematisiert, allerdings in weniger positiven Kontext, denn man hielt diese Tiere allgemein für gefährlich.
Ausführlich äußert sich im beginnenden 18ten Jahrhundertl Zedlers- Universal- Lexicon (1731-1754) über Salamander:
Salamander, lateinisch Salamandra,
französisch Salamandre, Spanisch Salamanquesa,
ist eine Gattung von Eidechsen, Schwarz von Farbe, und gelb geflecket. Sein Kopf und Bauch sind dicker als
bei den gemeinen grünen Eidechsen; Der Schwanz aber ist kürzer; der Rüssel ist spitzig; die Augen sind groß.
An jedem Fuße hat er vier so ziemlich große Zehen; Doch laufet er bey weitem nicht so schnell, wie die gemeine Eidechse.
Auf dem Rücken hat er gleichsam ein Kreuz und auch zwey Striche, die von dem Halse bis an den Schwanz reichen.
Er soll so eckel anzusehen seyn, Daß sich einige davon erbrechen. Er lässet sich aber nicht sehen, als im Frühlinge,
und im Sommer, nach starkem Regen. Es giebet ferner zweierley Arten: Die eine hält sich auf dem Lande die andere in
dem Wasser auf. Die erste Gattung wohnet an kalten und feuchten Orten, die andere suchet die klaren Brunnen, Quellen und
Bächlein. In Italien, Deutschland und der Normandie werden Salamander gefunden. Vor Zeiten glaubte man, dass sie im Feuer leben
könnten, wieweil sie sich viel länger darin halten können, weder andere Thiere, indem sie voller milchigem und schleimigem Wesens
sind, welche die Hitze der glühenden Kohlen auf einige Zeit vermindert; Doch endlich dringed das Feuer durch und verbrennet sie.
Der Biß dieses Kriechenden Wurmes soll so gefährlich seyn, als der Schlangen- Biß. Wenn er beisset, läßt er einen milchigen,
giftigen und gar sehr scharfen Geifer fahren. Er führet viel flüchtiges und brennendes Salz, Oel und Phlegma. Der Salamander
hat eine etzende und brennende Kraft, nimmt die Haare weg, wenn man ihn aufleget. Deswegen man auch zu solchem Ende
sein Fleisch mit Honig behandelt. Ohne Schaden der Finger kann man ihn kaum anrühren. Er wird als ein Sinnbild des Großmuths,
Gedulde und Verständigkeit im guten Vorsatze; wie im Gegentheil auch des Unbands und dem Reizes vorgestellt.
Aristoteles meint, daß die Salamander Leute waren, welche im Feuer wandelten.
