Verbreitung und Häufigkeitsverteilung der Molche in Altena und Nachrodt
1. Einleitung
Nachdem wir in vorangehenden Kapitel das Untersuchungsgebiet und die Lebensräume seiner Molche und Salamander
besprochen haben, drängt sich zwangsläufig die Frage auf, in welchen Lebensräumen sie ihr ökologischen Optimum, die idealen
Vorraussetzungen für eine maximale Populationsgröße, vorfinden.
Die Habitatansprüche des Feuersalamanders im Altenaer Raum sind bereits gut untersucht, man ziehe hierzu das Artportrait zu
Rate (vgl. auch FELDMANN 1964).
Bei den Wassermolchen (Gattung Triturus ) hingegen stellt sich die Frage, in welchen Fortpflanzungsgewässern und umgebenden
Landlebensräumen unsere drei Arten jeweils am stärksten vertreten sind, ob sie in eine Konkurrenzsituation gegeneinander
geraten und inwieweit ihre Verbreitung in Altena und Nachrodt - Wiblingwerde geschlossen ist oder Lücken aufweist.
Um möglichst einen großen Teil einer Molchpopulation zu erfassen, bietet es sich an, die Tiere während der Fortpflanzungszeit in
ihren Laichgewässerm nachzuweisen. Befinden sich hingegen große Teile einer Population an Land, so verteilen sich die Tiere
möglicherweise über einen Radius von mehreren 100 Metern und sind nur mit erheblichem Zeitaufwand festzustellen.
Beschädigungen des Landhabitates bei einer intensiven Nachsuche (z.B. durch das Umdrehen von Steinen) sind ein weiterer,
erheblicher Nachteil.
Allerdings ist es auch wichtig, mehr Details über den Landaufenthalt der Molche herauszufinden. Entsprechende Beobachtungen
sind daher auch von erheblichem Wert und werden in den Artportraits berücksichtigt. In allen hier untersuchten Fällen sind
Landhabitate der Molche aber auch in der unmittelbaren Nähe ihrer Laichgewässer zu suchen. Und genau hier wird eine weitere
Frage aufgeworfen: Nehmen alle adulten Tiere einer Population in jedem Jahr am Fortpflanzungsgeschehen teil? Bereits
FELDMANN hatte in den 70er Jahren festgestellt, dass in einigen sauerländischen Bergmolchpopulationen während der Laichzeit
Tiere in Landverstecken, in Wasser- wie in Landtracht, festzustellen sind.
2. Methodik
Um Wassermolche in ihren Laichgewässern nachzuweisen, existieren im Wesentlichen folgende Methoden:
1. Gründliches Durchkäschern des Gewässers am Tage oder in der Nacht.
In dieser ehemaligen Viehtränke bei Nachrodt - Einsal wurde 2008 der Molchbestand erfasst, indem das Gewässer gründlich
durchgekäschert wurde. Die festgestellten Tiere wurden nach Geschlecht und Färbung untersucht, teilweise vermessen und danach
unverzüglich wieder in ihren Laichplatz entlassen. Käschern bietet sich als störungsintensivere Methode dann an, wenn das
Gewässer für nächtliches Durchleuchten zu trübe ist. Foto: Chr.Schwerdt
Vorteil:
- Bei kleineren Gewässern kann man eine Population fast vollständig erfassen und die Tiere
auch z.B. auf morphologische Merkmale untersuchen.
Nachteile:
-Vegetation und Wasserinsekten können durch das Käschern beeinträchtigt bzw. verletzt werden.
-Bei größeren Gewässern kann man tiefere Bereiche kaum gründlich erreichen.
-Die Methode ist mit Abstand die zeitaufwendigste.
2.Ausbringung von Molchfallen: Eimerräusen und Flaschenräusen.
Molche und Wasserkäfer geraten auf ihren nächtlichen Streifzügen in Eimer und Flaschenräusen hinein, aber nicht wieder hinaus.
Für kleinere Molcharten ist die Fängigkeit der Flaschenräusen besonders hoch (Martin Schlüpmann, mündliche Mitteilung).
Die abgebildeten Räusen wurden im NSG "Heiliges Meer" bei Ibbenbühren mit behördlicher Genehmigung ausgebracht.
Foto: Chr.Schwerdt
Ausbringen von Molchreusen am Heiligen Meer. Der pH Wert des Gewässers lag um 5. Bei der Kontrolle der Fallen am
nächsten Tag wurden zahlreiche Berg- und Teichmolche sowie die Wasserkäfer Dytiscus latissimus und Colymbetes fuscus
nachgewiesen.
Vorteile:
-Bei größeren Gefässern die weitaus effizienteste Methode.
-Keine Beschädigungen der Vegetation.
-Die Fallen sind auch für Wasserkäfer sehr fängig, welche man bei solch
einer Untersuchung daher gleich mit erfassen kann.
Nachteile:
-Die Fallen können entwendet oder zerstört werden.
-Sie müssen täglich kontrolliert werden, um zu verhindern
das Tiere zu sehr gestresst werden oder sich gegenseitig auffressen.
3. Nächtliches Durchleuchten der Fortpflanzungsgewässer
In kleineren und klaren Gewässern lassen sich Molche nachts gut mit der Taschenlampe feststellen. Diese Tiere konnte ich im
Mai 2008 in einem meiner Gartenteiche fotografieren. Auf dem Bild sind Berg- und Fadenmolche beiderlei Geschlechts zu
erkennen. Foto:Chr.Schwerdt
Vorteile:
-Die mit Abstand schonenste Methode: die Molche werden wenig bis garnicht gestört.
-Bei kleineren und nicht allzustark durchkrauteten Gewässern hohe Nachweisquote im Vergleich zum Käschern.
Nachteile:
-In trüben oder veralgten Gewässern kann ein größerer Teil der Population übersehen werden.
Zur Entscheidung, welche Methode sich für den Untersuchungsraum als günstig erweisen würde, wurden die zu
untersuchenden Gewässer auf ihre Beschaffenheit untersucht und hierzu eine Tabelle angefertigt:
Die Einordnung der Schwanzlurche in Zonösen, also verschiedene Lebensgemeinschaften von Tieren in bestimmten Habitaten, ist
Gegenstand des nächsten Kapitels.
5. Literatur
Feldmann, Reiner: Ökologie und Verbreitung des Feuersalamanders, Salamandra salamandra, in Westfalen, in: Bonner
zoologische Beiträge 15, Bonn 1964, S.78 - 89.
Schlüpmann, Martin: Häufigkeit und räumliche Verteilung von Molchen (Gattung Triturus ) in einem Untersuchungsgebiet des
nordwestlichen Sauerlandes, in: Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 10, Bielefeld 2006, S.183 - 201.