Bergmolch (Triturus alpestris alpestris)

Männchen des Bergmolches (Triturus alpestris alpestris) in Wassertracht. Fundort: Altena- Nettenscheid, April 2005. Foto: Chr.Schwerdt.

Bergmolchweibchen in Wassertracht, die Fülle verrät einen deutlichen Laichansatz. Fundort: Altena- Nettenscheid, April 2007. Foto: Chr.Schwerdt.
Typisch: Der Bergmolch ist mit Sicherheit der schönste Wassermolch unserer Heimat. Seine robuste, bei den Weibchen zur Laichzeit fast plumpe Erscheinung und die orangene, ungefleckte Bauchseite machen ihn unverwechselbar. Die Männchen sind zudem in der Laichzeit an den Flanken blau gefärbt, die Weibchen an Rücken und Flanken graublau marmoriert.
Häufigster Wassermolch im Altenaer Raum, als einziger Molch zur Laichzeit auch in Fließgewässerabschnitten mit geringer Strömung. Ebenfalls als einziger heimischer Molch gelegentlich schon ab Herbst im Wasser.
Beschreibung: Mit Ausnahmsweise 14 cm Gesamtlänge (Großes Weibchen in einem Gartenteich am Breitenhagen, April 2005.), größter Wassermolch des Altenaer Raumes. In der Regel erreichen die Männchen bei uns aber nur 9 cm, die Weibchen immerhin 11-13 cm Gesamtlänge.
Im Vergleich zum Feuersalamander besitzen die Molche relativ kleine Parotiden und kleine Augen, beim Bergmolch mit goldgelber Iris, welche vierfach von der Pupille ausgehend dunkel unterbrochen ist. Wie bei allen Schwanzlurchen besitzen die Hintergliedmaßen meist 5, die Vordergliedmaßen 4 Zehen. Der Schwanzdurchmesser der Wassermolche ist in der Wassertracht und weniger in der Landtracht ovaler als der relativ runde Schwanz des Feuersalamanders. Der Kopf beider Geschlechter des Bergmolches ist oval und an der Schnauze deutlich abgerundet.
Der Bergmolch ist in Landtracht oberseits sehr dunkel, fast schwarz, die Hautoberfläche ist samtig, fühlt sich niemals wie Lackleder an, wie beim Feuersalamander, oder trocken- schuppig wie bei einer Eidechse. Im Herbst- Winter beginnen die Tiere die Wassertracht auszubilden, allerdings fühlt sich die Haut bis kurz nach Beginn des Wasseraufenthaltes noch samtig an, die Tiere halten sich dann bevorzugt in flacherem Wasser auf, und tauchen auch oft auf, bzw. verlassen das Wasser nachts verstärkt. Können sie dies nicht, besteht die Gefahr, dass die Molche ertrinken.
In den nächsten Tagen bildet sich dann die Wassertracht bei den Tieren vollständig heraus. Man erkennt die Männchen nun an einer 1-2mm hohen, gold-schwarz gefleckten Rückenleiste, blauen Flanken, die durch eine weiß- gelbe Linie (ca 3-4 mm breit) mit schwarzen Flecken vom kräftig-orangeroten Bauch getrennt werden. Diese Linien beginnen an der Schnauzenspitze, und ziehen sich entlang den Seiten der Männchen bis zu ihrer großen Kloakte, wo sie zusammenlaufen. Hier sind besonders große schwarze Flecken auf dem weißen Untergrund zu finden. Die Bauchseite und Kopfunterseite der Männchen ist fast immer ungefleckt, nur sehr selten findet man einige kleine schwärzliche Flecken in der Kehlregion. Der Schwanz ist in Wassertracht bei den Männchen deutlicher verbreitert als bei den Weibchen, verlassen die Tiere das Wasser im Sommer, wird er wieder schmaler, so wie auch die Färbung einförmiger dunkel wird. Meist ist die Rückenleiste noch schwach bis deutlich zu erkennen, kann aber auch verschwinden.
Ab Mai beginnt sich die Wassertracht der Männchen etwas zu verändern, der untere Teil der blauen Flanken schimmert dann beige- bläulich. Bei einigen männlichen Tieren ist auch eine Mamorierung aus verschiedenen Blautönen (Königsblau + Graublau) zu erkennen.
Die Weibchen bilden ebenfalls je nach Population in der Regel ab Oktober-Februar die Wassertracht aus. Sie ist bei weitem nicht so extrem farbenfroh wie die der Männchen, doch immer noch recht auffällig. Oberseite und Flanken sind bei den Damen aber meist dunkelgrau- graublau mamoriert und das Flankenband ist nicht so hell unterlegt, auch schmaler als bei den Männchen. Insgesamt sind die Weibchen meist größer und wirken fülliger. Ihre Kloake ist darüber hinaus wesentlich kleiner und ihr Bauch ist heller orange-gelblich. In der Landtracht sind sie ebenfalls dunkel, doch massiger als die Männchen, selten ist in der hinteren Körperregion eine gelbliche- aber fast nie rötlich- orangene Rückenleiste schwach zu erkennen. In der Landtracht ist allerdings die Kloake der Männchen immer noch etwas größer, das sicherste Unterscheidungsmerkmal neben der Größe und der Bauchfarbe.
Regelmäßig finden sich bei den Weibchen Tiere mit einigen bis vielen kleinen schwarzen Kehlflecken, die mehr oder weniger entlang einer Linie in der Kehlregion verlaufen. Sehr selten schimmert der blaugraue Teil der Marmorierung der Weibchen grünlich. Nur zweimal fand ich 2003 In einer wassergefüllten Wagenspur am Nettenscheid ein Bergmolchweibchen mit einer beige- grauen Mamorierung, es war deutlich heller als die anderen Tiere, auch wenn die Zeichnung ansonsten der normalen Farbform glich. Dieses Vorkommen ist aber heute erloschen. Weibchen mit einem leicht beigen Teint auf Rücken und oberen Flanken bis zur Trennlinie kann man aber dann und wann in allen Populationen finden.
Und als ob das alles noch nicht genug wäre, finden wir in einigen Populationen ab Herbst Männchen und Weibchen im Wasser. Für diese Weibchen gilt das selbe, wie für die normale Wassertracht der Weibchen bisher gesagt wurde. Bei den Männchen aber findet sich eine Art Zwischentracht, der Wassertracht der Weibchen nicht unähnlich, allerdings ist der Blauanteil in der Marmorierung bei ihnen kräftiger und die Kloake ist immerhin etwas größer, zudem an den beiden Enden stärker abgerundet. Auch für ihre Bauchseite gilt das gesagte, so das es in der Geschlechterbestimmung in der Regel auch zu dieser Jahreszeit keine Probleme geben sollte.
Lebensraum & Jahresaktivität: Der Bergmolch kommt im Altenaer Raum in zahlreichen, individuenarmen bis individuenreichen Populationen vor.
An seinen Lebensraum stellt er insgesamt noch weniger Anforderungen als der Feuersalamander, eine Lebensfähige Bergmolchpopulation benötigt jediglich ein Kleingewässer oder mehrere Kleinstgewässer für die Wasserphase und einen Landlebensraum, welcher Versteckplätze in Form von Röhrensystemen bietet, welche aber nicht so ausgedehnt sein müssen, wie beim Feuersalamander. Vorrausetzung sind jediglich einige frostfreie Verstecke. Diese sollten nicht mehr als 10-20 Meter vom Laichgewässer entfernt sein, wenn das Gewässer für die Tiere interessant sein soll, obwohl sich die Molche nachweislich bis zu einen Kilometer von jeglichen Gewässern in der Umgebung entfernen.
Sind diese beiden Grundvorrausetzungen erfüllt, so finden wir die Molche in der Kulturlandschaft auf Höhenzügen wie in den Tälern und Hanglagen, in allen Waldtypen, auch in gut durchforsteten Fichtenwäldern, in Siedlungen und in Steinbrüchen.
Als Laichgewässer werden alle Typen von stehenden Gewässern akzeptiert, unter anderem Kleinweiher, Viehtränken mit Zu- und Ablauf, Feuerlöschteiche, Bachkolke, wassergefüllte Wagenspuren auf Waldwegen und in Steinbrüchen, Gartenteiche und sehr langsamfließende Bachabschnitte.
Die Wasserqualität dieser Gewässer ist zweitrangig, hohe Nitrat- und Phosphatwerte werden ebenso toleriert wie ein saurer pH- Wert um 5,0.
Noch nicht geschlechtsreife Bergmolche leben das ganze Jahr über an Land, verlassen ihre Verstecke aber von März bis Ende Oktober zu langen Wanderungen, welche gelegentlich auch von den Adulten beschritten werden. Während dieser Wanderungen findet man sie dann Tagsüber zum Beispiel auch unter Müll, Planen, ect. weit vom Wasser entfernt. Zivilisationsrückstände werden wie aufliegende Bretter und Steine aber generell als Verstecke angenommen, besonders im Frühjahr und Sommer.
Werden die Tiere Geschlechtsreif, so suchen sie gelegentlich schon im Herbst das Wasser auf (z.b. regelmäßig in den Lennewiesen-bei Nachrodt -Einsal). Interessant ist, dass ich im Herbst 2003 einen männlichen Bergmolch in Zwischentracht in meinem kleinen Teich am Nettenscheid am 21. 10 2003 und nochmals eine Woche später im Wasser fand. Überwintert hat das Tier aber an Land. Am 17.12.2007 fanden wir bei einem Arbeitseinsatz der NAJU in einer Viehtränke in Einsal 1,2 Bergmolche in Wassertracht, allerdings hatte sich die Kloake des Männchens erst leicht vergrößert.
In aller Regel aber erscheinen die Adulten ab Ende Januar vermehrt im Wasser, wenn Bodentemperaturen oberhalb von 6°C herrschen. Die Meisten Tiere finden sich allerdings erst ab Anfang März im Wasser ein. Hierbei wandern zunächst vor allem Männchen zu, wenngleich in fast allen Fällen auch einige Weibchen sehr früh im Laichgewässer erscheinen. Der Höhepunkt der Wanderungen tritt ab ca. dem 15. März genau dann an, wenn die Bodentemperaturen bei feuchtem Wetter 10°C für mehrere Tage erreichen oder überschreiten. Ist das Wetter sehr trocken, so tritt der Wanderungsbeginn etwas zeitversetzt ein, was dafür spricht, das der hormonelle (?) Druck in den Tieren mit steigender Tageslänge ansteigt, denn die Temperatur ist zweitrangiger Faktor. Kommt des nämlich zb. Anfang Februar führ mehrere Tage zu einer solchen Witterung, wie z.b. Anfang Februar 2004, tritt kein plötzlicher starker Wanderunkschub ein, es erscheinen nur einzelne Tiere neu im Gewässer.
Bis Ende April wandern noch weitere Tiere zu, ab Mitte April überwiegend Weibchen. Kommt es Anfang Mai zu einem Starken Temperaturanstieg, beginnen die Männchen ihre Wassertracht langsam abzubauen, die Flanken werden dann teilweise beige schimmern, der Schwanz wird schmaler ect (vgl. oben). Einzelne Tiere verlassen bereits Anfang Mai das Wasser wieder, andere Verlassen es nur Tageweise um dann wieder zurückzukehren. Die meisten Molche jedoch sind erst Anfang Juli aus den Laichgewässern verschwunden, bis Ende Juli sind es fast alle. Im Frühjahr wurden die Angewanderten Tiere in Einem Kleingewässer bei Nachrodt Einsal (vgl. Abbildung 4.), welches die größte uns bekannte Bergmolchpopulation im Beobachtungsgebiet beherbergt, dreimal durch abendliches, gründliches Durchleuchten im Gewässer gezählt:
| Datum |
12.03.07 |
11.04.07 | 21.04.07 |
| Bergmolch; Männchen | 8 | 35 | 46 |
| Bergmolch; Weibchen | 1 | 18 | 37 |
Tabelle 1: Zuwanderungsdynamik einer Bergmolchpopulation in das unter Abbildung 4. gezeigte Kleingewässer in Nachrodt Einsal. Ersichtlich wird vor allem, dass die Männchen später als die Weibchen anwandern und offenbar bereits Anfang April zu großen Teilen im Laichgewässer zu finden sind, während die größte Zahl von Weibchen erst gegen Mitte/Ende April beobachtet werden kann. Wir müssen aber beachten, dass bei der Molchsuche nachts mit der Taschenlampe eine gewisse Dunkelziffer besteht, es kann sich bei den aufgeführten Daten also nur um einen groben Richtwert handeln. Man beachte auch, das gleichzeitig Tiere an Land gefunden wurden.
Beim Bergmolch taucht weiterhin auch noch ein merkwürdiges Phänomen auf: Während sich im Frühjahr ein Teil der Populationen im Wasser aufhält, können in Gewässernähe sehr oft Tiere in Land-,Wasser- und Zwischentracht gefunden werden, welche teilweise das Wasser noch aufsuchen, aber teilweise auch nachweislich die Land und Zwischentracht behalten, also nur in die Nähe des Gewässers wandern, ohne offenbar aktiv am Fortpflanzungsgeschehen teilzunehmen. Solche Tiere nutzen dann Verstecke, wie trockengefallene Zulaufröhren, Steinplatten und Bauschutt, einzeln bis massenhaft. Sie sind dann oft recht steif und extrem langsam in ihren Bewegungen.
Wir konnten dieses Phänomen in unterschiedlichen Ausmaßen sowohl in Einsal als auch am Nettenscheid und Drehscheider Berg beobachten. Ein Grund für dieses Verhalten ist mir unbekannt. Nur in einen einzigem Fall fand ich einen Fadenmolch in diesen Ansammlungen (1,0). Fadenmolche wandern offenbar also entweder nach dem Verlassen der tiefer im Boden liegenden Winterquartiere mehr oder weniger vollständig in ihre Laichgewässer, oder aber sie verstecken sich besser. Der Bergmolch gibt hier allerdings Rätsel auf.
Massenansammlung des Bergmolches unter einem Tonrohr am 21.04.2007. Das Rohr ist ein Teil des Zulaufes eines benachbarten Weihers (vgl. Abb4.), welcher aufgrund des Wochenlangen Regenmangels zu diesem Zeitpunkt ausgetrocknet war. Wir fanden darunter etwa 40 Tiere beider Geschlechter. Auch unter Steinen in der Umgebung waren ca. 20 weitere Exemplare zu finden. Foto: Paul Bachhausen.
Populationen und Populationsgrößen im Altenaer Raum: Neben dem Feuersalamander und dem Grasfrosch ist der Bergmolch diejenige Amphibienart im Altenaer Raum, über die wir am meisten wissen.
Bisher konnten wir seid 2000 im Beobachtungsgebiet 20 Populationen und einige Einzelfunde des Bergmolches feststellen, welche im folgenden von Nachrodt beginnend bis Werdohl aufgelistet sind.
Der Datenstand ist Juni 2007. Berücksichtigt werden sowohl die bei nächtlichen Durchleuchtungen festgestellten erwachsenen Tiere (bei mehren Durchleuchtungen und Nachsuchen an Land wurde der gerundete Durchschnittswert angegeben) , sowie zu der Population gehörende Funde von Adulti im Landhabitat. Vorkommen mit Laichgewässern, welche weniger als 1km von einander entfernt sind, werden als eine Population gewertet, da die Molche diese Strecke wandernd überbrücken können. Eventuell können sie auch noch weiter wandern und so neue Populationen gründen, aber dafür gibt es bei uns derzeit keine Beweise. Oftmals entstehen vollkommen neue Populationen auch durch Verschleppung von Eiern, Larven und Molchen durch den Menschen. Es ist aber wahrscheinlich, das sich die Tiere nach der letzten Eiszeit hauptsächlich durch langsames "Springen" von Laichgewässer zu Laichgewässer auch in unseren Raum eingewandert sind. Durch geographische und anthropogene Isolation wurde dann später die "Urpopulation" nach und nach wieder in Kleinpopulationen aufgeteilt, wie wir sie im Beobachtungsgebiet nun vorfinden.
Einzelfunde von Tieren weit ab vom Laichgewässer sind gesondert berücksichtigt. In der Regel werden die Populationen durch wandernde Tiere gelegentlich verlassen , welche neue Lebensräume erschließen (allerdings wandern sie nach dem derzeitigen Stand nur etwa 1 km weit), und so die Population vergrößern. Stark befahrene Straßen bilden dabei Barierren, Siedlungen nicht. Die Grenze für solche Einzelfunde habe ich bei 250-300 m Entfernung vom Laichgewässer gesetzt, da man ab dieser Distanz meist nur noch ganz vereinzelte Exemplare findet.
Straßen können zb. eine Population auch zerschneiden und so zwei Teilpopulationen entstehen lassen, zwischen denen dann kein genetischer Austausch mehr stattfindet. Irgendwann werden diese entweder durch die Gendrift und Mutationen dann zu eigenen Populationen, oder sie sind wegen zu geringer Individuenzahl nicht auf Dauer Lebensfähig, was glücklicherweise beim Bergmolch bei uns bisher nicht bekannt wurde.
Populationen des Bergmolches im Altenaer Raum (gezählte oder mehrfach gezählte und gerundet gemittelte Anzahl adulter Tiere entweder 2007 oder in der letzten Fortpflanzungssaison vor Zerstörung des Gewässers.):
1. Steinbruch Lasbeck.
Laichgewässer: Laachen und Regenrückhaltebecken im Steinbruchgelände.
Populationsgröße 2007 : ca. 120 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
2. Hofteich in Rennerde.
Laichgewässer: Viehtränke.
Populationsgröße 2007 : ca. 20 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
3.Kulturlandschaft bei Vogelhenne.
Laichgewässer: Viehtränke.
Populationsgröße 2007 : ca. 10 Exemplare,
eventuell keine eigenständige Population.
Vorkommen noch existent.
4. Lennewiesen bei Einsal.
Laichgewässer: 3 Viehtränken.
Populationsgröße 2007 : ca. 35 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
5. Sternmieren- Stieleichen-Hainbuchenwald bei Einsal, über dem Obergraben der Lenne.
Laichgewässer: Bachkolke, Folienteich.
Populationsgröße 2007 : um 150 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
6. Kulturlandschaft nähe Neuenhaus.
Laichgewässer: Bachkolk, Folienteiche.
Populationsgröße: um 40 Exemplare.
Status ab 2006 unklar, vermutlich noch existent.
7. Fichtenforste beim Oevenscheider Stall.
Laichgewässer: Kleinweiher, früher Viehtränke.
Populationsgröße: bis 2.2007. ca. 60 Exemplare.
Nach Zerstörung durch Forstwirtschaft teilweise Wiederherstellung;
Am 1.06 07 wieder 4,3 Bergmolche nachgewiesen.
8. Ruderalflächen über dem Burggymnasium Altena.
Laichgewässer: Folienteiche.
Populationsgröße 2006: ca. 80 Exemplare.
Vorkommen bis 2007 durch Vandalismus
weitgehend zerstört.
9. Kulturlandschaft bei Rothenschlade.
Laichgewässer: Teich mit Zu- und Ablauf.
Populationsgröße 2007: ca 55 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
10. Buchenwälder rund um die Fuelbecke Talsperre.
Laichgewässer: Bachstau.
Populationsgröße 2004: ca 130 Exemplare.
Vorkommen im Herbst 2004 durch Ablassen des Bachstaus zerstört.
11. Gartengelände am Kohlhagener Weg, Altena.
Laichgewässer: Folienteiche.
Populationsgröße 2007: >20 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
12. Gartengelände am Schreck, Altena.
Laichgewässer: Folienteiche.
Populationsgröße 2007: Laut M. Becker ca. 10 Exemplare, eventuell mehr, da
nicht alle Teiche genau untersucht wurden.
Vorkommen noch existent.
13. Gartengelände am Breitenhagen.
Laichgewässer: Folienteiche.
Populationsgröße 2007: ca. 50 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
14. Kulturlandschaft auf dem Nettenscheid.
Laichgewässer: Großer Folienteich.
Populationsgröße 2007: unbekannt.
Vorkommen sicher noch existent.
15. Gartengelände auf dem Nettenscheid.
Laichgewässer: Folieteiche.
Populationsgröße 2007: 24 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
16. Fichtenforste zwischen Nettenscheid und Höllenstein.
Laichgewässer: Wassergefüllte Wagenspuren auf Waldwegen.
Populationsgröße 2003: 27 Exemplare.
Vorkommen im Sommer 2003 während der Laichzeit von Forstwirtschaft planiert.
17. Buchenwälder am Villenberg, Altena Dahle.
Laichgewässer: Wassergefüllte Wagenspuren auf Waldwegen.
Populationsgröße 2005: 14 Exemplare.
Vorkommen inzwischen durch Forstwirtschaftliche Maßnahmen zerstört.
18. Buchenwälder und Kulturlandschaft am Steinwinkel, Altena.
Laichgewässer: Folienteiche
Populationsgröße 2007: ca. 30 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
19. Schwarze Ahe- Tal, Werdohl.
Laichgewässer: Geflutete Abrabungsfläche im Steinbruch.
Populationsgröße 2007: ca. 40 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
20. Schwarze Ahe- Tal, Werdohl.
Laichgewässer: zahlreiche aufgegebene Fischteiche.
Populationsgröße 2007: >50 Exemplare.
Vorkommen noch existent.
Einzelfunde von Tieren, mindestens 250 Meter vom nächsten Laichplatz entfernt.
1. Am 20. 03. 2003. fand ich am Nettenscheid auf einem asphaltierten Weg in einer Regenacht ein einzelnes Männchen, das nächste Laichgewässer war ca. 250 m entfernt, wobei sich das Tier in Richtung zweier neu angelegter und noch nicht vom Bergmolch besiedelter Gartenteiche bewegte die nur noch ca. 6m entfernt waren. Hat er das Wasser gerochen?
2.Am 24.10.2004 konnte ich durch Zufall ebenfalls nachts ein 5 cm langes, wanderndes Jungtier auf einem Feldweg am Nettenscheid finden, dieses Tier war etwas mehr als einen km vom nächsten Laichplatz entfernt, ein Hinweis auf ausgedehnte Wanderungen einzelner Bergmolche!
3. Bei einigen weiteren Einzelfunden ist nicht bekannt, ob in der Nähe eventuell noch unentdeckte Laichgewässer vorhanden sind, daher sollen sie hier zunächst Außen vor gelassen werden.
Vergesellschaftung:
1. Vergesellschaftung in den Laichgewässer
Der Bergmolch ist/war in allen untersuchten Populationen mit dem Grasfrosch vergesellschaftet, wobei in den drei größten mir bekannten Grasfroschkolonien des Altenaer Raumes keine Bergmolche zu finden sind.
In 18 von 20 Fällen lag eine Vergesellschaftung mit dem Fadenmolch und dem Feuersalamander vor, in 5 Fällen mit der Geburtshelferkröte, 6 mal laichte die Erdkröte im selben Gewässer. Am wenigsten häufig ist bei uns eine Vergesellschaftung des Bergmolches mit dem hier ohnehin seltenen Teichmolch; diese beiden Kandidaten fand ich nur in 4 Populationen gemeinsam.
2. Vergesellschaftung in den Landhabitaten
Sehr häufig findet man den Bergmolch in den selben Tagesverstecken wie den Fadenmolch, besonders im Sommer und Herbst, nur sehr selten im Frühjahr (vgl. oben). Oftmals hält sich gerade im Sommer auch die Erdkröte mit kleineren Exemplaren dort auf. Seltener, aber immerhin 3 mal fand ich die Geburtshelferkröte im selben Versteck, nur einmal den Teichmolch, im Steinbruch Lasbeck. Andere Amphibienarten fand ich an Land niemals mit dem Bergmolch in den selben Verstecken vergesellschaftet.
Ernährung: Die Ernährungsgewohnheiten des Bergmolches konnten wir sowohl im Freiland als auch in Gefangenschaft recht gut untersuchen. Während des Wasseraufenthaltes werden von den Adulten Froschlaich, Kaulquappen von Grasfrosch und Erdkröten, aber offenbar nicht von der Geburtshelferkröte gefressen, außerdem Mückenlarven aller Arten, Taumelkäfer, Daphnia, Cyclops, Tubifex, Eintagsfliegenlarven und ins Wasser gefallene Regenwürmer.
Mit dem viel besagten Kannibalismus der Molche verhält es sich so: Sind genug Kaulquappen und Wasserinsekten verfügbar, so wird den eigenen Larven wie den Larven anderer Molche kaum nachgestellt und viele Larven kommen durch, sofern keine anderen Freßfeinde vorhanden sind. . Nur die eigenen Eier werden dann gelegentlich gefressen.
Ist aber kaum andere Nahrung im Gewässer, so werden vermehrt auch die eigenen Larven von den Adulten verspeist. Vermutlich geschieht dies aus bloßem Hunger, obwohl sich für die Erwachsenen der Vorteil ergibt, keine Energie umsonst investiert zu haben, da ja in diesem Falle auch wenig Futter für die Larven vorhanden ist und sich nur wenige erfolgreich entwickeln können.
Insgesamt verlieren die Adulten während ihrer Wasserphase sehr viel Energie durch Balz und Eiablage. Dementsprechend sind sie in dieser Zeit auch gefräßiger. Diese Belastung während der Fortpflanzungperiode wirkt sich eventuell auch auf die Lebensdauer der Tiere aus (vgl. unten).
An Land fressen die Tiere weniger, allerdings werden regelmäßig verschiedenste Insekten, Kellerasseln und Spinnen erbeutet.
Die Larven fressen im Wasser Cylops, Daphnien, Mückenlarven, Eintagsfliegenlarven und Tubifex, kleinere Molchlarven und die Gliedmaßen größerer Molchlarven.
Fortpflanzung und Lebensdauer: Erreichen die Tiere im Frühjahr das Wasser, beginnen sie in der Regel sofort mit der Balz.
Wann die wenigen Tiere mit der Fortpflanzung beginnen, die im Wasser überwintern, ist unklar. Sobald die paarungsbereiten Männchen im Gewässer ein Weibchen aufgespürt haben, beginnen sie mit der Balz. Das Männchen nähert sich dabei dem Weibchen und prüft in der Regel ihre Paarungsbereitschaft durch Schnuppern an der Kloake.
Anschließend schwimmt er vor das Weibchen (wenn er sehr erregt ist, auch vor nicht paarungsbereite Weibchen und andere Molche) und beginnt, mit dem Schwanz Duftstoffe zuzuwedeln, welche das Weibchen zur Paarung stimulieren sollen. Wendet sich das Weibchen nicht gleich ab, so schwimmt er so vor das Weibchen, dass sein Kopf neben dem des Weibchens liegt, der Körper aber Bodenförmig vor der Schnauze des Weibchens absteht. Dabei beugt er seinen Rücken katzbuckelartig durch.
Zwei Bergmolchmännchen interessieren sich für ein Weibchen. Man beachte auch die unterschiedliche Flankenzeichnung der beiden Männchen. Foto: Chr.Schwerdt
Reagiert das Weibchen auf die Werbung des Männchens, folgt sie ihm, und er schreitet vor ihr weg, den Schwanz S-förmig zusammengefaltet. Sobald das Weibchen nun Schwanz oder Kloake des Männchens mit der Schnauze berührt hat, Setzt jenes eine Spermatophore ab, eine innere Befruchtung findet statt.
Die meisten Weibchen verpaaren sich innerhalb von wenigen Tagen nach ihrer Ankunft im Wasser und beginnen kurz danach mit der Eiablage.
Die Eier werden von den Weibchen in Wurzeln, Wasserpflanzen (z.b. Tannenwedel, Wasserstern oder Hornkraut) und abgestorbene Blätter gefaltet. Bei gutem Wetter können bereits nach zwei Wochen die ersten Larven schlüpfen, die meisten Larven erscheinen aber nach etwa 21 Tagen oder etwas mehr.
Ältere Larven des Bergmolches sind an ihrem Schwanzdorn und einer dunklen wie gekörnt aussehenden Grundfarbe mit einigen helleren, linienförmigen Flecken deutlich zu erkennen, wie alle Molchlarven zeigen sie deutlich ausgebildete Aussenkiemen.
Verlassen die Jungmolche im Herbst das Wasser, sind sie ca. 3-4 cm groß, überwintern die Larven im Wasser, können ausnahmsweise 6 cm erreicht werden. Die meisten Tiere sind nach 2 Jahren geschlechtsreif, einige erst mit 3. Anhand von zwei aufgrund ihrer Kehlzeichnung leicht wiedererkennbaren Weibchen in der Population in unserem Garten kann ich immerhin Angaben über ein Mindestalter machen. Eines dieser Tiere nahm bei uns an den Fortpflanzungsperioden 2004 und 2006 teil , das andere 2005, 2006, 2007 (2007 in einem anderen Kleinstgewässer). Demnach sind diese Tiere, wenn man davon ausgeht, das sie bis zur Geschlechtsreife mindestens 2 Jahre gebraucht haben, mindestens 5 Jahre alt geworden. Der Zweite Fall beweist auch nochmals, das die Tiere manchmal als Adulti wandern und dann andere Laichgewässer aufsuchen.
Manche Tiere mit besonderer Kehlzeichnung habe ich aber nur einmal, die meisten zweimal in den Gartenteichen beobachtet.
Bei vielen Tieren (insbesondere bei den meisten Männchen) ist beim Bergmolch wegen der spezifischen Zeichnung einfach kein Wiedererkennungswert gegeben. Für andere Populationen kann ich leider solche Angaben auch nicht machen. Ob die mindesten 20 Jahre, die NÖLLERT als maximales Lebensalter für den Bergmolch angibt, bei uns im Freiland realistisch sind, dürfte aber bezweifelt werden.
Gefährdung: Aufgrund von Lebensraumverlust durch die intensive Forstwirtschaft muss der Bergmolch im Altenaer Raum als gefährdet angesehen werden.
Auch wenn man bedenkt, das von den 20 seid 2000 erfassten Populationen des Bergmolches im Moment sicher noch 16 existieren und reproduzieren, so fällt auf, dass doch einige Laichgewässer- und damit die Grundlagen für eine Reproduktion der Molche- in der Zwischenzeit zerstört worden sind.
In einem Falle (8.) Population ist die Zerstörung der Laichgewässer auf konkreten, gegen die Amphibien gerichteten Vandalismus (zuschütten der Teiche mit Steinen, zerstechen der Folie mit spitzen Gegenständen) zurückzuführen, da kann man leider nur sagen: Trottel gibt es immer wieder und dieser war ein ganz besonders Großer. Trotz eines konkreten Verdachtes konnte hier der Urheber leider nicht sicher bestimmt werden.
In einem weiteren Falle (10.; bei Fuelbecke Talsperre) wurde ein Bachstau scheinbar ohne Grund abgelassen, und die überschwemmte Fläche fiel daraufhin trocken, heute sind auch dort keine Molche mehr zu finden.
Am allertraurigsten aber ist die Zerstörung der Populationen 16. und 17. durch Menschen, die es eigentlich hätten besser wissen müssen. Die Begradigung mit Bauschutt und anschließende Planierung von Waldwegen durch die Forstwirtschaft gefährdet nicht nur Amphibien, sondern auch Pflanzen wie den Wasserstern und Insekten wie den Taumelkäfer, denn sie alle leben in wassergefüllten Wagenspuren auf Waldwegen. 2003 fand darüber hinaus aufgrund der Planierung während der laufenden Laichzeit ein Großteil der Adulten in den Laichplätzen einen qualvollen Tod. Es ist wirklich sehr schade, dass einige, wenn auch bei weitem nicht alle, Waldbesitzer sich für Amphibien, die ja als Insektenfresser wirklich nützlich sind, einen Dreck scheren. Es scheint, als ob es bei diesen Maßnahmen in erster Linie um die Entsorgung des Bauschuttes geht, denn die Waldfahrzeuge kamen Jahrzehnte lang auch auf Lehm-Wegen ohne groben Schutt klar.
Profitiert hat der Bergmolch hingegen von den zahlreichen Neuanlagen insbesondere von Gartenteichen und der Restauration von verlandenden Gewässern durch Naturschutzmaßnahmen im letzten Jahrzehnt. Insgesamt würde ich den Bestand an Adulten Tieren im Altenaer Raum momentan auf etwa 900 Tiere schätzen, allerdings sind weitere Vorkommen, besonders in Gärten, durchaus noch zu erwarten.
Literaturverzeichnis:
Feldman, Reiner: Artenliste der Lurche und Kriechtiere des Kreises Lüdenscheid, in: Der Sauerländische Naturbeobachter Nr. 9,
Lüdenscheid 1970.
Feldmann, Reiner: Tiere der Heimatlandschaft, Iserlohn 1985, insbesondere S.66-69.
Nöllert, Andreas und Nöllert, Christel: Die Amphibien Europas, Stuttgart 1992.
Schlüpmann, Martin: Beobachtungen zur Migration von Triturus a. alpestris (Laurenti 1768), Triturus v. vulgaris (Linneaeus 1758), und
Triturus h. helveticus (Razoumowski 1789), in: Jahrbuch für Feldherpetologie, Köln, 1987, S.69-84.
Schlüpmann, Martin: Häufigkeit und räumliche Verteilung von Molchen (Gattung Triturus) in einem Untersuchtungsgebiet des nordwestlichen
Sauerlandes, in: Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 10, Bielefeld, 2006, S.183- 201.