Christopher Schwerdts Molch- und Salamanderseite!

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Feldmaikäfer

Biologie und Ökologie des Feldmaikäfers

E-Mail Drucken PDF

1. Einleitung

Der Feldmaikäfer Melolontha melolontha ist einer der bekanntesten heimischen Käferarten. Diese Bekanntheit resultiert zum Teil aus seiner Größe und seinem attraktiven Aussehen. Aufgrund seines Proteinreichtums spielte er darüber hinaus als Bestandteil von Maikäfersuppen eine Rolle für die Ernährung des Menschen. Heute sind Feldmaikäfer in vielen Gegenden allerdings selten geworden. Wo es noch zu den früher häufigen Massenvermehrungen kommt, wird ihnen schlimmstenfalls mit der Giftspritze zu Leibe gerückt. In diesem Zusammenhang sind sie hin und wieder Thema in lokalen Zeitungen und Radiobeiträgen. Ziel dieses Beitrags ist es, über die interessante Biologie und Ökologie des Feldmaikäfers und seine Verbreitung im Südwestfälischen Bergland zu informieren.

Abb. 1: Feldmaikäfer, Frontansicht. Beachte die schwarze Färbung von Kopf und Halsschild sowie die kastanienbraunen Deckflügel mit feiner weißer Behaarung. Fundort: Altena, Südstrasse, Mai 2005. Foto. Chr. Schwerdt.

2. Der Feldmaikäfer

2.1 Systematische Stellung und Familienmerkmale

Innerhalb der Käfer (Coleoptera) zählt der Feldmaikäfer zu den Blatthornkäfern (Scarabaeidae). Ein typisches Familienmerkmal sind die zehngliedrigen Fühler mit drei- bis siebengliedriger Fühlerkeule. Die Tarsenformel beträgt 5,5,5 oder 4,4,5.

2.2 Merkmale

Der Feldmaikäfer zählt mit 20-30 mm Körperlänge zu den größeren Arten unter den heimischen Blatthornkäfern. Im Sauerland ist er wahrscheinlich die größte. Seine Fühler zeigen die familientypische Blätterkeule (vgl. oben). Fühler, Beine und Deckflügel (Elytren) sind kastanienbraun gefärbt. Die Deckflügel sind fein weißlich behaart (vgl. Abb. 1). Kopf und Halsschild (Pronotum) sind schwarz und weisen ebenfalls eine Anzahl weißlicher Haare auf (vgl. insbesondere Abb. 2).

Abb. 2: Männchen des Feldmaikäfers in einem Apfelbaum. Fundort: Nettenscheid. Foto: Chr. Schwerdt.

Abb. 3: Oben: Männchen des Feldmaikäfers sind an ihrer langen, kastanienbraunen Hinterleibsspitze erkennbar. Die familientypische Blätterkeule ist auf diesem Bild ebenfalls deutlich zu sehen. Unten: Dasselbe Exemplar, wichtige in diesem Text erwähnte Körperteile wurden beschriftet. Fundort: Nettenscheid. Foto: Chr. Schwerdt.

Das Schildchen (Scutellum) befindet sich an der Basis der Elytren, ist wie das Pronotum schwarz gefärbt und bei dem in Abb. 2 gezeigten Exemplar relativ gut zu erkennen. Die Unterseite der Thoracalsternite ist überaus reichlich mit weißen Haaren bedeckt (vgl. Abb. 1 & 3). Beide Geschlechter zeigen eine ausgeprägte Hinterleibsspitze (Pygidium). Sie ist fein behaart und beim Weibchen schwarzbraun, beim Männchen kastanienbraun gefärbt. Beim Männchen ist sie darüber hinaus nochmals deutlich verlängert und am Ende relativ wenig behaart. Die Männchen zeigen darüber hinaus im Vergleich mit den Weibchen größere Blätterkeulen mit 7 Gliedern. Weibchen besitzen nur 6 Glieder. Die Tarsenformel des Feldmaikäfers beträgt 5,5,5.

2.3 Ähnliche Arten

Vom ähnlichen Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) ist der Feldmaikäfer dadurch zu unterscheiden, dass sein Pygidium an seinem Ende keine knotenartige Verdickung aufweist. Der zumindest in den Kalkgebieten des Südwestfälischen Berglandes sporadisch auftretende Junikäfer (Amphimallon solstitale) ist deutlich gedrungener und zeigt im Gegensatz zum Feldmaikäfer keine ausgeprägte Hinterleibsspitze.

2.4 Lebensraum

Feldmaikäfer leben bevorzugt in einem Mosaik von offenen Landschaftsbestandteilen, Feldgehölzen und kleineren Wäldern. Regelmäßig dringen sie auch in Siedlungen ein, wo sie Bäume zum Fressen aufsuchen und von künstlichen Lichtquellen angelockt werden. Wiesen und Weiden müssen vorhanden sein, da sie von den Weibchen zur Eiablage aufgesucht werden.

2.5 Ernährung

Der Feldmaikäfer ernährt sich vorwiegend von den Blättern verschiedener Laubbäume. Insbesondere Eichen-, Rotbuchen- und Obsbaumblätter werden gerne gefressen. Da die Art zu Populationsschwankungen neigt und früher zudem erheblich häufiger war, kam es in vergangenen Jahrzehnten regelmäßig zu Massenvermehrungen, bei denen Bäume oder ganze Baumgruppen kahl gefressen wurden. Um die Schäden einzudämmen, wurden die Käfer intensiv mit Pestiziden bekämpft, sodass sie heute in vielen Gegenden selten geworden sind oder fehlen. Über die chemische Bekämpfung gelegentlich auch heute noch auftretender Maikäferplagen wird zwischen Kommunen und Naturschützern kontrovers diskutiert.

2.6 Tages- und Jahresaktivität

Die adulten Käfer sind vorwiegend nachtaktiv. Wo sie zahlreich auftreten, kann man sie jedoch auch in der Dämmerung oder am Tage beobachten. Sie erscheinen relativ zeitgleich im Mai, was der Art ihren Namen eingebracht hat. Ihre Lebenserwartung beträgt nur wenige Wochen, meistens etwa einen Monat. Etliche werden jedoch bereits vorher überfahren oder fallen ihren Fressfeinden wie z.B. Wildschweinen, Raubwürgern oder Rabenvögeln zum Opfer.

2.7 Fortpflanzungsbiologie und Lebensweise der Larven

Die Käferweibchen suchen während ihrer Aktivitätsperiode freies Gelände auf und deponieren dort 10-30 Eier im Boden (ZAHRADNÌK 1985). Nach etwa sechs Wochen schlüpfen die als Engerlinge bezeichneten Larven. Sie überwintern zweimal und brauchen inklusive Puppenruhe etwa zwei Jahre für ihre Entwicklung zum erwachsenen Käfer. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus den Wurzeln von Wiesenpflanzen wie zum Beispiel Löwenzahn. Abb. 4 zeigt eine ältere Larve des Feldmaikäfers.

Abb. 4: Habituszeichnung einer Maikäferlarve. Zeichnung aus: REITTER, Edmund (1908): Fauna Germanica. - Stuttgart: K.G. Lutz.

Die fertigen Käfer schlüpfen bereits im Herbst, verbergen sich jedoch bis ins nächste Frühjahr im Erdboden.

3. Vorkommen im Südwestfälischen Bergland

In den Überblicksdarstellungen von REHAGE (1976) und FELDMANN (1987) sucht man Anmerkungen zum Vorkommen des Feldmaikäfers vergeblich.

ERBELING & GRUNDMANN (2003) erwähnen jedoch sein Vorkommen im Bommecketal bei Plettenberg.

Trotz gezielter Nachsuchen im Monat Mai gelangen dem Verfasser seit 2004 im Altenaer Raum nur einige wenige Nachweise der Art. Sie werden im Folgenden dargestellt.

  1. 2005-2012: Nettenscheid bei Altena, Siedlung, z.B.: Mai 2005: 2 Exemplare nachts unter einer Strassenlaterne, 2009 und 2010 jeweils ein totes Exemplar, 09.05.12: 2 Exemplare nachts unter einer Strassenlaterne bzw. in einem Vorgarten
  2. 2005-2012: Südstrasse, Altena: Immer wieder wenige lebende und tote Exemplare an/unter Strassenlaternen, z. B. 12.05.12: 1 Expl..

Zu beachten ist, dass nicht in jedem Jahr ein erfolgreicher Nachweis erfolgte. Die Auswertung vorhandener Literatur und die vorhandenen Nachweise zeigen, dass der Feldmaikäfer im Südwestfälischen Bergland zumindest stellenweise vorkommt, aber wahrscheinlich nicht häufig ist. Massenvermehrungen der Art spielen im Untersuchungsgebiet derzeit wohl keine Rolle.

4. Literatur

ERBELING, Ludwig & GRUNDMANN, Bernd (2003): Die Käferfauna (Insecta, Coleoptera) des Natursschutzgebietes Bommecketal in Plettenberg (Sauerland). - Der Sauerländische Naturbeobachter 28: 269-293.

FELDMANN, Reiner (1987): Grundlagenuntersuchung zur Fauna des Märkischen Kreises, in: Umweltbericht des Märkischen Kreises: 122-141.

HARDE, Karl Wilhelm & SEVERA, František (1988): Der Kosmos-Käferführer. - Stuttgart: Kosmos.

KRATOCHWIL, Anselm & SCHWABE, Angelika (2001): Ökologie der Lebensgemeinschaften. - Stuttgart: Ulmer.

REITTER, Edmund (1908): Fauna Germanica. - Stuttgart: K.G. Lutz.

REHAGE, Hans Otto (1976): Die Gliederfüßler, in: FELDMANN, Reiner (Hrsg.): Die Tierwelt des Südwestfälischen Berglandes. - Kreuztal: Die Wielandschmiede: 185-196.

ZAHRADNÌK, Jirí (1985): Käfer Mittel- und Nordwesteuropas. - Hamburg: Parey.

5. Weiterführende Links

6. Kontakt

Falls dieser Beitrag Fragen für Euer Referat offenläßt, könnt ihr mir eine Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. schreiben. Für Anregungen und Kritik wäre ich ebenfalls dankbar.

Nach Oben

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 29. Dezember 2012 um 16:34 Uhr