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Der Bergmolch

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Der Bergmolch

Mesotriton a. alpestris (RAFINESQUE 1815)

" Anders als der Teichmolch und wesentlich häufiger als der Fadenmolch besiedelt der Bergmolch auch schattige Waldgewässer. Es zeigt sich, dass Gewässer im Wald und an den Waldrändern vom Bergmolch sogar am häufigsten besiedelt sind. Dies ist ein wesentlicher Grund für seine regionale Häufikeit und seine Dominanz."

Martin Schlüpmann, sauerländischer Feldherpetologe, über die ausserordentlich hohe Stetigkeit des Bergmolches im Hagener Raum (In: SCHLÜPMANN, Martin: Die Amphibien und Reptilien im Hagener und Herdecker Raum. Teil 3 Bergmolch (Triturus alpestris), in: Cinclus 33 (1), Herdecke, 2005, S.17-28.).

Männchen des Bergmolches (Mesotriton a. alpestris) in Wassertracht. Fundort: Altena-Nettenscheid, 11.04.11. Foto: Chr. Schwerdt.

Bergmolchweibchen in Wassertracht. Fundort: Altena-Nettenscheid, 11.04.11. Foto: Chr. Schwerdt.

Typisch: Der Bergmolch ist mit Sicherheit der schönste Wassermolch unserer Heimat. Von anderen Molcharten ist er durch eine robuste, bei den Weibchen zur Laichzeit fast plumpe Erscheinung und die orangene, weitgehend ungefleckte Bauchseite relativ leicht unterscheidbar. Die Männchen sind zudem in Wassertracht an den Flanken blau gefärbt, die Weibchen auf Rücken und Flanken graublau mamoriert.

Häufigste Molchart in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde. Besiedelt alle im Untersuchungsraum vorhandenen Typen stehender Kleingewässer.

Beschreibung: Mit bis zu 12cm Gesamtlänge größter Wassermolch des Altenaer Sauerlandes. In der Regel erreichen die Männchen bei uns 9cm, die Weibchen 10-11,5 cm Gesamtlänge.

Bergmolche besitzen im Vergleich zum Feuersalamander kleine Augen mit goldgelber Iris, welche vielfach von der Pupille ausgehend dunkel unterbrochen ist. Parotiden und Kopffurchung fehlen. Wie bei fast allen Schwanzlurchen besitzen die Hinterbeine 5, die Vorderbeine 4 Zehen. Der Schwanz ist bei den Molchen im Querschnitt ovaler als beim Feuersalamander. Beide Geschlechter fallen auch durch einen ovalen Kopf mit deutlich abgerundeter Schnauze auf.

In Landtracht ist der Bergmolch oberseits sehr dunkel und blau bis annähernd schwarz gefärbt. Die Hautoberfläche ist samtig. Im Spätherbst-Winter beginnen die Tiere ihre Wassertracht auszubilden, allerdings fühlt sich die Haut bis kurz nach Beginn des Wasseraufenthaltes noch samtig an. Die Tiere halten sich dann vorwiegend im flachen Wasser auf und verlassen es des Nachts verstärkt, bis ihre Haut voll benetzbar geworden ist. Sie laufen während dieser Zeit Gefahr, bei fehlenden Ausstiegsmöglichkeiten zu ertrinken. In den nächsten Tagen bilden sie die Wassertracht allerdings vollständig aus. Man erkennt die Männchen nun an einer 1-2mm hohen, gold-schwarz gefleckten Rückenleiste. Ihre Flanken leuchten nun königsblau und werden durch eine ca. 3-4 mm breite weiße Linie mit schwarzen Flecken vom leuchtend orange-roten Bauch getrennt. Diese Linien beginnen an der Schnauzenspitze und ziehen sich lateral bis zur großen Kloake, wo sie zusammenlaufen. Hier sind besonders große schwarze Flecken auf weißem Untergrund zu finden. Bauchseite und Kopfunterseite der Männchen sind ventral fast immer ungefleckt. Selten finden sich einige kleine schwarze Flecken in der Kehlregion. Der Schwanz der Männchen ist in Wassertracht deutlich verbreitert, weißt aber keinen Schwanzfaden auf. Er ist außerdem kürzer als bei den Weibchen.

Ab Mai kann sich die Wassertracht der Männchen etwas verändern: Der Flankenbereich schimmert dann beige-bläulich. Bei einigen Exemplaren ist auch eine Marmorierung königsblauer und graublauer Bereiche zu erkennen. Verlassen sie das Wasser, kann die helle Rückenleiste verschwinden oder noch mehr oder weniger deutlich zu erkennen sein.

Die Weibchen bilden ebenfalls je nach Population ab November bis in den Spätwinter hinein ihre Wassertracht aus. Auch sie erscheinen dann recht farbenfroh, wenngleich etwas weniger auffällig als die Männchen. Oberseite und Flanken sind bei den Molchdamen meist dunkelgrau-graublau marmoriert oder einfarbig graublau, das Flankenband weniger hell unterlegt. Letzteres ist auch schmaler als das der Männchen. Insgesamt sind die Weibchen deutlich größer und fülliger. Ihre Kloake ist darüber hinaus kleiner und ihr bauch gelb-orange gefärbt. In der Landtracht sind sie oberseits dunkel gefärtbt, selten mit einem gelblichem Streifen auf dem Rücken. Auch bei den Weibchen können Exemplare mit schwarzen Flecken in der Kehlregion auftreten.

Lebensraum & Jahresaktivität: Bergmolche benötigen sowohl Laichgewässer als auch Landhabitate. Als Laichplatz werden verschiedene Typen von Klein-und Kleinstgewässern angenommen. Wir fanden Bergmolche in als Viehtränke genutzten Bach-und Quellstauen, Feuerlöschteichen, Ententeichen, Kolken, Wassergefüllten Wagenspuren auf Waldwegen und Gartenteichen. Während ihres Landaufenthaltes kann man die Tiere ähnlich dem Feuersalamander in verschiedenen unterirdischen Röhren-und Spaltensystemen antreffen, allerdings auch unter Unrat, Gebäuderesten und totem Holz.

Sind geeignete Gewässer und Rückzugsmöglichkeiten vorhanden, besiedeln die Molche Rotbuchenwälder, Eichen-Hainbuchenwälder, Ruderalflächen, Grünland und dringen auch in Siedlungen ein. Sie zeigen dabei keine Präferenz für Kamm-, Hang- oder Tallagen.

Frostperioden werden in der Regel in unterirdischen Verstecken verbracht. In den ersten feucht-milden Nächten des Spätwinters beginnen die adulten Tiere ihre Wanderung zu den Laichplätzen. Statistisch gesehen treffen in den nächsten Wochen zunächst mehr Männchen an den Gewässern an. Die meisten Weibchen folgen bis Mitte/Ende April. Auch wenn zu dieser Zeit viele Exemplare im Wasser zu finden sind, kann man unter Umständen auch an Land in gewässernahen Schlupfwinkeln auf größere Individuenzahlen des Bergmolches stoßen. Spätenstens Ende Juli haben schließlich die meisten Molche ihre Laichplätze verlassen und sind wieder zum Landleben übergegangen. Herbstliche Funde im Wasser sind eine sehr große Ausnahme.

Verbreitung: Der Bergmolch hat einen zentraleuropäischen Verbreitungsschwerpunkt. Ein relativ geschlossenes Verbreitungsareal reicht von Nordfrankreich über Norddeutschland bis Südwest-Polen und südlich über den westlichen Balkan bis nach Griechenland. In der pannonischen Tiefebene existiert eine Verbreitungslücke. Die Alpenländer sind inklusive der italienischen Alpen im Allgemeinen relativ dicht besiedelt. In Nord- und Mittelitalien, Kalabrien und Nordspanien existieren inselartige Vorkommen. Bergmolche fehlen in Großbrittanien, Irland, Skandinavien und Nordosteuropa. In Großbritannien existieren allerdings einige ausgesetzte Populationen.

Populationen und Populationsgrößen in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde: Der Bergmolch ist im Untersuchungsgebiet durch zahlreiche Populationen verschiedener Größe vertreten und die mit Abstand  häufigste Molchart.

Ernährung: Wie der Feuersalamander ist auch der Bergmolch ein Nahrungsgeneralist. Während des Wasseraufenthaltes werden von den Adulti Froschlaich, Kaulquappen von Grasfrosch und Erdkröte, Chironomidenlarven, versch. kleinere Wasserkäfer, Gammarus-Arten, Ephemeropteren-Larven, Cyclops und ins Wasser gefallene Regenwürmer erbeutet. Auch  auf die Wasseroberfläche gefallene Insekten sind vor den Molchen nicht sicher. NÖLLERT (1992) betont den hohen Anteil von Chironomidenlarven im Mageninhalt von Bergmolchen und bezieht sich dabei auf eine Untersuchung aus den ehemaligen UDSSR. Die Zuckmückenlarven machten insgesamt 47% der Gesamtbeute aus. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Bergmolche im Vergeich zu anderen Wassermolchen stark benthisch leben und jagen (Martin SCHLÜPMANN, mündliche Mitteilung). Allerdings sind Chironomidenlarven nicht in jedem Gewässer des Untersuchungsraumes vertreten. Die Molche weichen dann insbesondere auf Crustaceen aus, welche dann ihre Nahrungsgrundlage darstellen können. Im Falle von Fundpunkt 3. (Viehtränke Oevenscheid) wird z.B. meist Gammarus pulex, in einer Viehtränke bei Einsal (Fundpunkt 14.) hauptsächlich die Wasserassel Asellus aquaticus erbeutet.

Fortpflanzung & Entwicklung: Erreichen die Tiere im Frühjahr das Wasser, beginnen sie in der Regel sofort mit der Balz.

In den folgenden Wochen kann man nachts und etwas seltener auch tagsüber Männchen beobachten, welche unruhig auf dem Gewässergrund umherlaufen und nach Weibchen suchen. Erreicht ein wanderndes Weibchen nachts das Laichgewässer, so wird es oft schon nach wenigen Minuten von mehreren paarungsbereiten Männchen umringt und angebalzt. Oftmals nähern sich die Männchen auch zuerst den Weibchen und prüfen ihre Paarungsbereitschaft durch schnuppern an der Kloake.

Hat ein Männchen ein Weibchen für attraktiv befunden, so schwimmt er vor sie und beginnt, ihr mit dem Schwanz Duftstoffe zuzuwedeln, welche sie stimulieren und zur Paarung bewegen sollen. Wendet sich das Weibchen nicht gleich ab, so schwimmt er vor sie, so dass sein Kopf vor dem des Weibchens liegt, sein Körper aber bogenförmig vor der Schnauze des Weibchens absteht. Dabei beugt er seinen Rücken katzbuckelartig durch.

Zwei Bergmolchmännchen interessieren sich für ein Weibchen. Man beachte die unterschiedliche Flankenzeichnung der beiden männlichen Tiere. Foto: Chr.Schwerdt

Balz der Bergmolche in einem Kleinstgewässer im Ruhrtal. Das rechte Männchen wedelt dem Weibchen mit dem Schwanz Duftstoffe zu (vgl. Text). Foto: Chr. Schwerdt, 19.03.10.

Reagiert das Weibchen auf die Werbung des Männchens, folgt sie ihm und er schreitet vor ihr weg, den Schwanz S-förmig zusammengefaltet. Sobald das Weibchen nun Schwanz und Kloake des Männchens berührt hat, setzt jenes eine Spermatophore ab, so das eine innere Befruchtung stattfinden kann. Die meisten Weibchen verpaaren sich in den ersten 1-3 Tagen nach ihrer Ankunft im Wasser und beginnen widerum einige Tage später mit der Eiablage.

Die Eier werden von den Weibchen in Wurzeln, Wasserpflanzen (z.B. Wassersternarten, Flutender Schwaden u.a.) und Fallaub gefaltet. Bei mildem Frühlingswetter schlüpfen die ersten Larven bereits nach 14 Tagen, jedoch sind Inkubationszeiten von etwa 21 Tagen auch bei uns die Regel (vgl. NÖLLERT 1992). Ältere Larven des Bergmolches sind an ihrem Schwanzdorn und einer hellen Grundfarbe mit dunklen, körnigen Flecken und Linienmustern deutlich zu erkennen (vgl. Abbildung). Wie alle Molchlarven zeigen sie deutlich ausgebildete Aussenkiemen.

Ältere Larve des Bergmolches mit starker, dunkler Pigmentierung. Die Schwanzspitze ist durch eine Libellenlarve oder einen Artgenossen abgebissen worden. Fundort: Nettenscheid, Gartenteich. Foto. Chr. Schwerdt, 18.07.10.

Verlassen die Jungmolche im Herbst das Wasser, sind sie ca. 3-4 cm groß. Überwintern die Larven im Wasser, können ausnahmsweise 5 cm erreicht werden.

Gefährdung: Der Bergmolch ist in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde allgemein verbreitet und gerade dort, wo geeignete Laichgewässer nicht fehlen, auch häufig. Seine Laichgewässer neigen jedoch allgemein zur Verlandung und müssen daher in vielen Fällen durch Naturschutzmaßnahmen offengehalten werden. Selten geworden sind heute Populationen in wassergefüllten Wagenspuren auf Forstwegen. Diese waren bis um die Jahrtausendwende recht häufig. Jedoch sind inzwischen viele von ihnen forstlichen Intensivierungsmaßnahmen zum Opfer gefallen. Beispiel ist eine Population auf dem Nettenscheid, wo im Mai 2003 über 20 Bergmolche durch die Planierung eines Forstweges mit Bauschutt getötet wurden.

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 01. April 2013 um 23:34 Uhr