Christopher Schwerdts Molch- und Salamanderseite!

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Amphibien-Kurzportraits

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1. Einleitung

Hier findet Ihr kurze Artportraits der heimischen Amphibienarten Bergmolch und Kammmolch mit den wichtigsten Informationen für Gartenteichbesitzer, Schüler und andere Naturfreunde. Auf die Verwendung von Fachausdrücken und auf lateinische Artnamen wird in diesem Beitrag verzichtet. Grund dafür ist die Leserfreundlichkeit insbesondere für biologische Laien. Dafür werden für eine gute Anschaulichkeit besonders viele Bilder aus dem Leben der Molche verwendet. Sobald Zeit vorhanden ist, folgen weitere Artportraits.

2. Artportraits

2.1 Bergmolch

Merkmale

Mittelgroßer, robuster Wassermolch. Färbung auf der Oberseite grau, graublau oder blau, Männchen mit schmaler silberner Rückenleiste mit schwarzen Flecken (vgl. Abb. 1). Weibchen ohne Rückenleiste (Abb. 2) und auf der Oberseite nicht selten grau und grau-blau marmoriert. Bauchseite beider Geschlechter leuchtend gelb-orange bis orange-rot, meistenteils ungefleckt, jedoch manchmal schwarze oder schwarz-blaue Flecken im Bereich von Kehle und Kehlfalte. Kopf vorne abgerundet, Kopffurchen fehlen. Die Haut ist in Wassertracht, d. h. während des Wasseraufenthaltes der Tiere feucht, an Land jedoch relativ trocken und samtig. Jungtiere häufiger mit orangenem Rückenstreifen (Abb. 4). Gesamtlänge bis 12 cm.

Abbildung 1: Männchen des Bergmolchs in Wassertracht. Beachte die große Kloake zwischen Hinterbein- und Schwanzansatz sowie die niedrige Rückenleiste. Fundort: Altena - Nettendscheid, 11.04.11. Foto: Chr. Schwerdt.

Abbildung 2: Bergmolchweibchen in Wassertracht. Fundort: Altena-Nettenscheid, 11.04.11. Foto: Chr. Schwerdt.

Abbildung 3: Bergmolchmännchen in Landtracht. Die Haut erscheint bei diesem Exemplar rauer als bei Tieren in Wassertracht und fühlt sich darüber hinaus samtig an. Fundort: Altena-Nettenscheid, 04.10.2010. Foto: Chr. Schwerdt.

Abbildung 4: Junger Bergmolch in Landtracht. Beachte die bei vielen Jungtieren vorhandene orangfarbene Rückenleiste, welche bei diesem Exemplar unterbrochen ist. Fundort: Altena-Nettenscheid, 12.09.2011. Foto: Chr. Schwerdt.

Abgrenzung gegenüber anderen Arten

Nördlicher Kammolch: Beide Arten treten in manchen Gewässern oder Landlebensräumen zusammen auf und können daher verwechselt werden. Oberseite des Kammmolches schwarz (Beim Bergmolch allenfalls dunkelblau). Die Männchen des Kammmolches besitzen keine Rückenleiste, sondern stattdessen einen gezackten Rückenkamm, welcher über der Schwanzwurzel unterbrochen ist. Beide Geschlechter zeichnen sich außerdem dadurch aus, das ihre Bauchseite stark gefleckt ist. Dabei treten zahlreiche große dunkle Flecken auf gelb-orangenem oder orangenem Untergrund auf. Beim Bergmolch ist die Bauchseite meistens ungefleckt, allenfalls treten randlich, oder im Bereich von Kehle und Kehlfalte kleinere oder sehr selten größere dunkle Flecken auf.

Alpensalamander: Alpensalamander und Bergmolche besiedeln in den Alpen häufig dieselben Landlebensräume. Der Alpensalamander ist jedoch vollständig schwarz gefärbt, der Bergmolch dagegen auf der Oberseite dunkelblau und auf der Unterseite leuchtend gelb-orange bis orange-rot.

Vebreitung in Deutschland

Der Bergmolch ist in Deutschland relativ weit verbreitet, besiedelt jedoch schwerpunktmäßig die südlichen und mittleren Teile. Alpenraum, Alpenvorland und die Mittelgebirge sind im Allgemeinen flächendeckend besiedelt. Im norddeutschen Tiefland bestehen inselartige Vorkommen zum Beispiel in der Lüneburger Heide oder in der Gegend um Oldenburg (THIESMEIER & SCHULTE 2010). In Brandenburg bestehen inselartige Vorkommen zum Beispiel im Bereich des Fläming sowie in der Niederlausitz. Der Norden Brandenburgs, Berlin sowie Mecklenburg-Vorpommern sind, abgesehen von einzelnen ausgesetzten Vorkommen, unbesiedelt.

Verbreitung im Märkischen Kreis

Der Bergmolch ist imm Märkischen Kreis weit verbreitet und überall dort anzutreffen, wo geeignete Laichgewässer existieren. In den waldreichen Gebieten des südlichen und mittleren Märkischen Kreises ist der außerdem meist die häufigste Molchart. Nur sehr selten wird er durch den Fadenmolch an Häufigkeit übertroffen. In halboffenen Landschaften und im Nordkreis ist zum Teil der Teichmolch die häufigere Art, der Bergmolch kommt hier jedoch auch vor und ist mit zahlreichen kleineren und größeren Populationen vertreten. Auch offene, landwirtschaftlich genutzte Bereiche werden nicht vollständig gemieden, sofern nur geeignete Laichgewässer vorhanden sind. Untersuchungen von FELDMANN (1978) zeigten, dass der Bergmolch im Münsterland an immerhin etwa 20 %, im südwestfälischen Bergland dagegen an über 80 % aller von Molchen besiedelten Laichplätze vertreten war.

Lebensraum und Winterquartiere

Wie bereits im Abschnitt Verbreitung angedeutet, besiedelt der Bergmolch ein breites Spektrum unterschiedlicher Laichgewässer und Landlebensräume. Als Laichgewässer dienen u. A. Quell- und Bachstaue, Wildschweinsuhlen, wassergefüllte Wagenspuren auf Forstwegen, wassergefüllte Bombentrichter und Gartenteiche unterschiedlicher Größe. Das Ausmaß der Besonnung und der vorhandenen Unterwasservegetation sind für die Besiedlung unwesentlich. Auch völlig vegetationslose und beschattete Waldgewässer werden akzeptiert und können kopfstarke Populationen beherbergen. Abbildung 5 zeigt eine wassergefüllte Wagenspur am Rand eines Forstweges bei Werdohl als Laichgewässer des Bergmolches.

Abbildung 5: Wassergefüllte Wagenspuren besitzen für den Bergmolch eine wichtige Bedeutung als Laichplatz. Die Vegetation besteht vorwiegend aus Flutendem Schwaden und Wasserstern, welche dem Bergmolch auch als Versteckplatz und Eiablagesubstrat dienen. Foto: Chr. Schwerdt.

Von Ende Mai bis zum Hochsommer verlassen die meisten Molche das Wasser und halten sich dann in geeigneten Landlebensräumen auf. Geeignete Biotope sind verschiedene Laub- und Mischwälder, Hecken, Feldgehölze und Gärten. Die Molche bewohnen dort Kleinsäugerbauten und unterirdische Spaltensysteme. Sie kommen dann meist nur nachts an die Oberfläche. Mit etwas Glück findet man Tiere unter totem Holz oder Steinen. Die Überwinterung erfolgt fast immer an Land in unterirdischen Spaltensystemen, die frostfrei sind und auch im Sommer als Versteckplätze aufgesucht werden können.

Ernährung

Eigene Beobachtungen zeigten, dass Bergmolche im Altenaer Raum Bachflohkrebse, Köcherfliegenlarven, ins Wasser gefallene Regenwürmer und gefleckte Schnellschwimmer (eine kleine Wasserkäferart) fressen. Untersuchungen in der Ukraine ergaben, das Zuckmückenlarven 47 % der Molchbeute ausmachten. 16% der Nahrung bestanden aus Molcheiern und 18% aus Wasserkäfern. Regenwürmer machten nur 4 % aus. Die restlichen Anteile bestanden aus verschiedenen Gruppen von Wirbellosen (zitiert in NÖLLERT & NÖLLERT 1992). Eigene Beobachtungen im Sauerland zeigten, das Laich und Kaulquappen des Grasfrosches in manchen Gewässern eine häufige Beute unserer Art darstellten (vgl. hierzu auch THIESMEIER & SCHULTE 2010). An Land werden von erwachsenen Tieren und Jungtieren Regenwürmer, bodenlebende Insekten und Asseln gefressen.

Die Larven des Bergmolches ernähren sich von Hüpferlingen (Cyclops), Wasserflöhen (Daphnia) sowie Larven der Zuckmücken und von kleineren Artgenossen.

Feinde

KUZMIN (1999) erwähnt die Ringelnatter als Prädator (Freßfeind) des Bergmolches in der Ukraine. Da diese Wasserschlange auch in Deutschland sehr weit verbreitet ist, ist davon auszugehen, das sie auch bei uns Molche erbeutet. THIESMEIER & SCHULTE (l. c.) zitieren außerdem einige Beobachtungen, bei denen verschiedene Wasservögel als Feinde des Bergmolches auftraten. Darunter waren mit dem Graureiher und der Wasseramsel zwei Arten, welche in vielen Gegenden Deutschlands und zum Beispiel auch im Sauerland vorkommen. Weitere Feinde sind die Wasserspitzmaus und in den Landlebensräumen der Molche verschiedene andere Spitzmäuse.

Vergesellschaftung

Aufgrund der großen Bandbreite akzeptierter Laichgewässer und Landlebensräume tritt der Bergmolch gemeinsam mit den meisten anderen Amphibienarten und einer Vielzahl von Wasserinsekten auf. Untersuchungen des Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW (vgl. HACHTEL 2011) zeigten, das er in Nordrhein-Westfalen am häufigsten gemeinsam mit den ebenfalls weit verbreiteten und relativ anspruchslosen Arten Teichmolch, Grasfrosch und Erdkröte auftritt. Im Sauerland ist eine Vergesellschaftung mit Grasfrosch und dem waldreiche Mittelgebirge bevorzugende Fadenmolch besonders oft anzutreffen.

Geschlechtsunterschiede

Generell sind die Männchen kleiner und schlanker als die massigen und zur Laichzeit besonders fülligen Weibchen. Diese Unterschiede ergeben sich aus dem Laichansatz, welchen die Weibchen im Sommer und Herbst entwickeln sowie aus ihrer größeren Körper- und Schwanzlänge (vgl. Abbildung 5). Auf Abbildung 5 ebenfalls zu erkennen ist die schmale Rückenleiste der Männchen, die  man bei den Weibchen nicht antrifft. Die Männchen besitzen eine sehr große Kloake, welche große und schwarze Flecken aufweist. Die Kloake ist eine gemeinsame Körperausgang von Harnleiter, Darm und Geschlechtsorganen. Man erkennt die Kloake in Abbildung 5 (beim Weibchen) und beim Männchen in Abbildung 1.

Abbildung 6: Schematische Darstellung von Bergmolchmännchen und Weibchen bei der Balz. Man erkennt das Balzverhalten sowie einige wichtige Geschlechtsunterschiede (vgl. auch Abb. 1, 2 und 6). Zeichnung: Chr. Schwerdt.

Fortpflanzung und Fortpflanzungsverhalten

Von Februar bis Anfang März verlassen die Molche ihre Winterquartiere und wandern zu ihren Laichgewässern. Beobachtungen und ausführliche Untersuchungen zeigen, das die Männchen im Mittel etwas eher an den Laichplätzen antreffen (vgl. auch: hier). Sobald beide Geschlechter vorhanden sind, beginnen die Tiere in der Regel sofort mit der Balz, welche die Fortpflanzung einleitet. Die Initiative geht von den Männchen aus, welche anderen Tieren folgen und zunächst geruchlich die Geschlechtszugehörigkeit und Fortpflanzungsbereitschaft kontrollieren. Dies geschieht durch Beriechen der Kloake des Partners (vgl. Abb. 7).

Abbildung 7: Bevor die Männchen des Bergmolches mit der Balz beginnen, kontrollieren sie durch Beriechen der Kloake Geschlecht und Fortpflanzungsbereitschaft Partners. Dieser Vorgang ist in dieser in einem Bachstau bei Werdohl-Dresel aufgenommenen Szene gut zu erkennen. Man beachte dazu die beiden Tiere links. Das größere, obere graue Tier ist das Weibchen.

Anschließend bewegt sich das Männchen vor das Weibchen, um es zu stoppen und ihm mit dem Schwanz Duftstoffe (Pheromone) zuzuwedeln, welche es zur Fortpflanzung stimulieren sollen. Wendet sich das Weibchen nicht gleich ab, so schwimmt des Männchen vor es, so dass sein Kopf vor dem des Weibchens liegt, sein Körper aber bogenförmig vor der Schnauze des Weibchens absteht. Dabei beugt er seinen Rücken katzenbuckelartig durch und wedelt weiterhin Duftstoffe zu, wie man auf Abbildung 8 gut erkennen kann.

Abb. 8: Balz des Bergmolches in einem kleinen Quellstau im Ruhrtal (Kreis Unna). Das rechte Männchen wedelt dem gedrungenen, dunklen Tier (Weibchen) Dufstoffe zu, um es zur Fortpflanzung zu stimulieren. Dabei bildet es einen Buckel, ähnlich wie eine Katze. Foto: Chr. Schwerdt.

Reagiert das Weibchen auf die Werbung des Männchens, folgt sie ihm und er schreitet vor ihr weg, den Schwanz S-förmig zusammengefaltet. Sobald das Weibchen nun Schwanz und Kloake des Männchens berührt hat, setzt jenes eine Spermatophore ab, so das eine innere Befruchtung stattfinden kann (unter Spermatophore versteht man in diesem Falle ein kleines, weißliches Samenpaket.

Die meisten Weibchen verpaaren sich in den ersten 1-3 Tagen nach ihrer Ankunft im Wasser und beginnen widerum einige Tage später mit der Eiablage. Die Eier werden von den Weibchen in Wurzeln, Wasserpflanzen (z.B. Wassersternarten, Flutender Schwaden u.a.) und Fallaub gefaltet (vgl. Abb. 9).

Abb. 9: In wassergefüllten Wagenspuren auf Forstwegen spielen Wasserpflanzen oftmals eine ungergeordnete Rolle. Die Eier werden deshalb, wie auch von diesem Weibchen, mit den Hinterbeinen in Fallaub gefaltet, um sie vor dem Zugriff von Freßfeinden zu schützen.

Ei- und Larvenentwicklung

Bei mildem Frühlingswetter schlüpfen die ersten Larven bereits nach 14 Tagen, jedoch sind Entwicklungszeiten von etwa 21 Tagen die Regel (vgl. NÖLLERT 1992). Ältere Larven des Bergmolches sind an ihrem kurzen Schwanzdorn und einer hellen Grundfarbe mit dunklen, körnigen Flecken und Linienmustern deutlich zu erkennen (vgl. Abbildung 10). Wie alle Molchlarven zeigen sie deutlich ausgebildete Aussenkiemen.

Abbildung 10: Ältere Larve des Bergmolches aus einem Gartenteich bei Altena (Westf.). Beachte die auf den ersten Blick federähnlichen Aussenkiemen am Hinterkopf.

Gefährdung und Schutzmaßnahmen

Der Bergmolch ist allgemein eine weit verbreitete und in vielen Regionen wenig gefährdete Amphibienart. Die vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebene Rote Liste der gefährdeten  Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands von 2009 führt ihn als "ungefährdet".

Dennoch stellt die industrialisierte Forstwirtschaft eine nicht unerhebliche Gefahr für viele Populationen dar, welche wassergefüllte Wagenspuren auf Forswegen als Laichplätze nutzen. Diese Kleinstgewässer werden häufig mit Schotter oder Bauschutt aufgefüllt, damit die Wege effektiver genutzt werden können. Dabei kann es schlimmstenfalls zum Verlust ganzer Populationen kommen. Wassergefüllte Wagenspuren auf Forstwegen sind daher nach Möglichkeit zu erhalten. Wo dies nicht möglich ist, sind bei einem Ausbau der Forstwege ggf. Ausgleichsgewässer, zum Beispiel wegebegleitende Gräben, zu schaffen. Durch solche Maßnahmen sichert man nicht nur das Überleben der Molche, sondern hilft einer ganzen Tiergemeinschaft, welche Pflanzen wie Wasserstern und Krötenbinse, Libellen wie den Plattbauch und andere Amphibienarten wie den Grasfrosch umfasst.

Da der Bergmolch Gartenteiche als Laichgewässer sehr gut akzeptiert, kann man ihn unterstützen, wenn man auch im eigenen Garten ein kleines Gewässer anlegt. Fischbesatz ist allerdings zu vermeiden, da räuberische Fische wie z. B. Goldorfen den Eiern und Larven der Molche nachstellen.

 

2.2 Kammmolch (auch als Nördlicher Kammmolch bezeichnet)

Merkmale

Größter Wassermolch Mitteleuropas. Tiere beider Geschlechter flach- und breitköpfig, ohne Kopffurchen. Oberseite graubraun oder dunkelgrau mit schwarzen Tupfen, Flanken weiß granuliert (vgl. Abb. 1 und 2). Bauchseite leuchtend-orange mit vielen größeren schwarzen Flecken. Kopfunterseite orange mit zahlreichen kleinen grauen und schwarzen Flecken oder zum Teil orange und zum Teil grau mit vielen kleinen schwarzen Flecken. Männchen zur Paarungszeit mit gezacktem Rückenkamm und Schwanzflossensaum, welcher über der Schwanzwurzel unterbrochen ist. Kamm und Schwanzflossensaum sind Teile der Wassertracht im Frühjahr und Sommer während des Gewässeraufenthaltes der Tiere. Die Wassertracht erkennt man auch daran, dass die Tiere eine feuchte Haut besitzen. Während des Landaufenthaltes ist die Haut samtig und wasserabweisend, ein Kamm ist nicht ausgebildet oder sehr flach. Dieser Zustand wird als Landtracht bezeichnet.

Abbildung 1: Männchen des Kammmolches in Wassertracht. Beachte den gut erkennbaren Rückenkamm. Foto: Philip Gerhardt.

Abbildung 2: Weibchen des Kammmolches in Wassertracht. Der Schwanzsaum ist niedriger, ein Rückenkamm ist nicht zu erkennen. Foto: Philip Gerhardt.

Abgrenzung gegenüber anderen Arten

Bergmolch: vgl. Artportrait Bergmolch (oben)

Teichmolch: Besonders Männchen beider Arten werden manchmal verwechselt, da sie beide einen Kamm besitzen und zudem häufig gemeinsam vorkommen. Der Kamm ist beim Kammolch jedoch über der Schwanzwurzel unterbrochen, während er beim Teichmolch durchgehend verläuft und in den ebenfalls kammartigen oberen Schwanzsaum übergeht (vgl. Abb. 3).

Abbildung 3: Männchen von Kammmolch und Teichmolch in Wassertracht lassen sich recht einfach anhand der Struktur der Rückenkämme und kammartig ausgebildeten oberen Schwanzsäume unterscheiden. Beim Kammmolch ist der Kamm über der Schwanzwurzel unterbrochen, während er beim Teichmolch nicht unterbrochen ist und in den kammartigen Schwanzflossensaum übergeht. Zeichnung: Chr. Schwerdt.

Die Grundfarbe des Teichmolch-Männchens ist auf der Oberseite weiterhin gelb- bis rotbraun, die des Kammmolches graubraun, dunkelbraun oder schwarz.

Die Weibchen beider Arten besitzen keine Kämme, man kann sie aber ebenfalls an der Grundfarbe ihrer Oberseite in Kombination mit der Färbung der Unterseite relativ gut unterscheiden. Teichmolch-Weibchen auf der Oberseite meist braun oder rotbraun und ungefleckt, Kammmolch-Weibchen dunkelgrau oder grau braun mit zahreichen, deutlich abgehobenen dunklein Flecken. Bauch bzw. Unterseite beim Teichmolch-Weibchen orange mit einigen kleinen bräunlichen, unregelmäßigen Flecken, beim Kammmolch-Weibchen leuchtend-orange mit zahlreichen schwarzen länglichen  oder rundlichen Flecken. Abgesehen davon werden Kammmolche mit bis zu 18 cm Gesamtlänge erheblich größer als Teichmolche. Drei Kopffurchen, die beim Teichmolch vorhanden sind, fehlen beim Kammmolch.

Vebreitung in Deutschland

Kammmolche sind in Deutschland weit vebreitet und in allen Bundesländern vertreten. Lediglich die Hochlagen der Mittelgebirge, die Alpen, Teile des Alpenvorlandes und der äusserste Nordwesten sind weitgehend unbesiedelt. Kleinere Verbreitungslücken bestehen in sehr großen zusammenhängenden Waldgebieten oder Ballungsräumen. Letztere werden allerdings wie z. B. das Ruhrgebiet randlich oder in Aussenbezirken stellenweise besiedelt, sofern geeignete Laichplätze vorkommen.

Verbreitung im Märkischen Kreis

Im Märkischen Kreis kommen alle vier heimischen Molcharten vor: Bergmolch, Kammmolch, Teichmolch und Fadenmolch. Der Kammmolch ist unter ihnen die weitaus seltenste Art und wird mit steigender Meereshöhe nach Süden hin noch seltener als in den flacheren Gebieten des Nordkreises. Im Altenaer Raum und im Südkreis fehlt er oder ist nur sporadisch vertreten, sodass SCHLÜPMANN (1981) im Untersuchungsraum nur eine Population auf jeweils etwa 60 qkm feststellen konnte. Seit den 80er Jahren ist die Art hier noch seltener geworden (vgl. Abschnitt "Gefährdung und Schutzmaßnahmen").

Lebensraum und Winterquartiere

Der Kammolch besiedelt vor allem größere stehende Gewässer wie Weiher, Kleinweiher, wassergefüllte Bombentrichter und größere wassergefüllte Wagenspuren auf Truppenübungsplätzen. In Steinbrüchen werden auch größere Lachen oder angestaute Quellen besiedelt. Abbildung 4 zeigt ein Kammmolch-Männchen in solch einer angestauten Lache in einem Steinbruch des Sauerlandes.

NÖLLERT & NÖLLERT (l. c.) nennen für typische Laichgewässer des Kammmolches in Westfalen folgende Eigenschaften: Größe über 150 m2, Tiefe über 0,5 m, Verkrautung bzw. mit Wasserpflanzen bedeckte Bodenfläche etwa 50 % und volle Besonnung. Beobachtungen des Autors im Sauerland und in Mittelhessen zeigten, dass auch kleinere und weniger durchkrautete Gewässer besiedelt werden. Hinsichtlich der Besonnung ist die Art weniger kompromissbereit, sodass vollschattige Waldgewässer gemieden werden. Hier findet man besonders im Bergland eher die anpassungsfähigeren Arten Bergmolch und Fadenmolch. Gartenteiche werden zwar manchmal besiedelt, allerdings deutlich seltener als von den kleineren Molcharten.

Abbildung 4: Kammolch-Männchen in einem vegetationsarmen Quellstau des Sauerlandes. Zwar bevorzugen Kammolche große bis sehr große, zum Teil verkrautete und stark besonnte Laichgewässer, sind gelegentlich jedoch auch in kleineren Wasseransammlungen zu finden. Sehr kalte und vollständig beschattete Waldgewässer werden jedoch gemieden. Foto: Chr. Schwerdt.

Kammmolche verbringen von allen heimischen Molcharten die meiste Zeit in den Laichgewässern. Vom Hoch- bis zum Spätsommer verlassen jedoch viele Tiere das Wasser und suchen geeignete Landlebensräume auf. Zu diesen Landlebensräumen gehören Böschungen, Waldränder, Feldgehölze und Grünland mit einer ausreichenden Anzahl unterirdischer Spalten und Röhrensysteme (z. B. Totholzhaufen, Kleinsäugerbauten etc.). In diesen Röhrensystemen verbringen die Molche den größten Teil ihrer Zeit. Tagsüber bleiben sie stets verborgen, sind jedoch nachts gelegentlich auf Wanderung oder auf Beutesuche zu sehen. Frostfreie Bereiche unterirdischer Hohlraumsysteme dienen auch meistens als Winterquartier. Eine Überwinterung im Laichgewässer kommt bei dieser Art wahrscheinlich gelegentlich vor (SCHLÜPMANN 1981). Überwintern die Tiere an Land, wandern sie bei frostfreier und nicht zu trockener Witterung zwischen Ende Februar und Ende April zu den Laichgewässern.

Ernährung

Nach KUZMIN (1995) fressen erwachsene Kammmolche Weichtiere wie kleine Muscheln, Kleinkrebse, Insektenlarven sowie Kaulquappen. An Land werden Regenwürmer, Nacktschnecken, Insekten und Insektenlarven erbeutet. Während KUZMIN (l.c.) davon berichtet, das der Kammmolch gelegentlich kleinere Teichmolche überwältigt, konnte SCHLÜPMANN (1981) experimentell nachweisen, das Fadenmolche Angriffen von Kammmolchen in der Regel entkommen können.

Die Larven des Kammmolches ernähren sich nach Aufzehrung des Dottersacks von Kleinkrebsen wie Wasserflöhen (Daphnia), Hüpferlingen (Cyclops), Larven der Zuckmücken, anderen Insektenlarven und später auch von kleineren Artgenossen sowie Larven anderer Molche.

Feinde

Zu den natürlichen Feinden des Kammmolches zählen die Ringelnatter und die in Deutschland sehr seltene Europäische Sumpfschildkröte (KUZMIN l. c.). NÖLLERT & NÖLLERT erwähnen  Graureiher, andere Reiherarten, Wasserspitzmaus und Laufkäfer als weitere Freßfeinde.

Vergesellschaftung

Da seine Laichgewässer und Landlebensräume den meisten anderen Amphibienarten ebenfalls zusagen, ist der Kammmolch in seinen Lebensräumen oftmals Teil äusserst artenreicher und wertvoller Amphibiengesellschaften (in der Ökologie als Amphibienzönosen bezeichnet). SCHLÜPMANN (1981) nennt beispielsweise einen Kleinweiher bei Werdohl-Brenge (in Westfalen), in dem der Kammmolch mit sechs anderen Amphibienarten vergesellschaftet war: Teichmolch, Fadenmolch, Bergmolch, Grasfrosch, Erkröte und Geburtshelferkröte.

Beobachtungen des Autors auf einem mittelhessischen Truppenübungsplatz zeigten, das der Kammmolch dort mit Teichmolch, Bergmolch und Grasfrosch gemeinsam vorkommt.

Geschlechtsunterschiede

Die Weibchen des Kammmolches sind im Durschnitt etwas größer und massiger als die kleineren Männchen. Sie weisen darüber hinaus keinen Kamm auf (vgl. Abb. 1 & 2). Ein weiteres Merkmal ist die zwischen den Hinterbeinwurzeln gelegene Kloake, welche beim Männchen erheblich größer ist, als beim Weibchen (vgl. hierzu Artportrait Bergmolch, dort wird auch der Begriff Kloake erklärt).

Fortpflanzung

Sobald sie im Frühjahr ihre Laichgewässer erreichen, beginnen die Kammmolch-Männchen in der Regel, nach Weibchen zu suchen. Haben sie ein Weibchen entdeckt, beginnen sie oftmals sofort mit der Balz. Diese ist der des Bergmolches grundsätzlich ähnlich (vgl. oben). Das Männchen schwimmt ebenfalls vor das Weibchen und wedelt diesem mit dem Schwanz Duftstoffe zu, die es zur Fortpflanzung stimulieren sollen. Das Kammmolch-Männchen führt allerdings zusätzlich peitschende Bewegungen mit dem Schwanz aus, welche beim Bergmolch nicht zu beobachten sind. Dabei bewegt sich auch der Körper des Männchens und schwankt hin und her. Außerdem wird das Kammmolch-Weibchen, bevor es die Spermatophore aufnimmt, vom Männchen durch Körperschübe und Schwanzbewegungen in die richtige Position gebracht.

Ei- und Larvenentwicklung

Wie beim Bergmolch werden die bis 2 mm großen Eier vom Weibchen mit den Hinterbeinen in Wasserpflanzen gefaltet. Die Eier sind durch ihre gelblich-grünliche oder weißlich-grünliche Färbung relativ leicht von den Eiern anderer heimischer Molche zu unterscheiden (NÖLLERT & NÖLLERT l. c.). Die Embryonalentwicklung (Entwicklungsdauer der befruchteten Eier bis zum Schlupf) dauert je nach Temperatur 10 bis 20 Tage. Aufgrund eines Gendefektes verpilzt beim Kammolch ein Teil der Eier und kommt nicht zur Entwicklung.

Die frisch geschlüpften Larven leben in den ersten Tagen von ihrem Dottersack, bevor sie dazu übergehen, kleine wasserbewohnende Wirbellose zu fressen (vgl. Ernährung). Abbbildung  5 zeigt eine ältere Larve.

Abbildung 5: Ältere Larve des Kammmolches mit sehr großen, federähnlichen Kiemen am Hinterkopf. Die Schwanzsäume sind höher als die der Bergmolchlarve und der Schwanzsaum ist über eine relativ lange Strecke spitz zulaufend, während er beim Bergmolch relativ stumpf endet und nur eine kurze dornartige Spitze besitzt. Foto: Michael Fahrbach.

Zwischen August und Oktober ist die Larvenentwicklung in der Regel vollendet, die äusseren Kiemen werden zurückgebildet und die Larven wandeln sich zu Jungmolchen um (Dieser Prozess wird als Metamorphose bezeichnet und geht mit weiteren Veränderungen der Gliedmaßen und innerer Organe einher). Gelegentlich überwintern die Larven und wandeln sich erst im Folgejahr um (NÖLLERT & NÖLLERT l. c.). Die frisch umgewandelten Jungtiere suchen oftmals das Land auf, manchmal bleiben sie aber auch in den Laichgewässern oder kehren als halbwüchsige Tiere ins Laichgewässer zurück (SCHLÜPMANN 1981, eigene Beobachtungen).

Gefährdung und Schutzmaßnahmen

Der Kammmolch ist von allen heimischen Molcharten am meisten in seinem Bestand bedroht. Die Rote Liste der gefährdeten Amphibienarten Nordrhein-Westfalens von 2010 listet ihn als "gefährdet". Hauptursachen der Gefährdung des Kammmolches sind Zerstörung und Beeinträchtigung seiner Laichplätze durch Verfüllung, Überdüngung, Fisch- oder Krebsbesatz. Beispiel für einen solchen Vorgang ist ein bereits erwähnter Kleinweiher bei Werdohl-Brenge (in Westfalen), welcher einst eine individuenreiche Kammmolch-Population beherbergte (SCHLÜPMANN 1981). Beobachtungen des Autors im Jahre 2012 zeigten, das hier mittlerweile keine Kammmolche mehr vorkommen und der Teich heute in erster Linie eine Population des nicht heimischen Amerikanischen Flußkrebses beherbergt. Die Krebse wirken sich äusserst negativ auf die Molchpopulation aus, da sie Eier und Larven fressen sowie die Pflanzen und Pflanzenteile zerstören, in denen die Molchweibchen ihre Eier ablegen.

Da Kammmolche vorwiegend in der Kulturlandschaft vorkommen, werden sie weiterhin sehr oft Opfer des Straßenverkehrs. Durch den ehrenamtlichen Naturschutz (z. B. NABU) durchgeführte Amphibienschutzaktionen an Straßen mit Hilfe von Krötenzäunen oder fest installierte Anlagen können hier Abhilfe schaffen. Durch Hilfe für verbreitete und häufige Arten wie die Erdkröte unterstützt man so auch den Kammmolch.

Alle Angler und Aquarianer sind weiterhin aufgefordert, Forellen und Krebse nicht in Gewässer einzusetzen, in denen Amphibien vorkommen. Das Einsetzen exotischer, nicht heimischer Krebsarten sollte generell unterbleiben, da die Folgen für die heimische Tierwelt nicht absehbar sind. Unter den heimischen Amphibien kann sich nur die Erdkröte gegen solche Arten behaupten. Bekannte Laichgewässer des Kammmolches sind zu erhalten, als besonders geschützte Biotope auszuweisen und ggf. durch Pflegemaßnahmen vor übermäßiger Beschattung zu schützen (vgl. Abschnitt Lebensraum und Winterquartiere).

3. Literaturverzeichnis

HACHTEl, Monika (2011): Bergmolch - Mesotriton alpestris. - Arbeitskreis Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) (2011): Handbuch der Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalens. – Bielefeld: Laurenti, 337-374.

KUZMIN, Sergius (1995): Die Amphibien Rußlands und angrenzender Gebiete. - Magdeburg: Westarp.

NÖLLERT, Andreas & NÖLLERT, Christel (1992): Die Amphibien Europas. - Suttgart: Kosmos.

SCHLÜPMANN, Martin (1981): Der Kammmolch (Triturus c. cristatus) im Nieder- und Westsauerland. - Der Sauerländische Naturbeobachter 15, 159 - 209.

THIESMEIER, Burkhard & SCHULTE, Ulrich (2010): Der Bergmolch. Im Flachland wie im Hochgebirge zu Hause. - Bielefeld: Laurenti.

6. Kontakt

Dieser Artikel richtet sich vorwiegend an Schüler, Studenten und andere Biologie-Interessierte. Leider wird er bei weitem nicht alle Fragen beantworten. Im Fall der Fälle könnt Ihr mir daher eine Mail schreiben. Für Rückmeldungen zur Qualität des Artikels oder Anregungen wäre ich ebenfalls dankbar ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ).

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 16. Juni 2014 um 15:54 Uhr