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Der Hainlaufkäfer

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1 Einleitung

In diesem Beitrag wird mit dem Hainlaufkäfer Carabus nemoralis eine der häufigsten waldbewohnenden Großlaufkäfer Mitteleuropas vorgestellt. Dabei wird im Stil eines Artportraits auf Biologie und Ökologie dieser Käferart eingegangen.

Hainlaufkäfer. Fundort: Nettenscheid bei Altena (Sauerland), 08.05.2012. Foto: Chr. Schwerdt.

2 Der Hainlaufkäfer Carabus nemoralis

2.1 Merkmale

Carabus nemoralis ist ein relativ kurz und gedrungen gebauter Laufkäfer. Innerhalb der Gattung Carabus gehört er mit 18-28 mm Körperlänge zu den mittelgroßen bis großen Arten. Seine Deckflügel (Elytren) sind bronzebraun, schwarzbraun oder schwarzgrün gefärbt und glänzen. Das Halsschild (Pronotum) ist in der Mitte schwarz und an seinen Rändern gänzend blau oder violett. Auf den Elytren finden sich feine Rippen und jeweils drei typische Grubenreihen (vgl. Abb. 2). Bei den Rippen auf den Elytren ist zwischen Primmärrippen und dazwischen liegenden, unterbrochenen Streifen zu unterscheiden. Diese unterbrochenen Streifen werden als Limes bezeichnet. Zwischen 2 Primärrippen befinden sich jeweils 5 Limes.

Abb. 2: Weitere Aufnahme des Hainlaufkäfers. Beachte die charakteristischen Grubenreihen auf den Elytren. Fundort: NSG Weißenstein bei Hagen-Holthausen. Foto: André Mursch.

Vom ähnlichen Carabus hortensis ist C. nemoralis dadurch zu unterscheiden, dass seine Gruben auf den Elytren nicht stark golden oder grünlich schimmern. Dieses Merkmal hat C. hortensis seinen deutschen Trivialnamen Goldgruben-Laufkäfer eingebracht. Im Gegensatz zu C. nemoralis zeigt C. hortensis außerdem zwischen zwei Primmärrippen jeweils sieben statt fünf Limes (ZAHRADNÌK 1985).

2.2 Lebensraum und Biozönologie

Der Hainlaufkäfer ist sowohl in Wäldern als auch in Gärten zu finden. Er besiedelt sowohl das Tiefland als auch die Mittelgebirge und dringt im Hochgebirge bis auf 2000 m NN vor (ZAHRADNÌK 1985). In der Biozönologie gilt er gemeinhin als euryöke Waldart (KRATOCHWIL & SCHWABE 2001). Euryök bedeutet, dass eine Art in einem großen Spektrum von Biotopen überlebens- und konkurrenzfähig ist. Diese Fähigkeit geht mit einem weiten Toleranzbereich gegenüber einem oder mehreren abiotischen Faktoren einher. Mit einer euryöken Waldart ist dementsprechend eine Art gemeint, welche in vielen unterschiedlichen Waldgesellschaften vorkommen kann. Der Hainlaufkäfer ist ein gutes Beispiel für eine solche Art, da er zum Beispiel Hainsimsen-Rotbuchenwälder auf sauren Böden und Waldmeister-Rotbuchenwälder auf schwach sauren bis neutralen Böden besiedelt (vgl. hierzu auch Abschnitt 3).

2.3 Ernährung

Hauptnahrung des Hainlaufkäfers sind verschiedene Raupen. In diesem Zusammenhang gilt er als wichtiger Schädlingsregulator (ZAHRADNÌK 1985). Darüber hinaus fressen die Käfer  andere Insekten, Aas und gerne auch reifes Obst. Die Nahrungsaufnahme erfolgt nach dem Prinzip der extraintestinalen Verdauung. Dazu erbricht der Käfer Verdauungsekret aus der Mitteldarmdrüse auf seine Beute. Der bereits vorverdaute Nahrungsbrei wird anschließend aufgesaugt.

2.4 Fortpflanzungsbiologie und Lebensweise der Larven

Nach erfolgreicher Paarung werden die Eier durch das Käferweibchen im Erdboden deponiert. Die Larven der Hainlaufkäfer ernähren sich räuberisch und können sich relativ schnell fortbewegen. Sie sind stark gepanzert und verfügen wie die adulten Käfer über kräftige Mundwerkzeuge. Während sie tagsüber verborgen leben, halten sie sich nachts gelegentlich auf Forstwegen auf und können dann im Schein der Taschenlampe beobachtet werden. Abb. 3 zeigt eine große, unbestimmte Laufkäferlarve vom Kupferberg bei Letmathe.

Abb. 3: Unbestimmte Larve einer großen Laufkäferart. Fundort: Kupferberg bei Letmathe. Foto: Chr. Schwerdt, Mai 2005.

Die Verpuppung erfolgt im Erdboden. Zwar schlüpfen die adulten Käfer bereits im Herbst, bleiben jedoch über den Winter in ihren Verstecken und erscheinen erst im Laufe des folgenden Frühjahrs (vgl. 2.5).

2.5 Tages- und Jahresaktivität

Exkursionen im Altenaer Raum zeigten, dass Hainlaufkäfer vorwiegend nachtaktiv sind und sich tagsüber unter flachen Steinen, Baumrinde oder Totholz verbergen. Nach Mitteilung von André Mursch (Bochum) treten die adulten Käfer vorwiegend in den Frühjahrs- und frühen Sommermonaten auf. Beobachtungen des Autors bestätigen diese Einschätzung (vgl. Abschnitt 3). Nach ZAHRADNÌK 1985 (l.c.) weist C. nemoralis zwei Aktivitätsschwerpunkte im Frühjahr und Herbst auf.

3. Verbreitung im Südwestfälischen Bergland

Auswertung vorhandener Literatur, eigene Beobachtungen und Mitteilungen von Dr. André Mursch (Ruhr-Universität Bochum) zeigen, dass der Hainlaufkäfer zumindestens in Teilen des Südwestfälischen Berglandes verbreitet ist.

ERBELING & GRUNDMANN (2003) erwähnen sein Vorkommen für das Bommecketal bei Plettenberg.

Beobachtungen des Verfassers im Altenaer Raum führten in den Jahren 2009-2012 zu mehreren Nachweisen der Art, die im Folgenden näher vorgestellt werden.

  1. 09.05.2012: Halbtrockenrasen in einer Steinbruchsohle bei Grünewiese, 1 Expl unter einem Stein.
  2. 2011 & 2012: Steinwinkel, Siepental mit älteren Fichten- und Kiefern-Monokulturen und z. T. aufgegebenen Gärten. Wiederholte Nachtexkursionen führten an diesem Fundpunkt jeweils zum Nachweis von 1-2 Exemplaren im Schein der Taschenlampe. Die Käfer wurden vorwiegend auf Forstwegen und an Böschungen festgestellt.
  3. 09.05.2012: Nettenscheid, Siedlungsrand, 1 Exemplar auf einem gepflasterten Weg im Schein der Taschenlampe nachgewiesen.
  4. 25.04.2013: Altenaffeln, asphaltierter Feldweg, 1 Exemplar nachts im Schein der Taschenlampe. In der nähren Umgebund Acker, Feldgehölze und Wald.

André Mursch (schriftl. & mdl. Mitteilung) konnte C. nemoralis im Rahmen von Anfängerexkursionen der Ruhr-Universität Bochum im NSG Weißenstein bei Hagen-Holthausen nachweisen (vgl. Abb. 2). Der Käfer kommt hier in Waldmeister- und Orchideen-Rotbuchenwäldern vor (vgl. Abb. 4).

Abb. 4: Lebensraum von Carabus nemoralis im NSG Weißenstein bei Hagen-Holthausen. Foto: Chr. Schwerdt.

Die vorhandenen Nachweise stützen die bei KRATOCHWIL & SCHWABE (l.c.) getroffene Charakterisierung von C. nemoralis als euryöke Waldart. Sie zeigen, dass unsere Art in den meisten Waldgeselllschaften des Südwestfälischen Berglandes vorkommen kann und auch gelegentlich in die halboffene Kulturlandschaft vordringt.

4. Literatur

ERBELING, Ludwig & GRUNDMANN, Bernd (2003): Die Käferfauna (Insecta, Coleoptera) des Natursschutzgebietes Bommecketal in Plettenberg (Sauerland). - Der Sauerländische Naturbeobachter 28: 269-293.

HARDE, Karl Wilhelm & SEVERA, František (1988): Der Kosmos-Käferführer. - Stuttgart: Kosmos.

KRATOCHWIL, Anselm & SCHWABE, Angelika (2001): Ökologie der Lebensgemeinschaften. - Stuttgart: Ulmer.

REITTER, Edmund: Fauna Germanica. Die Käfer des Deutschen Reiches. Band I. - Stuttgart: K. G. Lutz.

ZAHRADNÌK, Jirí (1985): Käfer Mittel- und Nordwesteuropas. - Hamburg: Parey.

5. Weiterführende Links

6. Kontakt

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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 27. April 2013 um 11:40 Uhr