Der Fadenmolch
Triturus helveticus helveticus (Razuomowsky,1789)
"(...) Damit ist der Fadenmolch nach dem bunten Bergmolch die
am weitesten verbreitete Art unseres Raumes: An etwa 60 Prozent
aller untersuchten Kleingewässer ist die Art vertreten."
Reiner Feldmann, märkischer Feldherpetologe und Naturschützer, 1985
über das Vorkommen des Fadenmolches im nördlichen Sauerland.
(In: Feldmann, Reiner: Tiere der Heimatlandschaft, Iserlohn, 1985, S. 67.)
1) Typisch: Kleiner und vor allem im männlichen Geschlecht recht zierlicher Wassermolch, der niemals über 10 cm Gesamtlänge erreicht.
Grundfarbe beige oder bräunlich.
Die Männchen besitzen im Hochzeitskleid einen bis zu 1 cm langen, dünnen Schwanzfaden und einen niemals gewellten, bis zu 4 mm
hohen Rücken und Schwanzsaum.
Weibchen robuster, mit kleinerer Kloake als die Männchen, Schwanzfaden höchstens 2mm lang. Von den ähnlichen Weibchen des
Teichmolches sicher durch 2 helle Flecken auf den Fußballen zu unterscheiden. Im Altenaer Raum ungleichmäßiger verbreitet als der
Bergmolch, welchen er jedoch auch stellenweise an Zahl deutlich übertreffen kann.

Typisches Männchen des Fadenmolches in Wassertracht. Man beachte die angeschwollene Kloake, den etwa 0,6 cm
langen Schwanzfaden und die ungefleckte Flanke (vgl. Teichmolch!) Das Tier ist ca. 8,5 cm lang. Fundort: Altena- Nettenscheid,
Frühjahr 2004. Foto: Chr.Schwerdt

Typisches Weibchen des Fadenmolches in Wassertracht. Das Tier ist 9,2 cm lang und deutlich robuster als das
oben abgebildete Männchen. Die Kloake hingegen ist deutlich kleiner, während der Schwanz länger ist.
Besonders interessant ist ein weiteres, auf diesem Foto sehr gut zu erkennendes Detail: Ein heller Fleck über
dem Oberschenkel. Dieser helle Fleck findet sich in unserer Gegend bei vielen Fadenmolchweibchen, hingegen niemals bei
Teichmolchweibchen. Fundort: Altena- Nettenscheid, April 2007. Foto: Chr.Schwerdt.
2) Beschreibung: Die Beschreibung des Fadenmolches erfordert besonderer Sorgfalt, sind seine Weibchen doch, wie bereits erwähnt,
in Wasser- wie in Landtracht sehr leicht mit den Weibchen des Teichmolches zu verwechseln. Obschon der Teichmolch im
Beobachtungsgebiet äusserst ungleichmäßig verbreitet ist und ich ihn in 10 Jahren nur an wenigen Vorkommen mit dem Teichmolch
gemeinsam festgestellt habe (ausschließlich in den Lenneniederungen bei Einsal), bedarf es hier einer präzisen Nennung der
Unterscheidungsmerkmale. Daher möchte ich zunächst beide Geschlechter beschreiben, und dann nochmals intensiv die Unterschiede
zwischen Berg- und Fadenmolchweibchen diskutieren und darüber hinaus tabellarisch zusammenfassen.
Faden- und Teichmolche bastardieren auch gelegentlich (Martin Schlüpmann, mündliche Mitteilung), doch konnte ich im
Beobachtungsgebiet bisher keine Bastarde feststellen. Auch gibt es keine weiteren Hinweise auf erfolgreiche Bastardierung.
Die Männchen des Fadenmolches bleiben recht klein und mir ist kein Exemplar bekannt, das 9 cm Gesamtlänge überschritten hätte.
Der Auffällige Schwanzfaden, welcher T. helveticus seinen Namen gab, ist allerdings nur in der Wassertracht immer deutlich zu
erkennen. Jedoch ist, wie beim Bergmolch, auch (weniger deutlich) in Landtracht, die Kloake der Männchen größer als diejenige der
Weibchen.
Vom Bergmolch lassen sich die Fadenmolche darüber hinaus ( wie die Teichmolche!) Durch 3 Längsfurchen auf dem Kopf unterscheiden.
Der Kopf der Männchen ist jedoch schmaler als derjenige der Weibchen, welche insgesamt robuster sind, und zur Schnauze hin spitzer
zulaufend. Darüber hinaus sind die Hinterfüße der Männchen deutlich vergrößert und in Wassertracht mit auffälligen Schwimmhäuten
versehen. Ihre verhältnismäßige Größe kann daher, neben der Größe der Kloake, auch in Landtracht, ein Merkmal zur Geschlechtsunter-
scheidung darstellen.
In der Wassertracht besitzen die Männchen des Fadenmolches neben dem Schwanzfaden auch einen verbreiterten Schwanzsaum und
einen Rückenkamm,
welche allerdings glatt und nicht gewellt sind (Teichmolch) und auch niemals schwarz- gelb gemustert, wie beim Bergmolch.
Der Rücken der Männchen ist von der Grundfarbe im Hochtzeitskleid bräunlich oder dunkel beige gefärbt, die Flanken sind in ihrer
Grundfärbung heller aber braun mamoriert. Im unteren Bereich der Flanken sind meistens besonders große, unregelmäßig
zusammenhängende bräunliche Flecken zu
erkennen. Bei manchen Männchen kann diese Marmorierung auch weniger deutlich ausfallen.
Immer hingegen deutlich auszumachen ist ein etwa auf Achselhöhe ansetzender, dunkler Streifen welcher sich durch die Augen zur
Schnauzenspitze zieht ("Banditenmaske"). Bei den Weibchen endet dieser Streifen fast immer im hinteren Kopfbereich und ist auch nicht
so gut zu erkennen.
Die dunklen Flecken, welche bei den Männchen auf den Flanken zu erkennen sind, verlaufen auf dem Schwanz regelmäßiger, in zwei
Reihen und zwar jeweils meist oben und unten auf der Grenze zwischen Schwanz und Schwanzsaum.
Im Grunde ist es aufgrund dieser Färbung und des Schwanzfadens sehr einfach, Männchen von Teichmolch und Fadenmolch auseinander
zu halten. Bei den Weibchen sei hier nochmals auf die Fußballen und die Flecken über der Hüfte verwiesen; nicht desto trotz hier nochmals
der Übersichtlichkeit halber zwei Tabellen zur Unterscheidung von Fadenmolch und Teichmolch unter Berücksichtigung der Geschlechter.
| Art | Fleckung auf Flanken und Rücken | Schwanzfaden |
| Teichmolch (Männchen) | Flecken nahezu gleichgroß, gleichmäßig über Körper und Flanken verteilt. | nein |
| Fadenmolch (Männchen) | Flanken nur leicht gemustert, nicht gefleckt; Flecken auf dem Schwanz verlaufen in zwei Reihen. | ja |
Tabelle 1.: Unterscheidungsmerkmale zwischen Teich und Fadenmolch. (Männchen).
| Art | Heller Fleck über den Hüften | Fußballen |
| Teichmolch (Weibchen) | nein | nein |
| Fadenmolch (Weibchen) | ja | ja |
Tabelle 2.: Unterscheidungsmerkmale zwischen Teich und Fadenmolch. (Weibchen).
Am Bauch sind die Fadenmolchmännchen bei uns in der Regel fast ungefleckt, Bei den Weibchen können einige unregelmäßige schwarze
oder Schwarzgraue Flecken auftreten oder auch fehlen. Die Weibchen des Fadenmolches sind darüber hinaus robuster als die Männchen
und werden auch größer, 9 cm werden von ihnen öfter erreicht aber nur selten überschritten. Besonders im Frühjahr zeigen die Weibchen
oft ( wie bei den anderen Molchen) einen kräftigen Laichansatz.
Weibchen des Fadenmolches in Wassertracht. Man beachte den stattlichen Laichansatz.
Fundort: Nachrodt Einsal, März 2008. Foto: Chr.Schwerdt
3) Lebensraum und Jahresaktivität: Der Fadenmolch ist im märkischen Oberland verbreitet und nicht selten, tritt aber in seiner
Häufigkeit deutlich hinter dem Bergmolch zurück, mit dem er fast immer vergesellschaftet ist. Seine Populationen sind meist relativ kleiner,
jedoch gibt es auch individuenreiche Vorkommen.
Fadenmolche überwintern wie Bergmolche meist in ausgedehnten unterirdischen Röhrensystemen aller Art. Sie nutzen aber ebenfalls
bereits milde Witterungsphasen im Winter aus, um zu ihren Laichgewässern zu wandern. Im Jahre 2008 gab es zum Beispiel Ende Januar
ein paar milde Nächte mit mittleren Temperaturen um 5°C, und bereits am 9.02 fanden wir in einer Viehtränke bei Finkingsen (Nachrodt)
erstes Fadenmolch- Weibchen.
Im Wesentlichen verläuft die Wanderungsdynamik des Fadenmolches je nach Witterung und entsprechend jener des Bergmolches (vgl.
hierzu auch SCHLÜPMANN 1987).
Die Fadenmolchmännchen erreichen im Durchschnitt etwas eher als die Weibchen das Wasser, aber es sind oft auch schon Weibchen
unter den ersten Tieren im Gewässer (vgl. Bergmolch). Die Fadenmolche verbleiben jedoch häufig bis Ende Juni/ Anfang August in
ihren Laichgewässern, wobei hier wiederum die Weibchen länger aquatisch leben. Balz und Paarungen beginnen meist sofort, wenn die
Tiere das Wasser erreicht haben und dauern in der Regel bis Ende Juni an. Die Eiablage beginnt meist einige Tage nach den Paarungen.
Spätestens Mitte August jedoch suchen die adulten Tiere jedoch ihre Landhabitate auf, die jenen des Bergmolches ähneln. Fadenmolche
entfernen sich jedoch bei uns nicht so weit von ihren
Laichgewässern wie der Bergmolch. Die größte Entfernung eines Fadenmolches von seinem Laichplatz, die ich feststellen konnte, waren
etwa 200m, im Lennetal bei Rohland (Nachrodt).
Es läßt sich also abschließend für den Fadenmolch ein ähnlicher biphasischer Aktivitätsverlauf feststellen wie für den Bergmolch, mit einem
um einige Wochen verlängerten Wasserauftenthalt. Auch an seine Lebensräume stellt er sehr ähnliche Ansprüche wie T.alpestris, mit dem
er sowohl an Land wie im Wasser fast immer vergesellschaftet ist. Die Vorkommen mit der höchsten Individuendichte finden sich in
unterschiedlich großen, eher schattigen Gewässern welche von einer möglichst kleinstrukturierten Landschaft umgeben sind (Buchenwald,
Wiesen, Hecken, Ruderalflächen wechseln sich ab.) (vgl. hierzu auch das Artportrait zum Bergmolch, außerdem SCHLÜPMANN 2006.).
Ein Verbleib mehr oder weniger großer Teile einer Population in den Landhabitaten (vgl. auch hier Art. Bergmolch!) während der
Fortpflanzungszeit konnte beim Fadenmolch bisher nicht beobachtet werden.
3) Bestandssituation im Untersuchungsgebiet:
In diesem Teil des Portraits möchte ich, durch den Aufsatz von Martin Schlüpmann (2006) inspiriert, etwas anders vorgehen als beim
Bergmolch (Feedback erwünscht).
Wie bereits erwähnt, ist der Fadenmolch, obwohl im Oberland weit verbreitet, weniger häufig als der Bergmolch, ist jedoch wiederum öfter
zu finden als der Teichmolch. In immerhin zwei von uns untersuchten Laichgewässern war er der einzige Wassermolch.
Bei den Molchzählungen der AG Amphibienschutz in den Jahren 2006- 2008 wurden im Untersuchungsraum insgesamt, vorwiegend durch
nächtliches
Durchleuchten der Laichgewässer, ( Wenn in einem Gewässer mehrfach gezählt wurde, so wurde hier jeweils das beste Ergebnis
wiedergegeben) 58 Fadenmolche in 13 Gewässern gefunden.
Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wurden in 12 Gewässern insgesamt 161 Bergmolche und in 3 Gewässern insgesamt 47 Teichmolche
gefunden. Einige bekannte Vorkommen insbesondere des Bergmolches wurden allerdings ausgelassen, z.B. weil sie nachts schwer
zugänglich sind.
Das unten stehende Diagramm verdeutlicht nun nochmals die Häufigkeitsverteilung der Molche in den von uns insgesamt untersuchten 15
Gewässern 2006- 2008:

Zusammenfassend wurden bis dato (19.03.08) 265 Molche erfasst. Davon waren 61 % Bergmolche, 18% Teichmolche und
22 % Fadenmolche.
Diese Häufigkeitsverteilung ist für das Sauerland nicht ungewöhnlich und kann als einigermaßen repräsentativ gelten, obwohl insgesamt nur
eine relativ geringe Anzahl von Laichplätzen untersucht wurde. Martin Schlüpmman kam mit seinen Erhebungen im Hagener Raum 2006
zu einem ähnlichen Ergebnis und stellte fest:
"Der Fadenmolch ist trotz (...) der Lage am Nordrand der Verbreitung die zweithäufigste und verbreitetste Art
und bevorzugt, obwohl in offenen Landschaftsräumen nicht fehlend, die Waldgebiete bzw. deren Nähe. Aufallend ist die geringe
Besiedlung der Massenkalkzone."
Schlüpmann, Martin: Häufigkeit und räumliche Verteilung von Molchen (Gattung Triturus) in einem Untersuchungsgebiet des nordwestlichen
Sauerlandes, in: Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 10, Bielefeld, 2006, S.183- 201, S.183.
An diesem Abschnitt wird eine weitere Beobachtung deutlich, welche wir für das märkische Oberland bestätigen konnten: Der Fadenmolch
meidet Lebensräume auf kalkhaltigem Untergrund. Bis auf einen Fundpunkt direkt an der Lenne, welcher durch deren pH - Wert
(Säurebinder der Drahtindustrie!) in den alkalischen Bereich gerückt war (pH um 8) , fanden wir den Fadenmolch im Beobachtungsgebiet
durchweg in einem
sauren Milleu und in Lebensräumen auf basenarmen Ausgangsgestein. Zu betonen ist hier aber auch, dass der Fundpunkt an der Lenne
zwar als basenreich, aber als weitgehend kalkfrei anzusehen ist.
Die 13 Laichgewässer in denen wir den Fadenmolch nachweisen konnten, verteilten sich räumlich wie folgt:
Wiblingwerder Hochfläche: 2 Gewässer
Neuenrader Hochflur: 2 Gewässer
Lennetal: 3 Gewässer
Rahmedetal und Seitentäler: 2 Gewässer
Nettetal: 1 Gewässer
Schwarze- Ahe: 3 Gewässer
Von diesen Gewässern waren:
2 aufgegebene Fischteiche
1 Abgrabung im Grauwackesteinbruch
4 Gartenteiche
1 ehemaliger Feuerlöschteich
5 ehemalige Viehtränken
Im Folgenden sollen diese 13 Fundpunkte näher vorgestellt werden. Dabei möchte ich sowohl auf den Charakter der Gewässer, die
jeweilige Vergesellschaftung der Molche mit anderen Tierarten und die nähere Umgebung der Laichplätze eingehen.
Wiblingwerder Hochfläche
Fundpunkt 1. Quellstau bei Vogelhenne (Wiblingwerde).
Der Quellstau ist ca. 3 qm groß, die Wassertemperatur steigt selten deutlich über 10°C.
Das Gewässer ist mit Eschen umstanden, welche auf der Westseite allerdings relgelmäßig kurz
gehalten werden.
Die Umgebung besteht aus Weiden sowie Fichtenforst und artenarmem Hainsimsen- Rotbuchenwald.
Bereits am 8.03 fanden wir hier nach einer milden Witterungsphase 2,2 Fadenmolche (und 4,2 Bergmolche).
5) Literaturverzeichnis
Feldman, Reiner: Artenliste der Lurche und Kriechtiere des Kreises Lüdenscheid, in: Der Sauerländische Naturbeobachter Nr. 9,
Lüdenscheid 1970.
Feldmann, Reiner: Tiere der Heimatlandschaft, Iserlohn 1985, insbesondere S.66-69.
Nöllert, Andreas und Nöllert, Christel: Die Amphibien Europas, Stuttgart 1992.
Schlüpmann, Martin: Beobachtungen zur Migration von Triturus a. alpestris (Laurenti 1768), Triturus v. vulgaris (Linneaeus 1758), und
Triturus h. helveticus (Razoumowski 1789), in: Jahrbuch für Feldherpetologie, Köln, 1987, S.69-84.
Schlüpmann, Martin: Der Fadenmolch (Triturus helveticus) in Europa - Ansätze zur Erklärung seines Verbreitungsgebietes, in: Zeitschrift für
Feldherpetologie, Supplement 10, Bielefeld, 2006, S. 91-112.
Schlüpmann, Martin: Häufigkeit und räumliche Verteilung von Molchen (Gattung Triturus) in einem Untersuchtungsgebiet des nordwestlichen
Sauerlandes, in: Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 10, Bielefeld, 2006, S.183- 201.