Christopher Schwerdts Molch- und Salamanderseite!

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Teichmolch

Der Teichmolch

E-Mail Drucken PDF

Der Teichmolch

Lissotriton v. vulgaris (LINNAEUS, 1758)

"Der Teichmolch hat den Schwerpunkt seiner Verbreitung im Tiefland; (...) tritt aber mit steigender Höhe gegenüber den typischen Waldarten Berg-und Fadenmolch immer stärker zurück, um schließlich ganz zu fehlen."

Reiner FELDMANN, märkischer Herpetologe und Naturschützer 1985 über die lückenhafte Verbreitung des Teichmolches im südwestfälischen Bergland (In: FELDMANN, Reiner: Tiere der Heimatlandschaft, Iserlohn 1985, S. 67.).

Lissotriton (Triturus) vulgaris

Teichmolchmännchen in Wassertracht. Man beachte den gewellten Rückenkamm, die starke seitliche Fleckung, sowie die charakteristische Kopfstreifung. Der Rückenkamm ist beim Fadenmolchmännchen niemals gewellt! Fundort: Kiesgrube bei Recke, Kreis Steinfurt, Mai 2008. Foto: Chr.Schwerdt

Weibchen des Teichmolches in Wassertracht. Die Bauchfleckung ist deutlich erkennbar. Zur sicheren Unterscheidung gegenüber Fadenmolchweibchen siehe auch Artportrait "Fadenmolch". Fundort: Kiesgrube bei Recke, Kreis Steinfurt, Mai 2008. Foto: Chr.Schwerdt

Neotener, noch nicht geschlechtsreifer Teichmolch (Gesamtlänge ca. 9 cm). Dieser Molch wurde ebenfalls in der Recker Kiesgrube gefunden. Solche mit äusseren Kiemen versehenen "Dauerlarven" sind aus dem Altenaer Raum bisher nicht bekannt geworden. Da die Möglichkeit ihres Vorkommens jedoch nicht ausgeschlossen ist, möchte ich auch dieses Tier hier vorstellen. Fundort: Kiesgrube bei Recke, Kreis Steinfurt, Mai 2008. Foto: Chr. Schwerdt

Typisch: Mittelgroßer Wassermolch, im männlichen Geschlecht recht schlank, Weibchen robuster. Kopf mit drei Längsfurchen, Bauchseite beim Männchen mit dunklen, rundlichen Flecken. Flecken beim Weibchen kleiner und im Umriß unregelmäßiger. Männchen in Wassertracht mit gewelltem Rückenkamm, welcher über der Schwanzwurzel nicht unterbrochen ist. In Land und  Wassertracht mit dunkler Kopfstreifung. Helle Flecken auf den Fußballen bei beiden Geschlechtern fehlend.

Im Untersuchungsraum nur stellenweise anzutreffen und nicht häufig. Gewässer mit Bach- oder Quellwasserzufuhr werden weitestgehend gemieden.

Beschreibung: Länge der Adulti 8-10cm, Männchen in der Regel schlanker und unwesentlich größer als die Weibchen. Das Teichmolchmännchen fällt in Wassertracht durch einen gewellten Rückenkamm auf, welcher über der Schwanzwurzel nicht oder wenig eingedellt ist. Die Kloake ist im Vergleich zum Weibchen vergrößert und kann in Brunftstimmung gut durchblutete Zotteln aufweisen. Flanken und Bauch sind mit dunklen, rundlichen Flecken bedeckt. Auf dem Kopf der Männchen finden sich sechs dunkle Streifen und drei Längsfurchen. Letztere sind auch bei den Weibchen vorhanden. Helle Fußballenhöcker fehlen bei beiden Geschlechtern.

Während des Landaufenthaltes kann man die Männchen vorwiegend anhand ihrer größeren Kloake und den größeren und runderen Bauchflecken von den Weibchen unterscheiden. Ihr Rückenkamm ist dann meist stark verkleinert.

Die Weibchen sind in Wassertracht oberseits bräunlich gefärbt. Ihre Kopfstreifung ist aufgrund der dunklereren Grundfarbe schlechter zu erkennen. Ihr Bauch ist an den Rändern gelblich, in der Mitte mit einem orangenem, unscharf abgegrenzten Streifen. Bauchflecken sind kleiner, nicht so zahlreich und unregelmäßiger geformt als beim Männchen. Der Kopf der Weibchen ist im Gegensatz zu den Männchen etwas breiter. Heller Fleck über der Hüfte und helle Fußballenhöcker fehlen.

Lebensraum und Jahresaktivität: Der Teichmolch bevorzugt Laichgewässer in offener oder halboffener Landschaft (vgl. SCHLÜPMANN 2006). Seine Landhabitate entsprechen weitestgehend jenen des Fadenmolches. Morsche Baumstümpfe, Bauschutt, Lenneschotter und Kleinsäugerbauten dienen den Molchen als Unterschlupf. Auch im Hinblick auf seine Populationsdynamik gleicht L. vulgaris seiner Schwesternart L. helveticus.

Verbreitung: Teichmolche zeigen mit ihren zahlreichen Unterarten die weiteste Verbreitung aller europäischen Schwanzlurche. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Rußland im Osten bis Irland im Westen und von Mittelnorwegen bis nach Italien und in den östlichen Mittelmeeraum. Nicht besiedelt werden die iberische Halbinsel, Südwest-Frankreich, Süditalien sowie ein Großteil der Mittelmeerinseln.

Populationen und Populationsgrößen in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde: Der Teichmolch ist im Untersuchungsraum die weitaus seltenste Molchart. Bei der Molchzählung 2009 konnte er nur an 10% aller erfassten Fundpunkte mit insgesamt 5 Exemplaren festgestellt werden. Dies entspricht bezogen auf die Individuenanzahl aller nachgewiesenen Molche einem Anteil  von 1,3 Prozent. Die Seltenheit des Teichmolches im Oberland wurde bereits von FELDMANN (1985) und SCHLÜPMANN (2006) betont. Ihre Wurzeln liegen vermutlich in der relativen Thermophilie der Art (vgl. SCHLÜPMANN 2006). In der Tat meidet der Teichmolch rel. kühle bach-und quellwassergespeiste sowie vollschattige Gewässer. Diese sind jedoch im Beobachtungsgebiet häufig vertreten und machten 2009 65% der untersuchten Laichgewässer aus.

Ernährung: Teichmolche besitzen ein ähnliches Beutespektrum wie die nah verwandten Fadenmolche. An sonnigen Frühlingstagen kann man oft unter der Wasseroberfläche dahintreibende Männchen beobachten, welche sich sonnen, aber auch auf anfliegende Insekten lauern, welche dann nicht selten überwältigt werden können.

Fortpflanzung und Entwicklung entsprechen weitestgehend jener des Fadenmolches, auf dessen Artportrait an dieser Stelle verwiesen werden soll.

Gefährdung: Aufgrund der Seltenheit der Art im Untersuchungsraum sollten ihre wenigen bekannten Laichgewässer besondere Aufmerksamkeit des ehren- sowie hauptamtlichen Naturschutzes verdienen. Da die Art gerne Gartenteiche annimmt, ist es wichtig, die Bevölkerung weiterhin zur Anlage und Erhaltung dieser Biotope zu ermuntern.

Nach Oben

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 13. Juni 2014 um 16:29 Uhr