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Häufigkeit und Verbreitung der Molche in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde

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1. Einleitung

Besonders im Falle der Wassermolche (ehem. Gattung Triturus) ist die Synökologie der einzelnen Arten von Region zu Region verschieden und Gegenstand intensiver herpetologischer Forschung, welche in diesem Falle nicht nur Artenkenntniss, sondern für die Interpretation der Ergebnisse auch genaue Ortskenntnisse erfordert. Untersuchungen zur Häufigkeit und Verbreitung dieser Arten sind also eine dankbare Aufgabe für herpetologisch interessierte Schüler, Studenten und Biologen.

Im Märkischen Sauerland werden Lebensweise, Verbreitung und Häufigkeitsverteilung der Molcharten bereits seit den 60er Jahren untersucht (Vgl. z.B. FELDMANN 1970 und SCHLÜPMANN 1987,2006, 2007 u.a.). 2006 führte Martin SCHLÜPMANN nochmals umfangreiche Erhebungen im Hagener Raum durch, welche im Südosten die Wiblingwerder Hochfläche streiften. Ebenfalls 2006 begannen, ermuntert durch Martin SCHLÜPMANN, die herpetologischen Kartierungen des Verfassers in Nachrodt, Wiblingwerde und dem benachbarten Altena (Westf.). 2007 und 2008 erfolgten die ersten Molchkartierungen auf Basis überwiegend von Nachtbegehungen an insgesamt 16 Laichgewässern. Auch Funde von Tieren in ihren Landhabitaten und von migrierenden Exemplaren wurden notiert, als Bericht aufgearbeitet und schließlich Martin SCHLÜPMANN für die Herpetofauna NRW und fortlaufende Kartierungen zur Verfügung gestellt.

2009 - 2012 wurde der Molchbestand an 26 Laichplätzen in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde systematisch erfasst. Dabei wurden die Individuenanzahl, Beschaffenheit von Laichgewässern und Umgebung, Verbreitungsmuster sowie Vergesellschaftung mit anderen Amphibienarten sowie Invertebraten notiert. Durch mehrere aufeinanderfolgende Nachtbegehungen wurde 2009 an einigen Fundpunkten die Anwanderung und an einem Fundpunkt auch die Abwanderung der Molche dokumentiert.

Der folgende Abschnitt soll als Ergänzung der Arbeiten FELDMANNS und SCHLÜPMANNS verstanden werden und einen aktuellen Kenntnisstand zur Populations-und Synökologie der drei Molcharten bieten, welche in Altena-und Nachrodt-Wiblingwerde vorkommen. Dafür sollen zurnächst die verschiednen Nachweismethoden für Molche vorgestellt, weiterhin die Ergebnisse der Erfassungen dargelegt und schließlich mit Hilfe von regionaler und überregionaler Forschungsliteratur diskutiert werden.

Um Wassermolche in ihren Laichgewässern nachzuweisen, existieren im Wesentlichen drei Methoden, welche im Folgenden kurz vorgestellt und diskutiert werden sollen. Für einen Nachweis an Land läßt sich das Habitat der Tiere nachts mit der Taschenlampe abgehen. Ebenfalls ist es möglich, die Tiere tagsüber unter Holz, Steinen und Unrat aufzuspüren.

Methode 1.: Gründliches Durchkäschern des Gewässers bei Tage oder in der Nacht

Vorteil: -Bei kleineren Gewässern kann man die Tiere nahezu vollständig erfassen und z.B. auch auf morphologische Merkmale untersuchen.

Nachteile: -Die Vegetation kann unter Umständen durch das Käschern beschädigt werden. Dies ist aufgrund der Wüchsigkeit insbensondere von Flutschwaden-Kleinrörichten nicht immer ein Problem. Diese Gesellschaften sind im Untersuchungsraum weit verbreitet (vgl. SCHLÜPMANN 2006).

-Beim Käschern ist darauf zu achten, dass Wasserinsekten nicht zu Schaden kommen.

-Bei größeren Gewässern kann man tiefere Bereiche kaum gründlich abdecken.

-Die Methode ist mit Abstand die Zeitaufwendigste.

Abb. 1: In dieser Viehtränke bei Nachrodt-Einsal wurde 2009 bis 2011 der Molchbestand erfasst, indem das Gewässer gründlich durchgekäschert wurde. Die festgestellten Tiere wurden bestimmt, nach Geschlecht und Färbung untersucht und wieder in ihr Laichgewässer entlassen, nachdem alle notwendigen Daten notiert wurden. Käschern bietet sich als störungsintensive Methode dann an, wenn das Gewässer für nächtliches Durchleuchten zu trübe ist. Foto: F. Michalski.

Methode 2.: Ausbringen von Molchfallen: Eimerräusen und Flaschenräusen.

Vorteile: -Bei größeren Gewässern die weitaus effizienteste Methode.

-Keine Beschädigungen der Vegetation.

-Flaschenräusen sind in ihrer Effizienz dem Käschern ebenbürtig.

-Die Räusen sind auch für Wasserkäfer fängig, was man sich bei einer entsprechenden Erhebung zu Nutze machen kann, falls gewünscht.

Nachteile: -Die Fallen können u.U. entwendet oder zerstört werden.

-Sie müssen täglich kontrolliert werden, damit die Tiere nicht erheblich gestresst werden oder sich gegenseitig anfressen.

-Eimerräusen sind in ihrer Effizienz gerade bei kleineren Gewässern Durchleuchtung und Käschern unterlegen.

-Eimmerräusen sind aufgrund ihrer Ausbringung im Pelagial für bodenlebende Molcharten (Bergmolch!) weniger fängig.

Abb. 2: Molche und Wasserkäfer geraten auf ihren nächtlichen Streifzügen in Eimer-und Flaschenräusen hinein, aber nicht wieder hinaus. Für kleinere Molcharten ist die Fängigkeit der Flaschenräusen besonders hoch (Martin SCHLÜPMANN, mündliche Mitteilung). Die abgebildeten Räusen wurden im NSG Heiliges Meer bei Ibbenbühren mit behördlicher Genehmigung ausgebracht. Foto: Chr.Schwerdt

Abb. 3: Ausbringen von Molchreusen in einem Heideweiher des NSG Heiliges Meer. Der pH-Wert des Gewässers lag um 5. Bei der Kontrolle der Fallen am nächsten Tag wurden zahlreiche Berg-und Teichmolche sowie die Wasserkäfer Dytiscus cf marginalis und Colymbetes fuscus nachgewiesen.

Methode 3.: Nächtliches Durchleuchten der Fortpflanzungsgewässer

Vorteile: -die mit Abstand schonenste Methode: Die Molche werden wenig bis garnicht gestört.

-Bei kleineren und nicht allzustark durchkrauteten Gewässern hohe Nachweisquoute im Vergleich zum Käschern.

Nachteile: -In trüben oder veralgten Gewässern kann ein größerer Teil der anwesenden Tiere übersehen werden.

Abb. 4: Durchleuchtung einer Viehtränke bei Oevenscheid im März 2010. In kleineren und relativ klaren Gewässern lassen sich Molche nachts gut mit der Taschenlampe nachweisen. Foto: Chr. Schwerdt


Abb. 5: Bergmolche auf dem Grund des Feuerlöschteiches am Hallenscheid. Auch in diesem wenig verkrauteten Gewässer war die Nachtbegehung zum Nachweis der Molche Mittel der Wahl. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, lassen sich die Molche durch kleine Taschenlampen nicht stören und fahren mit ihrem nächtlichen Treiben fort. Eine Nachtbegehung bietet daher die Möglichkeit, Verhaltensweisen der Molche wie Nahrungsaufnahme, Balz und Eiablage im Laichgewässer zu beobachten. Foto: Chr. Schwerdt, April 2012.

3. Durchführung

Zur Entscheidung, welche Methode sich für den Untersuchungsraum als günstig erweisen würde, wurden die zu untersuchenden Gewässer auf ihre Beschaffenheit untersucht und hierzu eine Tabelle angefertigt.

Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass die Gewässer meist nicht sehr stark von Sedimenten durchsetzt sind. Auch die Mächtigkeit der Pflanzendecke überschreitet nur in 4 Fällen 40% Deckungsgrad. Dort, wo natürliche Vegetation vorhanden ist, dominieren meist Flutschwadengesellschaften. Aufgrund der Beschaffenheit von Sedimentation und Durchkrautung wurde in den meisten Fällen Nächtliche Durchleuchtung als schonenste Nachweismethode gewählt.

Jediglich bei den trüben und mulmreichen Fundpunkten 14, 16 und 22 erwies es sich als erforderlich, dass Gewässer am Tage gründlich durchzukäschern. An einigen Gewässern wurde im Frühjahr mehrfach gesucht, um die Anwanderung der Tiere zu dokumentieren. Die Abwanderung der Tiere wurde beispielhaft an einem Fundpunkt (18) untersucht. Nachsuchen in den Landhabitaten der Molche wurden an mehreren Terminen im März und April getätigt, allerdings wurden auch Zufallsfunde an Land in die Auswertung mit einbezogen.

Wurde an einem Gewässer mehrere Erfassungen durchgeführt, so wurde das jeweils quantitativ beste Ergebnis für die Auswertung verwendet. Für die Untersuchungen zur Populationsdynamik (An-und Abwanderung) wurden für das entsprechende Gewässer alle Zählungen eines Jahres mit ausgewertet.

4. Ergebnisse

Hinweis: Die Zahlen vor und nach dem Komma geben das Geschlechterverhältnis an. 2,3 Bergmolche steht demnach zum Beispiel für 2 Männchen und 3 Weibchen.

5. Auswertung

    5.1 Häufigkeit und Verbreitung

    Insgesamt wurden bei den Zählungen drei Molcharten nachgewiesen. Neben dem Bergmolch (Mesotriton a. alpestris) sind Fadenmolch (Lissotriton h. helveticus) und Teichmolch (Lissotriton v. vulgaris) vetreten. Eine vierte Art, der im Hagener Raum vereinzelt vorkommende Nördliche Kammolch (Triturus cristatus) scheint im Beobachtungsgebiet zu fehlen (vgl. auch SCHLÜPMANN 2006). Der Bergmolch ist mit Abstand die häufigste Molchart im Untersuchungsgebiet. Er wurde an 17 von 20 untersuchten Fundpunkten angetroffenen und akzeptiert alle vorhandenen Kleingewässertypen. Der Fadenmolch ist ebenfalls weit verbreitet, aber deutlich weniger häufig. Fadenmolche konnten ebenfalls an 17 Laichplätzen festgestellt werden. Eine Präferenz für einen bestimmten Gewässertyp in Bezug auf Beschattung, Vegetation und Umgebung ist auch bei ihnen nicht festzustellen.

    Der Teichmolch ist im Untersuchungsraum die weitaus seltenste Molchart. Bei der 2009er Zählung konnte er an nur zwei Fundpunkten nachgewiesen werden. Obwohl mir einige weitere Laichgewässer dieser Art im Beobachtungsgebiet bekannt sind, steht die Art an Stetigkeit und Häufigkeit immer noch erheblich hinter den beiden anderen Arten zurück. Mit Ausnahme eines Einzelfundes gelangen alle Teichmolch-Nachweise in Gartenteichen. quell-und bachwassergespeiste Kleingewässer werden ebenso wie Auskolkungen fast vollständig gemieden. Der Teichmolch scheint im Rahmedetal und auf der südlichen Wiblingwerder Hochfläche zu fehlen. Aus dem Lennetal liegen seit 2007 nur 3 Einzelnachweise jeweils eines Männchens vor und zwar am Fundpunkt 11. (Folienteich Einsal).

    Die Fundpunkte aller drei Arten sind nicht gleichmäßig über den Untersuchungsraum verteilt. 9 Fundpunkte liegen auf der Wiblingwerder Hochfläche und ihren Hängen zum Lennetal hin. Sie verteilen sich rel. gleichmäßig, doch existiert eine Lücke etwa im Bereich Brennscheid - Brennscheider Mühle  - Hahn, aus der nicht ein einziger Nachweis bekannt geworden ist.

    5 Fundpunkte liegen im unverbauten Teil des Nachrodter Lennetals. Das Altenaer Lennetal scheint nicht besiedelt, jedoch  liegen auch über die bei der Erhebung berücksichtigten Gewässer hinaus zahlreiche Nachweise aus dem Nettetal und seinen Siepen, Rahmedetal, vom Nettenscheid und aus Dahle vor. Eine Fundpunktlücke im Stadtgebiet Altenas wird etwa durch das Dreieck Wixberg -Gehegde - Burg Altena markiert. Auch habe ich keinen Hinweis über Molchvorkommen aus Evingsen und den sich nordöstlich anschließenden Waldgebieten.

    Um die Häufigkeitsverteilung der Molcharten abschließend anschaulich darzustellen, wurde mit den Ergebnissen ein Kreisdiagramm erstellt, welches alle 2009-2012 nachgewiesenen Tiere mit einschließt.

    Diagramm 1: Häufigkeit von Molchen in 26 Gewässern des Altenaer Raumes.

    5.2 Populationsgrößen

    Diagramm 2: Anzahl der nachgewiesenen Molche pro Fundpunkt in 26 Gewässern des Altenaer Raumes.

    Bei den meisten Zählungen wurden weniger als 50 Molche nachgewiesen. Besonders in Kleinstgewässern sind Funde von nur wenigen Tieren durchaus keine Seltenheit. Die höchste Anzahl von Molchen wurde an Fundpunkt 11 (Folienteich bei Nachrodt-Einsal) festgestellt, darunter allein 98 Exemplare des Bergmolches. Mit 28 Exemplaren wurden die meisten Fadenmolche an Fundpunkt 3 (Viehtränke bei Oevenscheid) nachgewiesen. Teichmolche wurden generell nur mit wenigen Exemplaren angetroffen. Die höchste Zahl lag hier bei vier Idividuen, welche  an Fundpunkt 11 gezählt wurden.

    5.3 An-und Abwanderung

Die Anwanderung der Tiere wurde an den Fundpunkten 3.,4.,11. und 17. dokumentiert, die Abwanderung jediglich an Fundpunkt 17., einem der Gartenteiche auf dem Nettenscheid. Allgemein läßt sich feststellen, dass die Anwanderung bei geeigneter Witterung ab Anfang März einsetzt und bis Mitte/Ende April hin andauert. Statistisch gesehen erreichen die Männchen beider Arten meist früher den Laichplatz als die Weibchen, welche bis Ende April nachrücken und schon bald nach ihrer Ankunft im Gewässer von zahlreichen Männchen angebalzt werden. Für den Fundpunkt 11. wurde zur Verdeutlichung des Anwanderungsgeschehens ein Liniendiagramm erstellt, welches allerdings nur die bei den jeweiligen Zählungen nachgewiesenen Bergmolche berücksichtigt (Diagramm 3).

    Diagramm 3: Anwanderung von Bergmolchen in ein Gewässer bei Nachrodt-Einsal (Fundpunkt 11).

    Bereits am 12. März 2008 konnten wir darüber hinaus in der Nähe von Fundpunkt 11. zwei anwandernde Weibchen bei 8°C Nachtemperatur und Nieselregen auffinden. Im April 2008 und 2009 wurden zahlreichende wandernde Tiere auch bei trockenerer Wanderung entdeckt.

    Auch wenn besonders Bergmolche bereits während der Laichperiode zwischen Wasser-und Landhabitat wechseln und die ersten Molche die Gewässer bereits im Mai wieder verlassen, dehnen doch etliche Molche ihren Wasseraufenthalt bis in die Monate Juni und Juli hinein aus. Im Falle von Fundpunkt 17. wurde die letzte Molchzählung am 14.07 um 0:30 durchgeführt. Es wurden hierbei noch 2,1 Bergmolche und 1,1 Fadenmolche nachgewiesen.

    5.4 Landhabitate

    Ausserhalb von Gewässern lassen sich Molche in verschiedenen Unterschlüpfen und auf der Wanderung beobachten. Wandernde Tiere können während des ganzen Jahres bei geeigneter Witterung angetroffen werden. Einzelne Tiere entfernen sich dabei relativ weit vom nächsten Gewässer. Am 24.10.2004 konnte ich beispielsweise durch Zufall nachts ein 5cm langes, wanderndes Jungtier auf einem Feldweg am Nettenscheid auffinden. Dieses Tier war etwas mehr als 1km vom nächsten Laichplatz entfernt, ein Hinweis auf ausgedehnte Wanderungen einzelner Bergmolche. Am 20.03.2003 fand ich am Nettenscheid auf einem asphaltierten Weg in einer Regennacht ein einzelnes Männchen, das nächste Laichgewässer war ca. 250m entfernt. Dieses Tier bewegte sich jedoch in Richtung zweier neu angelegter und nicht vom Bergmolch besiedelter Gartenteiche, welche nur noch wenige Meter entfernt waren. Auch konnte ich feststellen, dass besonders weibliche Berg-und Fadenmolche, sofern sie sich an Zeichnungsmerkmalen wiedererkennen liessen, während der Laichsaison 2007-2009 zwischen den Fundpunkten 17. und 18. (Gartenteiche auf dem Nettenscheid) einmal oder mehrfach hin und her pendelten. Den am weitetsten von seinem Laichplatz entfernten Fadenmolch in Landtracht fand ich im Mai 2005 ca. 80m von Fundpunkt 12. entfernt. Im Umkreis von Fundpunkt 11. fanden wir Bergmolche bis etwa 300m vom Laichgewässer entfernt,  Fadenmolche höchstens 20m vom Gewässer entfernt. Die Tiere wurden unter Totholz (Buche, Eiche, Fichte), unter Wellblech, unter Steinen, unter Tonröhren und in Kleinsäugerbauten gefunden.

    Auffällig sind Massenansammlungen des Bergmolches in der Nähe von Fundpunkt 11. Hier fanden wir während der Laichzeit immer wieder bis zu 73 Tiere (21.04.07). Die Molche wurden in Land-wie in Wassertracht unter Steinen und Rohren in unmittelbarer Gewässerumgebung nachgewiesen. Einzelne Tiere in beiden Trachten wurden noch in bis zu 100 m Entfernung vom Laichplatz gefunden.

    Massenansammlung des Bergmolches unter einem Tonrohr bei Einsal am 21.04.2007. Das Rohr gehört zum Zulauf des benachbarten Folienteiches (Fundpunkt 11.), welcher aufgrund wochenlangen Regenmangels zu diesem Zeitpunkt ausgetrocknet war. Wir fanden darunter etwa 40 Tiere beider Geschlechter. Auch unter Steinen in der Umgebung waren ca. 20 weitere Exemplare anzutreffen.

    6. Diskussion

    6.1 Häufigkeit und Verbreitung

    Insgesamt ist das Häufigkeitsverhältnis der Molcharten in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde für das Sauerland typisch (vgl. SCHLÜPMANN 2005&2006, FELDMANN 1970). Der Bergmolch ist im Untersuchungsraum die mit Abstand häufigste, der Fadenmolch die zweithäufigste Molchart. Auch Reiner FELDMANN kam 1970 für den Altkreis Lüdenscheid zu einem vergleichbaren  Ergebnis.

    Zum Teichmolch schreibt FELDMANN hingegen: "Der Teichmolch ist im Kreisgebiet verbreitet, aber, aufs ganze gesehen, weniger häufig vertreten als der Faden- und vor allem der Bergmolch." Auch diese Feststellung läßt sich für unser Beobachtungsgebiet bestätigen. Teichmolche wurden bei den ersten Durchleuchtungen 2007 und 2008 nur an 19% aller untersuchten Gewässer, also an jedem 5ten Laichplatz gefunden. 2009 - 2012 wurden Teichmolche nur an vier der 26 Untersuchungsgewässer nachgewiesen. Dies bedeutet, das Teichmolche nur an 15 % aller besiedelten Gewässer bzw. jedem 7ten Fundpunkt angetroffen werden konnten. Das Ergebnis deckt sich schließlich im Wesentlichen auch mit der Untersuchung von  SCHLÜPMANN (2006), welcher im Märkischen Oberland L. vulgaris nur an jedem 6ten Laichgewässer finden konnte. Die Ursache dieses Phänomens dürfte mit dem hohen Anteil bach-und quellwassergespeister Gewässer im Untersuchungsraum zusammenhängen. Diese Gewässer machten bei der Untersuchung 2009 immerhin 65% aller überprüften Fundpunkte aus. Sie werden vom Teichmolch fast vollständig gemieden (vgl. SCHLÜPMANN 2006). So ist es denn auch bezeichnend, dass wir sowohl 2007/2008 als auch 2009 nur jeweils ein einzelnes Exemplar von L. vulgaris in einem solchen Laichgewässer mit Zu- und Ablauf antreffen konnten.

    Das Fehlen des nördlichen Kammolches im Beobachtungsgebiet läßt sich ebenfalls recht einfach erklären, wenn man bedenkt, dass diese Art verkrautete Laichgewässer mit einer Größe von über 150qm bevorzugt (vgl. NÖLLERT & NÖLLERT 1992). Keiner der untersuchten Laichplätze im Untersuchungsraum ist jedoch größer als 100qm, weitaus kleinere und vegetationsarme Gewässer überwiegen deutlich. Darüber hinaus ist der Kammolch auch im umgebenden Oberland, im Hagener Raum wie um Iserlohn äusserst selten (vgl. hierzu auch SCHLÜPMANN 2006).

    Die Fundpunkte von Bergmolch und Fadenmolch sind recht gleichmäßig im Untersuchungsraum verteilt. Das scheinbare Fehlen beider Arten im Altenaer Lennetal kann vermutlich durch die dortige Armut an geeigneten Laichplätzen erklärt werden. Durch die starke Bebauung und Begradigung der Lenne liegen hier weder Gartenteiche noch Viehtränken und  andere Kleingewässer in ausreichendem Maße vor. Schwieriger gestaltet sich die Interpretation der drei anderen Fundpunktlücken. Gerade im Nordosten Altenas und im Raum um Brenscheid sollte es an Laichgewässern prinzipiell nicht mangeln, da hier sowohl ältere Wohnhäuser mit größeren Gärten als auch landwirtschaftlich genutzte Bereiche vorhanden sind. Ähnliches gilt auch für den Altenaer Stadtteil Evingsen. Im Brenscheider Dorfteich konnten 2010 keine Molche nachgewiesen werden (Friedrich Petrasch, mdl. Mitteilung).  Es bleibt daher fraglich, ob es sich um natürliche Verbreitungslücken handelt. Eventuell sind Vorkommen unentdeckt geblieben,  zumal wir in diesen Bereichen keine Gewährsleute haben.

    In der Wahl ihrer Laichgewässer zeigen sich Berg-und Fadenmolch nicht anspruchsvoll. Sie akzeptieren sämtliche im Untersuchungsraum vorhandenen Stillgewässertypen. Berrücksichtigt man, dass Altena und Nachrodt-Wiblingwerde naturräumlich zum Märkischen Oberland gehören, so verwundert es nicht, dass sämtliche Laichplätze mit Ausnahme von zwei Bachkolken vom Menschen geschaffen wurden. SCHLÜPMANN (2006) bemerkt für das Oberland eine allgemeine Armut an natürlichen Stillgewässern, welche durch das Überwiegen schmaler V-Tälchen (Siepen) und die industrielle Nutzung der wenigen großen Täler mitbedingt wird. Dies muß für den Untersuchungsraum bestätigt werden. Allein 35% der 2009 untersuchten Gewässer sind Gartenteiche, welche für den Erhalt von Molchpopulationen im Gebiet einen enormen Stellenwert besitzen. Auch die Grünlandwirtschaft hat durch die Anlage von Bach-und Quellstauen als Viehtränken Amphibienlaichgewässer geschaffen. 20% der untersuchten Fundpunkte wurden oder werden als Viehtränken genutzt. Auch ehem. Feuerlöschteiche, Ententeiche und Naturschutzgewässer sind für die Molche im Beobachtungsgebiet von Bedeutung.

    Alte Hammerteiche und Fischteiche, wie sie zum Beispiel SCHLÜPMANN (2006) für das Volmetal als Molchgewässer anführt, sind in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde weniger verbreitet. In verschiedenen alten Forellenteichen (z.B. am Hegenscheider Weg, Steinwinkel) konnte ich zwar Grasfroschlaich und Larven des Feuersalamanders, aber keine Molche nachweisen.

    Weder M. alpestris noch L. helveticus zeigen im Untersuchungsraum Präferenzen für eine bestimmte Höhenverbreitung. Geeignete Gewässer werden sowohl im Lennetal, in den Siepen, als auch in Mulden-und Kammlagen angenommen. Im Hagener Raum steht der Fadenmolch mit zunehmender Meereshöhe in seiner Häufigkeit zunehmend hinter dem Bergmolch zurück (Vgl. SCHLÜPMANN 2006). Diese Beobachtung läßt sich für den Untersuchungsraum nicht bestätigen (vgl. Abschnitt 5.1). Die geringe Zahl der Teichmolchfunde erlaubt es schließlich nicht, für diese Art einen Trend hinsichtlich ihrer Höhenverbreitung anzugeben.

    In der Wahl von Lage und Umgebung ihrer ihrer Gewässer zeigen sich alle drei Arten recht anspruchslos (vgl. Abschnitt 5.1). Meist dominieren im Umfeld der Gewässer Laubwald, Grünland, Gartengelände und Siedlung. Die individuenreichen Fundpunkte 3. und 11. liegen im Grünland bzw. in Grünlandnähe, wobei auch Ruderalflächen und Gehölze in ihrer Umgebung anzutreffen sind. Eine Einteilung der Laichplätze in "Gewässer im Grünland" oder "Gewässer in Ackerflächen", wie sie SCHLÜPMANN (2006) vornimmt, wird sich wegen der relativ kleinstrukturieren Landschaft im Beobachtungsgebiet nicht vornehmen lassen. Fundpunkt 3. lag, vor dem Orkan Kyrill allerdings mittem im geschlossenen Wald, welcher ihn von jeder Seite mind. 200m weit umgab. Interessant ist, dass auch viele Fadenmolche diesen damals vollschattigen, tief im Wald gelegenen Quellstau alljährlich aufsuchten. Den Untersuchungen SCHLÜPMANNS im Hagener Raum zufolge ist der Fadenmolch dort als eine Art anzusehen, welche den Waldrand und größere Lichtungen klar bevorzugt. Insofern stellt FP. 3. in diesem Zusammenhang wohl eine Ausnahme dar.

    6.2 Populationsgrößen

    Die Größe einer Molchpopulation kann durch Nachtbegehungen oder Molchreusen allein nicht hinreichend bestimmt werden. Dies hängt damit zusammen, dass sich auch während der Fortpflanzungsperiode Teile einer Population an Land aufhalten können (vgl. Abschnitt 5.4). Daher wird man bei der Auswertung der Zählungen von Größenklassen und nicht von Populationsgrößen sprechen müssen. Insgesamt überwiegt bei den Ergebnissen der Untersuchung die beiden niedrigsten Größenklassen von 1-10 bzw. 10-25 nachgewiesenen Individuen pro Zählung. Dies ist sowohl beim Berg- als auch beim Fadenmolch der Fall. Über eine Ursache dieses Phänomens kann bisher nur spekuliert werden. Auch SCHLÜPMANN (2005 & 2006) konnte bei seinen Untersuchungen im Oberland überwiegend niedrige Größenklassen feststellen. Ein Zusammenhang mit der oft geringen Gewässergröße (vgl. Abschnitt 6.1) kann zwar angenommen werden, stellt aber augenblicklich nicht mehr als eine Hypothese dar.

    6.3 An-und Abwanderung

    Die an den Fundpunkten 3., 4., 11., und 17. nachts mit der Taschenlampe gemachten Untersuchungen stützen im Wesentlichen die von SCHLÜPMANN (1987) in diesem Zusammenhang durchgeführten, wesentlich umfangreicheren Erhebungen.

    6.4 Landhabitate

    BLAB und VOGEL (1996) nennen für die drei auch hier untersuchten Molcharten Jahreslebensräume im Umkreis von bis zu 400m Entfernung zum Laichgewässer. Eine Distanz, welche im Untersuchungsraum wahrscheinlich nur ausnahmsweise überschritten wird, z.B. durch wandernde Jungtiere. Die Gründe der Migration von adulten Molchen und Jungtieren an Land bedürfen einer genaueren Untersuchung. Ob sie, ähnlich wie bei der Kreuzkröte (vgl. SCHLÜPMANN 1995), der Erschließung neuer Lebensräume dienen, muß hier noch offenbleiben.

    Unklar bleiben auch die Ursachen für die massenhafte Zusammenkunft von Bergmolchen in der unmittelbaren Umgebung von Fundpunkt 11., allerdings wurden solche Ansammlungen dieser Art an Land während der Fortpflanzungsperiode bereits von R. FELDMANN in den 70er Jahren beobachtet (M. Schlüpmann, mündliche Mitteilung). Interessant wäre es, in Zukunft anhand individueller Zeichnungsmerkmale (Kehlfleckung) zu untersuchen, wie viele Tiere zwischen Landhabitat und Laichplatz pendeln und ob manche der Molche in den Zusammenkünften nicht am Fortpflanzungsgeschehen teilnehmen.

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 13. August 2013 um 12:52 Uhr