Feuersalamander (Salamandra salamandra terrestris)

 Typisch gefärbtes Weibchen des Feuersalamanders. Fundort: Altena - Lissing, 24.01.2004; Foto: Chr. Schwerdt.

Typisch: Kräftiger, Gedrungener Landsalamander, Große Parotiden, Lackschwarze Körperoberfläche mit zwei leuchtend gelben Leisten, welche beliebig unterbrochen sein können.

Beschreibung: Erwachsene Feuersalamander können im Altenaer Raum etwa 18 cm  lang werden. Die Weibchen wirken hierbei meist stattlicher, jedoch unterscheiden sich die Männchen durch den etwa 10- 15% längeren Schwanz und eine auch außerhalb der Fortpflanzungszeit wesentlich größere, länglicher wirkende Kloakenregion. Die Vordergliedmaßen der Männchen sind darüber hinaus etwa 20 % länger als die der Weibchen.

Auffallend am Feuersalamander sind die sympathischen, großen Augen und die bereits erwähnten Drüsenleisten am Hinterkopf die Parotiden, auf deren gelber Grundfarbe kleine schwarze Punkte zu erkennen sind.  Wichtig zur Unterscheidung von (unseren) Molchen sind der rundliche Schwanzquerschnitt des Salamanders sowie der schwarze Bauch. Die gelben Flecken der im Altenaer Raum verbreiteten westlichen Unterart (Salamandra salamandra terrestris) verlaufen grob entlang zweier Linien beiderseits der Wirbelsäule, wobei sie unterbrochen sein können, so das nur eine Reihe gelber Punkte von unterschiedlicher Größe erkennen zu ist. Bei anderen Tieren jedoch kann eine oder beide der gelben Linien vollständig sein, so das auf dem Rücken zwei gelbe Streifen zu erkennen sind. an den Armen und Beinen verläuft jeweils ein gelber Streifen, welcher eine Art Zick- Zack - Muster bildet, aber auch unterbrochen sein kann (vgl. obige Abbildung) .

 Kein Tier gleicht in der Färbung dem anderen !

Trächtiges Feuersalamanderweibchen; Fundort: Nachrodt- Einsal, Nähe Folienteich, 21.04.2007. Die roten Pfeile markieren die Ohrdrüsenleisten (Parotiden). Foto: Paul Bachhausen.

Lebensraum und Jahresaktivität:  Feuersalamander benötigen in ihrem Lebensraum in erster Line zwei Strukturen:

1. Unterirdische Spaltensysteme wie Geröllhaufen, Kleinsäugerbauten oder Verfaulende Baumstubben, am besten aber alles zusammen. In sehr lockerem Boden erweitern die Tiere unter Steinen im Wald auch Kleinsäugergänge durch graben.

2. langsamfließende oder stehende Gewässer zum Absetzen ihrer Larven. Die typischen Laichgewässer märkischer Feuersalamander sind  hierbei langsamfließende Bachabschnitte oder Kolke, es wurden aber auch schon Larven in Wassergefüllten Wagenspuren auf Waldwegen, in Viehtränken mit Zu- und Abfluß oder auch in Gartenteichen abgesetzt.

Bei der Wahl der Umgebung dieser Strukturen sind die Salamander flexibel, sie bewohnen alle Typen von Buchenwäldern, Stieleichen- Hainbuchenwälder, Gärten und nicht zu intensiv bewirtschaftete offene Landstriche. Auwälder werden eher gemieden, wenn Staunässe ansteht, die Weibchen setzen dann nur ihre Larven in den Gewässern ab und suchen anschließend wieder Buchenwälder höher am Hang auf. Fichtenmonokulturen werden besiedelt, wenn eine Kraut- und Strauchschicht gut ausgebildet sind. Wird der Boden nur von einer dicken Schicht mumifizierter Nadeln bedeckt, werden sie von unserer Art gemieden. Eine Überraschung ergab sich, als ich im Mai 2006 im Steinwinkel ein Gemüsebeet umgrub, das vorher 2 Jahre brachgelegen hatte, unter einem Gewirr von Mauselöchern förderte ich hier in ca. 30 cm Tiefe zwei noch jugendliche Salamander (13 und 14 cm) zu Tage. Überwintert wird ebenfalls, nur bei Frost, in verschiedensten unterirdischen Hohlräumen, manchmal in mehreren Exemplaren. Bei mildem Winterwetter verlassen die Tiere ihre Winterquatiere, manchmal sitzen sie dann aber nur stundenlang vor dem Höhleneingang und schauen scheinbar träumend in die Luft, einen Grund für dieses Verhalten kenne ich nicht.  Es wurden auch schon Tiere unter losen Treppenstufen und in feuchten Kellern gefunden.

Populationen und Populationsgrößen im Altenaer Raum:

Der Feuersalamander kommt im Beobachtungsgebiet in zahlreichen individuenstarken Populationen vor. Intensive Nachsuchen der NAJU erbrachten in einem Buchenwald am Nettenscheid eine Individuendichte von 7 Tieren pro Hektar im Spätsommer, wenn die Anzahl nicht durch an- und abwandernde Weibchen verfälscht wird. In einem bachnahen Gartengelände am Steinwinkel ergab die Individuendichte nach 3 stündiger Nachsuche im September 2006 11 Tiere pro Hektar.

Die Größe einer Population lässt sich am ehesten an den in milden Nächten besonders von November bis April an die Bäche wandernden trächtigen Weibchen erkennen. Sie sind dann beim anwandern, verweilen im flachen Wasser und Larven absetzen leicht mit einer Taschenlampe zu erleuchten.

In einer 10°C kalten, luftfeuchten Nacht entdeckten wir am 23.01.04 mit Taschenlampen am Lissingsiepen entlang von 200 Metern Bach 27 trächtige Weibchen und zahlreiche Larven verschiedenster Größe. In der nächsten Nacht wurden bei nur noch 7°C nur noch 3 nachlassend trächtige  Weibchen gefunden, im unteren Teil des Siepen.

Es ist schwer  möglich, die Gesamtgröße von Feuersalamanderpopulationen im Beobachtungsgebiet zu erfassen, aber zu den an einem Bachsystem innerhalb eines Jahres laichenden Weibchen kann man nach einigen Nachsuchen ungefähre Angaben machen. Demnach sind die  uns bekannten größten, mit Sicherheit über 25 adulte Weibchen starken Populationen in Altena am Lissingsiepen, Linacker Siepen, einem kleinen Zufluß der Rahmede in der Nähe der BFT- Tankstelle, am Steinwinkel- Bach und am Graftiger Bach sowie am Fuhleck  zu finden. Vermutlich sind diese Populationen aber erheblich größer, da in einem Jahr in diesen Bachsystemen teilweise über 300 Larven eines Jahrganges gefunden wurden (es wurden keinesfalls alle Larven gefunden).  In Bachläufen in denen Fische vorkommen, werden offenbar keine Larven abgesetzt.

In Nachrodt- Wiblingwerde und in Werdohl ist der Feuersalmander weit verbreitet und stellenweise sehr häufig, während auf der relativ Gewässerarmen östlichen Neuenrader Hochfläche nur wenige Populationen zu finden sind.

Ernährung: Der Feuersalamander ist ein Nahrungsgeneralist, er erbeutet alles was sich bewegt und was er überwältigen kann, nachweislich Regenwürmer und Kellerasseln, laut NÖLLERT werden aber auch Landschnecken und Spinnen erbeutet.  Die Larven fressen vorwiegend Larven von Eintagsfliegen, Steinfliegen, aber auch Mückenlarven und Cyclops, sowie ins Wasser gefallene Regenwürmer passender Größe- auch die Gliedmaßen der eigenen Artgenossen werden nicht verschont. Adulte Feuersalamander sind nicht kannibalisch.

Fortpflanzung und Lebensdauer:

Wie schon mehrfach angedeutet, sind Feuersalamander im Gegensatz zu unseren Tritonen lebendgebährend. Die Paarungen verlaufen im Altenaer Raum das ganze Jahr über, vorrausgesetzt es herrscht kein starker Frost, mit deutlichem Schwerpunkt im Spätsommer (August- September) .

Die Männchen verlassen in dieser Zeit aktiv ihre Verstecke, und spüren vermutlich mit ihrem Geruchssinn die Weibchen auf, in dieser Zeit sieht man nachts im Schein der Taschenlampe verstärkt suchende Männchen. Haben die Gesellen nun im Paarungsrausch ein Weibchen aufgespürt, so wird es verfolgt und dabei oftmals in der Kloakenregion beschnuppert.

Hat das Männchen die pontentielle Partnerin für tauglich befunden, so versucht er sich unter sie zu schieben. Ist die Angebetete allerdings nicht willig, so wird sie einfach weiterlaufen, bis das Männchen irgendwann von ihr abläßt- und nur solche Fälle konnte ich bisher beobachten.

Ist das Weibchen aber interessiert, so läßt es sich nach  NÖLLERT vom Männchen mit den Vordergliedmaßen an seinen eigenen von hinten umklammern bevor es durch das Männchen angehoben wird. Nachdem das Männchen die Kloakenregion des Weibchens nun mit einigen Schwanzbewegungen stimuliert hat, beantwortet das Weibchen diese bewegungen und nimmt die vom Männchen abgegebene Spermatophore mit seinen Kloakenlippen auf (innere Befruchtung).

Die befruchteten Eizellen benötigen im Mutterleib bei uns etwa gute 7 Monate (laut Nöllert 8 etwa Monate - ein  Ende August in die Balz verstricktes und zu dieser Zeit eindeutig nicht trächtiges Weibchen setzte seine Larven Anfang März 2007 im Linacker Siepen ab, allerdings ist es möglicherweise doch schon einige Wochen früher gedeckt worden.), um sich zu ca 3,5 cm langen Larven zu entwickeln. Diese Larven werden bei uns von Oktober - April (mit deutlichem Schwerpunkt im November und Ende Januar/Februar-März) von den Weibchen in flachen und langsamfließenden Bachabschnitten, Kolken, Teichen und den übrigen beschriebenen Laichgewässern lebend abgesetzt. Zweifach wurden (2002 in Altena am Westhang des Drehscheid in einem Bach) albinotische Larven festgestellt.

Die Feuersalamanderlarven haben aber sonst eine braun-schwarze grundfärbung, nur sehr große Larven können bereits braun-schwarz-gelblich mamoriert sein. Auffällig sind hingegen auch bei jüngeren Larven helle, weiß bis rosa/ gelbliche Flecken an den Schenkeln und Oberarmen, woran man sie zweifelsfrei von Molchlarven unterscheiden kann. Bei alten Larven können diese Flecken schwarz unterbrochen sein.  Die Larven zeichnen sich darüber hinaus  durch kräftige äussere Büschelkiemen, sowie einen großen, breiten Kopf mit abgerundeter Schnauzenpartie aus.  Hat die Salamanderlarve nach etwa 4- 5 Monaten eine Größe von 5,5- 7 cm erreicht, deutet sich eine schwarz-  gelbliche Marmorierung auf der Körperoberfläche heraus, während die Büschelkiemen zeitgleich zurückgehen.  Diese Übergangszeichnung ist aber verwaschener als die Zeichnung der  Semiadulten und Adulten. Verläßt die Larve das Wasser, sind die Kiemen meist fast ganz oder ganz verschwunden, während die Lackschwarze Grundfärbung voll ausgebildet ist. Das individuelle gelbe Fleckenmuster bildet sich erst im ersten Lebensjahr heraus, bei der Metamorphose sind die gelben Flecken meist noch sehr klein.

Ca. 3 Monate alte Feuersalamanderlarven. Bei den beiden unteren Larven sind die typischen Beinflecken deutlich zu erkennen. Fundort: Bachkolk in Nachrodt- Einsal, 21.04.2007. Bei der Larve unten rechts wurde vermutlich von einem Artgenossen das rechte Vorderbein abgebissen, ist aber schon im Nachwachsen begriffen. Foto: Paul Bachhausen.

Gefährdung:

Im Augenblick ist der Feuersalamander im Beobachtungsgebiet mit Sicherheit ungefährdet, ein großflächiger Bestandsrückgang ist nicht zu erkennen. Dadurch, dass er auch die im heimischen Raum noch relativ häufigen kleinen Bachläufe als Laichplätze nutzt, ist er auch nicht so sehr von der Planierung der Waldwege betroffen. Gelegentlich kommt es in einigen Feuersalamanderpopulationen zu starken Verlusten, wenn zum Beispiel Winterquartiere oder Tagesverstecke der Tiere von Wildschweinen aufgestöbert werden.

Die Wildschweine fressen die Salamander aufgrund deren starker Hautgifte nicht, aber sie neigen dazu, diese zumindesteinmal zu "probieren", was dann meist mit dem Tod des Salamanders endet. Im März 2007 fanden wir 7 tote Salamander verschiedensten Alters rund um ihr Tagesversteck im Linacker Siepen, welche von Wildschweinen aufgebrochen und getötet wurden.

Feuersalamander werden, wie alle anderen heimischen Amphibien auch, häufig überfahren, allerdings, Gott sei Dank oder Glücklicherweise, nicht in so hohen Stückzahlen, als das Populationen in unserem Beobachtungsgebiet dadurch ausgelöscht werden könnten.


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