Christopher Schwerdts Molch- und Salamanderseite!

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Feuersalamander

Der Feuersalamander

E-Mail Drucken PDF

Der Feuersalamander

Salamandra s. terrestris (LAURENTI, 1768)

"Der Gefleckte Salamander oder Erdmolch, auch Feuersalamander genannt, gehört zu den interessantesten Tieren unserer Heimat, wo er sich vorwiegend in schattigen und feuchten Gebirgswäldern aufhält und ein Einsiedlerleben führt. "

W. HENNEMANN, märkischer Heimatforscher 1927 über den Feuersalamander im Lüdenscheider Sauerland (In: HENNEMANN, W.: Der Salamander und seine Verbreitung im Sauerlande, Sonderdruck aus den Heimatblättern des mittleren Lennegebietes 9, 1927.).

Salamandra salamandra terrestris

Typisch gefärbtes Weibchen des Feuersalamanders. Fundort: Altena-Lissingsiepen, 24.01.2004. Foto: Chr.Schwerdt

Typisch: Kräftiger, gedrungener Landsalamander. Große Parotiden, Lackschwarze Körperoberfläche. Dorsal mit zwei leuchtend gelben Streifen, die geschlossen verlaufen oder an beliebigen Stellen unterbrochen sein können.

Beschreibung: Erwachsene Feuersalamander können im Altenaer Raum etwa 18cm lang werden (Vgl. hierzu auch SCHLÜPMANN 2008). Die Weibchen wirken stattlicher, doch unterscheiden sich die Männchen durch den etwa 10-15% längeren Schwanz und eine auch auch ausserhalb der Fortpflanzungszeit wesentlich größere, länglicher wirkende Kloakenregion. Die Vordergliedmaßen der Männchen sind darüber hinaus etwa 20% länger als die der Weibchen.

Auffallend am Feuersalamander sind die sympathisch wirkenden, großen Augen und die bereits erwähnten Drüsenleisten am Hinterkopf, welche man als Parotiden bezeichnet. Auf der gelben Grundfarbe der Parotiden sind kleine schwarze Punkte zu erkennen. Wichtig zur Unterscheidung von unseren Molchen sind der rundliche Schwanzquerschnitt des Salamanders sowie der schwarze Bauch. Die gelben Flecken der in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde verbreiteten westlichen Unterart (Salamandra salamandra terrestris) verlaufen grob entlang zweier Linien beiderseits der Wirbelsäule, wobei sie unterbrochen sein können, so das nur Reihen gelber Flecken von unterschiedlicher Größe zu erkennen sind. Bei anderen Tieren jedoch können eine oder beide der Reihen vollständig sein, so das auf dem Rücken gelbe Streifen zu erkennen sind. An Armen und Beinen verläuft jeweils ein gelber Streifen, welcher eine Art Zick-Zack Muster bildet, aber ebenfalls auch unterbrochen sein kann (vgl. obige Abbildung).

Kein Exemplar des Feuersalamanders gleicht in seiner Fleckung dem anderen. Die Tiere können daher anhand ihrer Fleckung individuell wiedererkannt werden.

Jungtier des Feuersalamanders. Man beachte die kräftig ausgebildeten Ohrdrüsenleisten. Fundort: Steinwinkel bei Altena, 01.06.11. Foto: Chr. Schwerdt.

Lebensraum und Jahresaktivität: Feuersalamander benötigen in ihrem Lebensraum in erster Linie zwei Strukturen:

1. Unterirdische Spaltensysteme, welche durch Geröll, Kleinsäugerbauten und/oder verfaulende Baumstubben gebildet werden können. In lockerem Substrat, wie der Streuschicht von Waldböden, können die Tiere auch graben, bzw. bestehende Röhrensysteme von Kleinsäugern erweitern.

2. Langsamfließende oder stehende Gewässer zum Absetzen ihrer Larven. Die typischen Laichgewässer der märkischen Feuersalamander sind langsamfließende Bachabschnitte oder Kolke, doch können Larven auch in Viehtränken, Gartenteichen oder wassergefüllten Wagenspuren auf Waldwegen abgesetzt werden.

Im Hinblick auf die weitere Umgebung dieser Strukturen sind Feuersalamander flexibel. Sie bewohnen alle Typen von Buchenwäldern, Eichen-Hainbuchenwälder, Gärten und Grünland. Auwälder werden gemieden, wenn Staunässe ansteht. Die Weibchen suchen diese Bereiche dann nur auf, um ihre Larven dort abzusetzen. Später suchen sie dann wieder trockenere Hangbereiche auf, welche allerdings zumindest eine gewisse Frische besitzen sollten. Fichtenmonokulturen werden besiedelt, wenn Kraut-und Strauchschicht gut ausgebildet sind. Wird der Boden nur von einer dicken Schicht mumifizierter Nadeln bedeckt, ist mit Feuersalamandern nicht zu rechnen.

Eine Überraschung ergab sich, als ich im Mai 2006 ein Gemüsebeet im Steinwinkel umgrub. Dieses Beet hatte vorher 2 Jahre brachgelegen und war von einem Gewirr aus Kleinsäugerbauten durchzogen. In ca. 30cm Tiefe stieß ich auf zwei semiadulte Feuersalamander von 13-14cm Länge. In diesem und benachbarten Beeten wurden in der Folge noch mehrfach Salamander gefunden (vgl. unten). Überwintert wird ebenfalls, nur bei Frost, in verschiedensten unterirdischen Hohlräumen, manchmal gemeinsam mit einigen weiteren Exemplaren. Bei mildem Winterwetter verlassen die Tiere ihre Winterquartiere, um manchmal nur stundenlang vor dem Höhleneingang zu sitzen und dabei still verharrend in die Luft zu schauen. Der Grund für dieses Verhalten ist mir nicht bekannt. Mehrfach wurden im Untersuchungsraum Feuersalamander auch unter losen Treppenstufen und in feuchten Kellern gefunden.

Verbreitung: Feuersalamander sind mit mehreren Unterarten in West-, Mittel-, und Südosteuropa verbreitet. In Großbritannien, Irland, Skandinavien und Nordosteuropa kommen sie nicht vor. Die Nordostgrenze der Verbreitung liegt in Süd-Polen und der südwestlichen Ukraine. In Deutschland liegt der Schwerpunkt ihrer Verbreitung in den waldreichen Regionen der Mittelgebirge. Im Norddeutschen Tiefland gibt es inselartige Vorkommen. In den Allgäuer Alpen fehlt der Feuersalamander. Er wird dort durch den Alpensalamander vertreten.

Populationen und Populationsgrößen in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde: Adulte Feuersalamander lassen sich durch Nachtbegehung oder in ihren Verstecken nachweisen. Die Larven sind in Siepen und Kolken meist auch tagsüber aktiv und problemlos zu auffindbar.

Der Feuersalamander ist im Untersuchungsraum mit zahlreichen individuenstarken Populationen vertreten. In letzter Zeit kam es jedoch zu lokalen Populationseinbußen (vgl. Abschnitt "Gefährdung").

Deutlich mehr als 100 Larven finden sich alljährlich zum Beispiel im Lissingsiepen, Linacker Siepen, einem kleinen Zufluß der Rahmede gegenüber der BFT-Tankstelle, im Graftiger Bach, sowie am Fuhleck bei Dahle. Auch zahlreiche Stillgewässer und Bachstaue sind alljährlich mit Larven besetzt, so z.B. die Fundpunkte 9. (Viehtränke bei Vogelhenne) und 11. (Folienteich bei Einsal). Eine individuenreiche Population im Siepental des Steinwinkler Baches ist durch das Überfahren zahlreicher Exemplare zurückgegangen oder erloschen. Mehr als 300 Larven konnte ich 2006 im Tiefenbach nachweisen. Adulte Feuersalamander besiedeln hier nicht nur den Siepen, sondern auch das südlich anschließende Grünland um Finkingsen.

Das Rückgrat einer Feuersalamanderpopulation wird jedoch nicht durch die Larven, sondern vor allem durch die Adulti gebildet. Hier ist es aufgrund der versteckten Lebensweise der Art sehr schwierig, erhebliche Teile einer Population aufzuspüren. Am ehesten wird dies gelingen, wenn die Weibchen im Spätwinter und Frühjahr in milden Nächten die Gewässer aufsuchen, um ihre Larven abzusetzen. Im Rahmen eines Eulenverhörs der NABU-Ortsgruppe Altena-Nachrodt fanden wurden beispielsweise am 23.01.2004 mit Taschenlampen am Lissingsiepen entlang von ca. 200 Metern Bach 27 trächtige Weibchen und zahlreiche Larven verschiedener Größe gefunden. Die Temperatur betrug zu diesem Zeitpunkt 10°C bei hoher Luftfeuchtigkeit. In der nächsten Nacht wurden bei 7°C, starkem Wind und geringerer Luftfeuchte nur noch 3 weniger trächtige Weibchen im unteren Teil des Siepens gefunden.

Ernährung: Feuersalamander sind Nahrungsgeneralisten, welche alles erbeuten, was überwältigt werden kann. Nach eigener Beobachtung  vertilgen Adulti Regenwürmer, Keller-und Mauerasseln. Den Larven fallen Eintagsfliegenlarven, Steinfliegenlarven, Chironomidenlarven, Wasserasseln und Cyclops zum Opfer. Auch die Gliedmaßen der eigenen Artgenossen werden nicht verschont. Semiadulte und adulte Feuersalamander sind dagegen nicht kannibalisch. Weitere Informationen finden sich bei NÖLLERT & NÖLLERT (1992).

Fortpflanzungsverhalten: Im Gegensatz zu unseren heimischen Tritonen ist der Feuersalamander lebendgebährend. Paarungen sind über das ganze Jahr verteilt möglich, sofern kein strenger Frost herrscht. Schwerpunkt der Fortpflanzungsaktivitäten ist jedoch der Spätsommer und Herbst (August-Anfang Oktober).

Die Männchen verlassen in dieser Zeit ihre Verstecke und spüren vermutlich mit dem Geruchssinn die Weibchen auf. Man kann  zu dieser Zeit nachts im Schein der Taschenlampe auch verstärkt suchende Männchen z.B. auf Waldwegen oder an Böschungen entdecken. Haben die Gesellen nun im Paarungsrausch ein Weibchen aufgetan, so wird es verfolgt und dabei oftmals in der Kloakenregion beschnuppert. Hat das Männchen die potentielle Partnerin für attraktiv befunden, so versucht er sich, unter sie zu schieben. Ist die Angebetete allerdings nicht willig, läuft sie einfach weiter, bis das Männchen irgendwann von ihr abläßt. Nur solche Fälle konnte ich bisher im Freiland, oft durch Zufall, beobachten.

Für die Schilderung des weiteren Paarungsverlauf sind wir daher an dieser Stelle darauf angewiesen, die Literatur zu befragen. Nach NÖLLERT (1992) läßt sich das Weibchen, sofern es interessiert ist, vom Männchen mit den Vordergliedmaßen an seinen eigenen von hinten umklammern, bevor es durch das Männchen angehoben wird. Nachdem das Männchen die Kloakenregion des Weibchens nun mit einigen Schwanzbewegungen stimuliert hat, beantwortet das Weibchen diese Bewegungen und nimmt die vom Männchen abgegebene Spermatophore mit seinen Kloakenlippen auf (innere Befruchtung).

Die befruchteten Eizellen benötigen im Mutterleib bei uns etwa gute 7 Monate, laut NÖLLERT etwa 8 Monate, um sich zu ca. 3-3,5 cm langen Larven zu entwickeln. Diese Larven werden bei uns von Oktober-April (mit Schwerpunkt in den Monaten Februar und März) von den Weibchen in flachen, langsamfließenden Bachabschnitten, Kolken und anderen Laichgewässern abgesetzt. Zweifach wurden in einem Kolk am Drehscheider Berg bei Altena albinotische Larven gefunden (Mai 2002).

Für gewöhnlich haben Feuersalamanderlarven allerdings eine braun-schwarze Grundfärbung. Sehr große Larven können bereits braun-schwarz-gelb marmoriert sein. Auffällig sind hingegen auch bei jüngeren Larven helle, weiß bis rosa-gelbliche Flecken an den Schenkeln und Oberarmen, woran man sie zweifelsfrei von Molchlarven unterscheiden kann. Bei alten Larven können diese Flecken mit Schwarzen Streifen unterbrochen sein. Darüber hinaus zeichnen sich Feuersalamanderlarven durch kräftige äussere Büschelkiemen, sowie einen großen, breiten Kopf mit abgerundeter Schnauzenpartie aus. Haben sie nach 4-5 Monaten eine Größe von 5,5-6,5 cm erreicht, deutet sich zunehmend eine schwarz-gelbe Marmorierung auf der Körperoberfläche an, während die Büschelkiemen allmählich zurückgehen. Diese Übergangszeichnung ist aber verwaschener als die schwarz-gelbe Tracht der semiadulten und adulten Tiere. Verläßt die Larve das Wasser, sind die Kiemen meist fast oder ganz verschwunden. Die Lackschwarze Grundfärbung ist nun nach wenigen Tagen voll ausgebildet, während die gelben Flecken meist noch sehr klein sind. Das individuelle gelbe Fleckenmuster bildet sich erst im laufe des ersten Lebensjahres voll heraus.

S. s. terrestris-Larven

Ca. 3 Monate alte Feuersalamanderlarven. Bei den beiden unteren Larven sind die typischen Beinflecken deutlich zu erkennen. Dem Tier unten rechts fehlt der linke Vorderfuß, welcher vermutlich von einem Artgenossen abgebissen wurde. Man erkennt allerdings bereits die einsetzende Regeneration. Fundort: Nachrodt-Einsal, 21.04.2007. Foto: Paul Bachhausen.

Gefährdung: Aufgrund seiner weiten Verbreitung und den zahlreichenden reproduzierenden Populationen ist der Feuersalamander gegenwärtig im Untersuchungsraum wahrscheinlich nicht gefährdet. Da er verstärkt Bäche als Laichgewässer nutzt, ist er durch die Planierung von Waldwegen weniger betroffen, als z.B. der Bergmolch. Verluste durch den Strassenverkehr treten wie bei allen Amphibienarten auf und führen lokal zur Dezimierung von Populationen. Insbesondere am Steinwinkel bei Altena scheint die Population 2012 nach zahlreichen Verlusten zurückgegangen oder erloschen zu sein. Wahrscheinlich haben als weiterer Faktor auch Larvenverluste durch eingesetzte Bachforellen zum Rückgang der Steinwinkler Popupulation beigetragen.

Weiterführende Links:

Nach Oben

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 05. August 2013 um 13:27 Uhr