Tiere und Gefäßpflanzen in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde
1. Einleitung
Mit dieser Überblicksdarstellung soll versucht werden, eine kommentierte Artenliste zur Fauna und Flora Altenas und Nachrodt-Wiblingwerdes zu bieten. Diese soll helfen, sich in grundlegende faunistische und floristische Fragestellungen mit lokalem Bezug einzuarbeiten und andererseits auch dem interessierten Wanderfreund darüber Auskunft geben, welche Tiere und Pflanzen ihn rechts und links des Weges erwarten.
Die Aufstellung ist keinesfalls als vollständig zu betrachten, da die verschiedenen Pflanzenfamilien und Tiergruppen des Gebietes in sehr unterschiedlichem Maße untersucht sind. Als vollständig oder zumindest weit fortgeschritten erfasst kann man im Falle der Tiere die Artenlisten der Amphibien, Reptilien, Libellen und Heuschrecken des Gebietes ansehen. Bei den Pflanzen liegen relativ viele Fundpunktdaten zu Orchidaceaen, Primulaceaen sowie zu den Gehölzen und den Farnpflanzen des Untersuchungsraumes vor, während Moose und Flechten bisher fast garnicht untersucht sind. Sie sollen daher zunächst nicht berücksichtigt werden.
Um die Liste möglichst sinnvoll didaktisch aufzuarbeiten, werden bei der Auflistung der Arten als erstes die wichstigsten Charakteristika genannt, um einerseits dem Praktiker das Auffinden im Gelände zu erleichtern und andererseits dem Systematiker nachvollziehbar zu machen, mithilfe welcher Merkmale die Taxa jeweils bestimmt wurden. Danach erfolgt eine Auflistung der Lebensräume einer Tierart bzw. der Standorte einer Pflanzenart. Bei den Pflanzen wird natürlich auch auf die Vegetationstypen eingegangen, in welchen eine Sippe typischerweise im Untersuchungsraum zu finden ist. Weiterhin werden unter den Punkten "Häufigkeit" und "Fundpunkte" für jede Art allgemeine Angaben zur Häufigkeit sowie aktuelle oder auch ehemalige Fundpunkte in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde genannt. Falls vorhanden, werden einige Arten auch zusätzlich mithilfe einer Abbildung aus dem Untersuchungsgebiet vorgestellt.
Erstellung der Fauna und Flora erfolgte einerseits mit Hilfe eigener Beobachtungen sowie mit Daten aus den Untersuchungen von MIEDERS (2006) und PETRASCH (1996). Mit ausgewertet wurden auch Ausführungen bei STREICH (1976) und JUNGLAS (2001). Folgende Persohnen, welchen ich an dieser Stelle nochmals herzlich danken möchte, haben ebenfalls mit Beobachtungen und/oder Fundpunktdaten zu dieser Auflistung beigetragen:
Sven Beste, Altena; Andreas Grenningloh, Wiblingwerde; Günter Herbel, Wiblingwerde; Axel Ossenberg Altena; Friedrich Petrasch, Nachrodt; Martin Schlüpmann, Hohenlimburg; sowie Herr Prof. Henning Haeupler, Bochum.
2. Kommentierte Artenliste Teil 1.: Höhere Pflanzen (Gefäßpflanzen)
2.1 Farnpflanzen (Pteridophyta)
Equisetaceae
Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense)
Merkmale: Zierlicher bis stattlicher Schachtelhalm mit vielen, 4-5 kantigen und rauen Seitenästen.
Vorkommen: Ruderalflächen, Wegränder, Ackerrandstreifen, Bahndämme, Industriebrachen. Nicht an sehr sauren oder mageren Standorten.
Häufigkeit: Zerstreut.
Fundpunkte: Regelmäßig z.B. entlang der Bahnstrecke Siegen-Hagen.
Dennstaedtiaceae
Adlerfarn (Pteridium aquilinum)
Merkmale: Einzeln aus dem Boden entspringende, im Umriß dreieckige Wedel.
Vorkommen: Birkenwälder, Waldränder, verwahrloste Schonungen, Schlagfluren. Saure bis schwach saure, nicht zu feuchte Standorte.
Häufigkeit: Verbreitet. Stellenweise umfangreiche Bestände, welche einen hohen Deckungsgrad erreichen können.
Fundpunkte: 2009: Waldrand westlich Lanferschlade; Birken-Pionierwald westlich Lanferschlade; Waldrand zwischen Nettenscheid und Lissing; Schlagflur unter Hochspannungsmasten östlich Elektromark; Verwahrloste Gärten mit Birken und Eschen westlich Schreck.
Dryopteridaceae
Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris)
Merkmale: Zierlicher Farn. Wedel zart, im Umriß dreieckig, zweifach gefiedert. Die untersten beiden Fiedern besonders groß (etwa genauso groß wie der Rest der Spreite).
Vorkommen: frische, luftfeuchte Waldgesellschaften. Artenreiche Hainsimsen-Rotbuchenwälder im oberen Bereich von Siepen, Schluchtwälder. Nicht auf stark sauren oder verhagerten Standorten.
Häufigkeit: Selten, da anspruchsvollere Waldgesellschaften im Gebiet nur stellenweise vorkommen und dort oft durch Fichtenforste ersetzt sind.
Fundpunkte: 2008: bewaldetes Siepental östlich Ardey, artenreicher Hainsimsen-Rotbuchenwald im Übergang zum anspruchsvolleren Waldmeister-Buchenwald. Literatur: "Meist kleinflächig, besonders in den Bergwaldungen ziemlich verbreitet" (MIEDERS 2006).
Gewöhnlicher Dornfarn (Dryopteris carthusiana agg.)
Merkmale: Blattstiel etwa so lang wie die gelbgrüne Blattspreite, Spreuschuppen einfarbig hellbraun.
Vorkommen: Hainsimsen-Rotbuchenwälder (doch hier nicht in exponierter Südlage), Bodensaure Eichenwaldrelikte, Halbschattige bis schattige Ränder und Böschungen von Forstwegen. Ältere Fichten-Monokulturen.
Häufigkeit: Verbreitet.
Fundpunkte: 2008: Kerbtal östlich Ardey, Hainsimsen-Rotbuchenwald; 2008 & 2009: Waldwegrand westlich Lanferschlade; 2008 & 2009: Verwahrloste Gärten mit Birken und Eschen westlich Schreck. Literatur: "Sehr häufig, oft massenhaft" (MIEDERS 2006).
Gewöhnlicher Wurmfarn (Dryopteris filix-mas agg.)
Merkmale: Blattspreite kräftig grün, meist zweifach gefiedert, Sori mit nierenförmigem Schleier, Spreuschuppen braun.
Vorkommen: Hainsimsen-Rotbuchenwälder (nicht in Südlagen), Schluchtwälder, beschattete Ränder von Forstwegen, Siepen, ältere Fichten-Monokulturen und andere frische, luftfeuchte, saure bis schwach saure Standorte. Kalkmeidend.
Häufigkeit: Verbreitet.
Fundpunkte: 2007-2009: Aufgelockerter Fichtenforst mit Vogelbeere östlich Nettenscheid; 2008: Kerbtal östlich Ardey; 2008-2009: Verwahrloste Gärten mit Birken und Eschen westlich Schreck. Literatur: "Sehr häufig, oft massenhaft in Wäldern (...)" (MIEDERS 2006).
Gewöhnlicher Frauenfarn (Athyrium filix-femina)
Merkmale: Blattspreite kräftig grün, zwei-bis dreifach gefiedert, breitlanzettlich. Sori kommaförmig.
Vorkommen: Hainsimsen-Rotbuchenwälder (nicht in Südlagen), Schluchtwälder, beschattete Ränder von Forstwegen, Siepen, ältere Fichten-Monokulturen und andere frische, luftfeuchte, saure bis schwach saure Standorte. Kalkmeidend. Meist mit dem Gewöhnlichen Wurmfarn vergesellschaftet.
Häufigkeit: Verbreitet.
Fundpunkte: 2007-2009: Aufgelockerter Fichtenforst mit Vogelbeere östlich Nettenscheid; 2007-2010: Halbverwilderter Garten, Nettenscheid.
Blechnaceae
Rippenfarn (Blechnum spicant)
Merkmale: Der Rippenfarn verfügt über zwei unterschiedliche Wedeltypen. Die sterilen Wedel sind einfach gefiedert und liegen relativ flach auf dem Boden auf. Ihre Fiedern sind relativ breit. Die Fiedern der rel. aufrecht stehenden, sporentragenden Wedel sind dagegen recht schmal und rippenähnlich. Unter einer Schneedecke sind die sterilen Wedel des Rippenfarnes in der Lage, den Winter zu überstehen. Daher kann die Art bei milder Witterung schon früh im Jahr nachgewiesen werden.
Vorkommen: Böschungen und Ränder von Forstwegen, bodensaure Waldgesellschaften. Erträgt auch starke Versauerung und Beschattung.
Häufigkeit: Verbreitet.
Fundpunkte: 2007-2009: Forstwegböschung westlich Fischersberg; 2007-2010: Forstwegböschung, Heimecketal; 2008-2010: Wegrand und Waldwegböschung östlich Schreck; 2009-2010: Forstwegböschung und oberhalb liegender lockerer Birkenwald mit Fichtennaturverjüngung, nördlich Großendrescheid, 14 Expl.
2.2 Blütenpflanzen (Spermatophyta)
Pinaceae
Europäische Fichte (Picea abies)
Merkmale: 30-50 m hoher, immergrüner Nadelbaum mit kegelförmigem Wuchs. Nadeln unterseits mit zwei weißen Wachsstreifen, stechen.
Vorkommen: Ursprünglich im Altenaer Sauerland nicht heimisch. Wurde im 19ten Jahrhundert durch die Forstwirtschaft eingebracht und zunächst in Kammlagen, dann besonders ab den 1950er Jahren auch in Hanglagen und Siepen vermehrt angebaut. Trotz Sturmanfälligkeit der Kulturen wird der intensive Fichtenanbau durch die Forstwirtschaft weiterhin in erheblichem Ausmaße betrieben. 1995 bestanden die Waldfächen im Märkischen Oberland zu zwei Dritteln aus Nadelholzforsten (ROSENBOHM 1995, Überwiegend Fichte, seltener Douglasie und Lärche). Fast überall angepflanzt. Naturverjüngungen kommen vor, haben aber ohne massive forstwirtschaftliche Maßnahmen gegen die Konkurrenz der Rotbuche keine dauerhafte Chance.
Häufigkeit: Sehr häufig.
Europäische Lärche (Larix decidua)
Merkmale: Bis zu 40m hoher, sommergrüner Nadelbaum mit hellgrünen, rel. weichen Nadeln und eiförmigen bis kugeligen Zapfen.
Vorkommen: Authochton in den silikatischen Inneralpen. Im Sauerland durch die Forstwirtschaft eingeführt. Naturverjüngungen kommen gelegentlich vor.
Häufigkeit: Häufig
Fundpunkte: 2008-2010: Naturverjüngung aus angepflanzten Exemplaren, Forstwegböschung östlich Angst, dort mit Goldröhrling als Symbionten.
Wald-Kiefer (Pinus sylvestris)
Merkmale: Bis etwa 40m hoher, langlebiger, immergrüner Nadelbaum. Miit typischen langen, gebogenen dunkelgrünen Nadeln, welche dem Kurztrieb paarweise entspringen. Wuchsbild jugendlich kegelförmig, im Alter schirmförmig.
Vorkommen: Ursprünglich in montanen bis subalpinen Bereichen der Kalkalpen, Silikatalpen sowie im norddeutschen Tiefland auf Sandboden. Ins Sauerland vermutlich durch die Forstwirtschaft eingebracht. Naturverjüngungen sind bei uns selten und langfristig gesehen chancenlos.
Häufigkeit: Häufig
Gewöhnliche Douglasie (Pseudotsuga menziesii)
Merkmale: Bis über 50m hoher, immergrüner Nadelbaum mit kegelförmigem Wuchs. Nadeln grasgrün, bis 4cm lang, deutlich abeflacht und unterseits mit zwei silbergrauen Spaltöffnungsstreifen.
Vorkommen: Ursprünglich im westlichen Nordamerika. Bei uns im 20ten Jahrhundert durch die Forstindustrie eingeführt und in den letzten Jahren verstärkt angepflanzt. Inwieweit im Sauerland Naturverjüngungen der Sippe stattfinden werden, läßt sich derzeit noch nicht absehen.
Häufigkeit: Häufig
Cupressaceae
Gewöhnlicher Heide-Wachholder (Juniperus communis communis)
Merkmale: Bis 12m hoch werdender, aber meist kleinerer Strauch von aufrechtem Wuchs, bisweilen mit einigen abgeknickten, aber nicht abgestorbenen Ästen. Nadeln in 3-4 gliedrigen Quirlen, stechend. Blaugrüne Beerenzapfen (Wachholderbeeren).
Vorkommen: Ursprünglich in Niederwäldern und Wachholderheiden sowie in durch extensive Weidewirtschaft aufgelockerten Hutewäldern. Bodenvag, jedoch lichtliebend. Heute nurmehr reliktartige Restvorkommen, die darüber hinaus meist stark überaltert sind.
Häufigkeit: In historischer Zeit weit verbreitet, heute selten und weiterhin abnehmend.
Fundpunkte: 2007-2010: NSG Lohhagen bei Wiblingwerde, kleiner Restbestand; Vor 2005: Bergfeld, reliktartig (Friedrich PETRASCH, mündliche Mitteilung); Vor 2000: Ehemaliger Niederwald, Hartenstein, einige alte und teilweise absterbende Exemplare. Literatur: "Der Hartenstein ist eine (...) Waldparzelle in Altena (...). Auf einer Karte von 1768/69 ist er als Heidefläche bezeichnet (...). Aus dieser Zeit stammt sicherlich auch der Wachholder, von dem noch über 30 Expl. zerstreut oder in kleinen Gruppen vorkommen." (PETRASCH 1996).
Ranunculaceae
Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris)
Merkmale: kurzlebige Staude, Höhe 30-60cm. Blätter blaugrün, mit drei Fiedern, welche widerum dreifach gelappt sind. Blüten an langen Stielen, dorsiventral und nickend, mit typischem Sporn. Perianth blau oder weiß.
Vorkommen: Ruderalflächen, Böschungen und Forstwegränder auf Kalkschutt. Kalkliebend.
Häufigkeit: Selten, historische Verbreitung unbekannt (eingeschleppt?).
Fundpunkte: 2007: 2 blühende und vitale Expl. an einem mit Kalksteinen befestigten Wegrand nordwestlich Haunert nahe Nettenscheid (Gartenflüchtlinge?); 2008-2010: Verwahrloster Garten auf dem Nettenscheid, zahlreiche Expl.
Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)
Merkmale: Mehrjährige, stattliche krautige Pflanze. Laubblätter handförmig geteilt. Dorsiventrale Blüten mit blauem Perianth, welches von den Kelchblättern umschlossen wird.
Vorkommen: Frische bis feuchte, basophile Ruderalstandorte, Auwälder, Gartenpflanze. Anspruchsvoll.
Häufigkeit: sehr selten, historische Verbreitung unbekannt (eingeschleppt? verwildert?).
Fundpunkte: 2004: 1 blühendes Expl. in der Lenneaue gegenüber Lager Lücke.
Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)
Merkmale: Mehrjährige krautige Pflanze. Jede Pflanze mit drei charakteristischen Blättern, die in einem Scheinquirl am oberen Stängeldrittel angeordnetet sind. Meist nur eine weißliche oder zartrosane Blüte mit 6-8 Kronblättern. Frühblüher, der ab Ende Mai meistens oberirdisch nichtmehr nachweisbar ist.
Vorkommen: Artenreiche Hainsimsen-Rotbuchenwälder, Stieleichen-Hainbuchenwälder, Feldgehölze und Waldränder, welche an Grünland grenzen.
Häufigkeit: Verbreitet und stellenweise bestandsbildend.
Fundpunkte: 2005-2008: Nitrophiler Waldrand nordwestlich Nettenscheid, 2007 durch Holzlagerung zerstört; 2005-2009: Rand eines bodensauren Eichenwaldes im Übergang zu Grünland südlich Nettenscheid, individuenreicher Bestand; 2005-2010: Artenreicher Hainsimsen-Rotbuchenwald mit Birke nördlich Lanferschlade; 2005-2009: Wegböschung nahe Lenneaue gegenüber Lager Lücke; 2009: Waldrand oberhalb Rohland; 2008-2009: Aufgegebene, frische Wiese, Heimecketal.
Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)
Merkmale: Mehrjährige krautige Pflanze.Typische, glänzende, nierenförmige Laubblätter und einzeln stehende, goldgelbe Blüten mit 8-11 Kronblättern. Frühblüher, der ab Anfang März aus Brutknollen ausschlägt und meist Anfang Mai bereits vergilbt.
Vorkommen: Artenreiche Hainsimsen-Rotbuchenwälder, Stieleichen-Hainbuchenwälder, Schwarzerlen-Galeriewälder,
Häufigkeit: Verbreitet und stellenweise bestandsbildend.
Fundpunkte: 2004-2010: Bachaue östlich Einsaler Walzwerke, großer, individuenreicher Bestand; 2004-2010: Heimecke, Bachaue; Wegböschung nahe Lenneaue gegenüber Lager Lücke; 2004-2010: Nettenscheid, Garten.
Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris)
Merkmale: Mehrjährige krautige Pflanze von aufrechtem Wuchs. Blüten dottergelb, Stengel ungefurcht, Laubblätter drei-bis fünfteilig.
Vorkommen: Glatthaferwiesen, Fettwiesen und Weiden. Da er aufgrund seiner Giftigkeit vom Vieh verschont wird, wird der Scharfe Hahnenfuß durch Beweidung von Konkurrenten befreit und somit gefördert. Er ist ein typisches Weidebegleitkraut.
Häufigkeit: Zerstreut, jedoch an geeigneten Standorten zuweilen massenhaft.
Fundpunkte: 2004-2009: Weiden zwischen Nettenscheid und Anschlag, Massenvorkommen; 2009: Weide östlich Nettenscheid, massenhaft.
Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
Merkmale: Kräftige, mehrjährige krautige Pflanze mit dottergelben Blüten und bogig aufsteigenden Stielen. Blätter herz-nierenförmig.
Vorkommen: Feuchtwiesen, Milzkrautfluren, Bachauen, Schwarzerlen-Galeriewälder, anspruchsvoll.
Häufigkeit: Selten.
Fundpunkte: 2009: Opperhusener Bach (PETRASCH, mdl.).
Papaveraceae
Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas)
Merkmale: Einjährige krautige Pflanze. Krone rot, vierzählig, hinfällig. Typische, behaarte Kapsel, welche nach deren Reifung die Samen entläßt.
Vorkommen: Ackkerränder, Schutthalden, Frisch aufgeschüttete Wegränder. Braucht zum Keimen offenen Boden ohne dichten Bewuchs, stickstoffliebend.
Häufigkeit: Heute selten, jedoch vermutlich bis in die 1960er Jahre als Ackerbegleitkraut wesentlich häufiger (vgl. MIEDERS 2006, ROSENBOHM 1995.).
Der Rückgang dürfte wohl vorwiegend mit dem Strukturwandel und anschließendem Niedergang der Landwirtschaft im Untersuchungsraum seit Ende der 1960er Jahre zusammenhängen.
Fundpunkte: 2005: Nettenscheid, Schutthalde, 1 Expl.; 2005-2007: Nettenscheid, Baustelle, auf Erdaushub, zahlreiche Exemplare.
Urticaceae
Gewöhnliche Brennessel (Urtica dioica cf ssp. dioica)
Merkmale: Mehrjährige krautige Pflanze von Aufrechtem Wuchs. Stengel und gegenständige Blätter mit typischen Brenn-und Borstenhaaren.
Vorkommen: Eutrophierte Wegränder und Böschungen, Ruderalflächen, Auwälder, Hundekotplätze. Stickstoffliebend.
Häufigkeit: Sehr häufig, nicht selten massenhaft. Vermutlich aufgrund von stickstoffhaltigen Niederschlägen an Ruderalstandorten, Wegrändern und Forstwegböschungen seit den 1970er Jahren stark zunehmend, oft auf Kosten anderer Arten wie Besenheide oder Hoher Schlüsselblume.
Fagaceae
Traubeneiche (Quercus petraea)

Traubeneichen-Birkenwald mit Rotbuche und Heidelbeere auf dem Nettenscheid. Diese Waldgesellschaft ist aufgrund ihrer geringen forstwirtschaftlichen Rentabilität potentiell durch Aufforstung gefährdet. Foto: Chr. Schwerdt, 18.03.10.
Merkmale: Knorriger, bis ca. 30 m hoher Baum. Krone hoch gewölbt und im Vergleich z.B. mit der Rotbuche relativ locker und lichtdurchlässig. Borke nur in der Jugend glatt, später stark furchig.
Vorkommen: Hainsimsen-Rotbuchenwälder, Waldmeister-Rotbuchenwälder, Traubeneichen-Birkenwälder, Traubeneichen-Birken-Niederwälder, Stieleichen-Hainbuchenwälder, Schluchtwaldgesellschaften. Nicht selten auch angepflanzt. Nicht auf staunassen oder stark wechselfeuchten Standorten.
Häufigkeit: Verbreitet und in entsprechenden Waldgesellschaften zahlreich anzutreffen, jedoch in Folge der Aufgabe alter Nieder-und Hutewaldpraktiken seit etwa 1950 zunehmend seltener. Einge Gefahr für die Eichen stellen außerdem stickstoffhaltige Niederschläge dar. Sie begünstigen auf den ärmsten Standorten die Rotbuche. Wird deren Deckungsgrad in der Baumschicht zu hoch, kommt für Eichenkeimlinge nichtmehr genug Licht auf den Waldboden. Eichenjungwuchs wird darüber hinaus durch überhöhte Rehwildbestände stark dezimiert.
Fundpunkte (Auswahl): 2000-2010: Traubeneichen-Birkenwald auf dem Haunert bei Nettenscheid, individuenreiches Vorkommen; 2000-2010: Durchwachsener Traubeneichen-Birken-Niederwald, großer Bestand; 2000-2010: Schluchtwald am Westhang des Wixberges, zahlreiche Expl.
Stieleiche (Quercus robur)
Merkmale: Stattlicher, bis über 40 m hoher Baum von äusserst knorriger Gestalt, oftmals bereits kurz über dem Boden reich verzweigt. Borke im Alter tief längsrissig. Blätter im Unterschied zur Traubeneiche nur kurz gestielt, jedoch Eicheln an bis zu 4cm langen Stielen.
Vorkommen: Hainsimsen-Rotbuchenwälder, Waldmeister-Rotbuchenwälder, Traubeneichen-Birkenwälder, Traubeneichen-Birken-Niederwälder, Stieleichen-Hainbuchenwälder, Schluchtwälder, am Rande von Siepen zwischen Rotbuchenwäldern und Schwarzerlen-Galeriewäldern, Bachauen. Gelegentlich auch angepflanzt. Verträgt auch staunasse und stark wechselfeuchte Standorte.
Häufigkeit: In Tal-und Hanglagen verbreitet und häufig, jedoch vermutlich im Vergleich zur historischen Verbreitung bereits zurückgegangen, da an vielen Siepen-Standorten durch angepflanzte und standortfremde Fichten ersetzt. Gelegentlich auch angepflanzt. Jungwuchs wird sehr stark vom Rehwild verbissen.
Fundpunkte (Auswahl): 2002-2010: Stieleichen-Hainbuchenwald östlich der Einsaler Walzwerke, ca. 1ha umfassender Bestand; 2002-2010: Bachaue der Brachtenbecke, zahlreiche Expl. mit Schwarzerlen vermischt; 2006-2010: Siepentälchen östlich Ardey, zahlreiche Expl. am Rande des Schwarzerlen-Galeriewaldes; 2007-2010: Bachaue der Heimecke, mehrere Exemplare am Rand des Schwarzerlen-Galeriewaldes.
Rotbuche (Fagus sylvatica)
Merkmale: Stattlicher, bis über 40 m hoher Baum mit aufallend glatter, hellgrauer Rinde. Auf offener Fläche und am Waldrand mit ausladendem Wuchs, oft bis unten beastet. Im Wald hingegen schlank und wimpelförmig. Blätter jung giftgrün, im Alter-gras bis dunkelgrün, glattrandig, eiförmig und mit kurzer Spitze.
Vorkommen: Hainsimsen-Rotbuchenwälder, Waldmeister-Rotbuchenwälder, Traubeneichen-Birkenwälder, in Schluchtwäldern dort, wo die Bodenbewegung nicht zu heftig ist, jedoch für diese Standorte nicht typisch.
Häufigkeit: Verbreitet und Häufig. Im Vergleich mit früheren Jahrhunderten ist eine Zunahme wahrscheinlich, da die Rotbuche durch Niederwald-und Hutewaldpraktiken verdrängt wurde. Aufgrund der Anpflanzung von Fichten und Douglasien ist es der Rotbuche allerdings nicht immer möglich, die für sie potentiell geeigneten Standorte im Untersuchungsraum zu besiedeln.
Fundpunkte (Auswahl): 2000-2010: Hainsimsen-Rotbuchenwälder im Bereich Nettenscheid und Haunert, große Bestände; 2000-2010: Hainsimsen-Rotbuchenwald am Osthang der Wiblingwerde Hochfläche südlich der Bismarck-Straße (Altena), mehrere Hektar umfassender, individuenreicher Bestand; 2000-2010: Artenreicher Hainsimsen-Rotbuchenwald westlich Rohland (Nachrodt), ca. 2 Hektar umfassender Bestand mit vielen Exemplaren unterschiedlicher Altersklassen.
Betulaceae
Schwarz-Erle (Alnus glutinosa)
Merkmale: Bis über 30 m hoher, zuweilen mehrstämmiger Baum mit auffallend pyramidaler Kronenform. Ältere Exemplare mit rissiger Schuppenborke. Blätter typisch verkehrt-eiförmig. Bemerkenswert sind weiterhin die holzigen Erlenzäpfchen, welche aus verwachsenen Schuppen des Blütenstandes bestehen.
Vorkommen: Vorwiegend in Schwarzerlen-Galeriewäldern entlang von Fließgewässern. Gelegentlich auch angepflanzt oder als Relikt auf feuchten Wiesen.
Häufigkeit: Verbreitet und häufig, jedoch an etlichen Standorten durch die Anpflanzung florenfremder Nadelgehölze verdrängt. Liebt feuchte bis nasse Standorte und verträgt auch stauende Nässe sowie zeitweise Überflutung.
Fundpunkte (Auswahl): 2000-2010: Bachaue der Brachtenbecke, Schwarzerlen-Galeriewald, zahlreiche stattliche Exemplare; 2007-2010: Bachaue der Heimecke, Schwarzerlen-Galeriewald, verschiedene Exemplare unterschiedlicher Altersklassen; 2000-2010: Schwarzerlen-Galeriewald im Altenaer und Nachrodter Lennetal, stellenweise durch Begradigungs oder Baumaßnahmen zerstört.
Hängebirke (Betula pendula)
Merkmale: Ausnahmsweise bis 30 m hoch werdender Baum mit überhängenden Zweigenden und weißer Glattrinde, welche sich teilweise in Streifen ablöst.
Vorkommen: Als Pionierbaum auf Schlagflächen oder Windwurfflächen. Kommt Rotbuchenwald auf, wird die Hängebirke nach wenigen Jahrzehnten verdrängt. Regelmäßig anzutreffen ist sie dagegen in Traubeneichen-Birkenwäldern sowie Traubeneichen-Birken-Niederwäldern, deren Charakterart sie ist. Man muß aber bedenken, dass diese Waldgesellschaften oftmals an potentiellen Rotbuchenstandorten stocken. Die Rotbuche wurde hier jedoch durch historische Waldbewirtschaftungsweisen zurückgedrängt und ist jetzt in den verbliebenen Traubeneichen-Birkenwäldern als Jungwuchs anzutreffen. Unter Umständen wird sie sich nach und nach durchsetzen und die lichtliebende Hängebirke verdrängen. Der Traubeneichen-Birkenwald würde dann zu einem Hainsimsen-Rotbuchenwald mit Traubeneiche werden. Die Hängebirke wird gelegentlich als Garten-und Parkbaum angepflanzt.
Häufigkeit: Verbreitet und stellenweise häufig. Aufgrund der oben genannten Umstände ist in Zukunft mit einer Abnahme zu rechnen. Viele Standorte der Art sind in jüngerer Vergangenheit auch bereits mit Fichten aufgeforstet werden.
Fundpunkte (Auswahl): 2003-2010: Birken-Pionierwald mit Rotbuche, Eichen und Stechpalme östlich der Einsaler Walzwerke, großer Bestand; 2000-2010: Traubeneichen-Birkenwald auf dem Haunert bei Nettenscheid, Viele, meist ältere Exemplare; 2002-2009: Traubeneichen-Birkenwald beim Oevenscheider Stall, 2010 durch Intensivierungsmaßnahmen zerstört.
Corylaceae
Hainbuche (Carpinus betulus)
Merkmale: Höchstens 25 m hochwerdender Baum von meist auffällig krummem Wuchs. Rinde glatt, braungrau. Blätter eiförmig und zugespitzt, aber im Gegensatz zur Rotbuche randlich gesägt.
Vorkommen: Stieleichen-Hainbuchenwälder, Schluchtwälder, Siepen.
Häufigkeit: Zerstreut. Vermutlich einstmals häufiger, jedoch durch Fichtenmonokulturen verdrängt.
Fundpunkte (Auswahl): 2002-2010: Stieleichen-Hainbuchenwald östlich der Einsaler Walzwerke, ca. 1ha umfassender, individuenreicher Bestand; 2008-2010: Kleiner Siepen am Westhang des Wixberges, individuenreicher Bestand. Literatur: Steilhang im Kleff, Schluchtwald (PETRASCH 1996).
Hasel (Corylus avellana)
Merkmale: Bis zu 15 m hoher Strauch oder kleiner Baum. Rinde braun, glatt, im Alter in Streifen und Schuppen zerbrechend. Blätter rundlich bis eiförmig, aber am Grunde leicht herzförmig, randlich gesägt, mit gut ausgeprägter Spitze. Typische Haselnuß vom Fruchtbecher halb umschlossen.
Vorkommen: Schluchtwälder, Stieleichen-Hainbuchenwälder, Waldränder, Feldgehölze. Häufig in Gärten gepflanzt und sich von dort gelegentlich ausbreitend.
Häufigkeit: Häufig.
Fundpunkte (Auswahl): 2007-2010: Walrdrand östlich Nettenscheid, mehrere Exemplare; 2007-2010: Aufgegebene Gärten und Pionierwald westlich Schreck, zahlreiche Exemplare. Literatur: Lenneinsel bei Pragpaul (PETRASCH 1996).
Caryophyllaceae
Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum)
Merkmale: Ausdauernde, krautige Pflanze von meist 20-40 cm Höhe. Gegenständige Laubblätter eiförmig und zugespitzt. Rundlicher, zerbrechlicher Stengel weich behaart. Kronblätter weiß, tief zweispaltig.
Vorkommen: Auwälder, Bachrränder, frische bis feuchte Ruderalstandorte.
Häufigkeit: Zerstreut. Viele potentielle Standorte sind heute überbaut.
Fundpunkte: 2007-2009: Frische Wegböschung zwischen Obergraben und Lenne; 2003-2009: Schwarzerlen-Galeriewald mit Anklängen zum Hainmieren-Schwarzerlenwald gegenüber Lager Lücke auf dem östl. Lenneufer, zahlreiche Exemplare. Literatur: Lenneinsel bei Pragpaul (PETRASCH 1996).
Große Sternmiere (Stellaria holostea)
Merkmale: Ausdauernde krautige Pflanze von bis zu 60 cm Höhe. Stengel vierkantig und unbehaart. Laubblätter gegenständig, schmal-lanzettlich. Weiße Kronblätter bis zur Mitte gespalten.
Vorkommen: Frische Waldgesellschaften, mesophile Standorte.
Häufigkeit: Unklar, möglicherweise sind Fundpunkte unentdeckt geblieben.
Fundpunkte: 2005-2009: Aufgelockerter, farnreicher Fichtenforst mit Vogelbeere östlich Nettenscheid, großer Bestand. Mittlerweile durch erneut angepflanzte Fichten und nachfolgende Beschattung potentiell bedroht.
Rote Lichtnelke (Silene dioica)
Merkmale: 30-90 cm hoch werdende, 2-4 Jahre alt werdende krautige Pflanze. Blätter gegenständig, eiförmig bis lanzettlich. Blüten rot, Kelch lang und stark behaart. Die Art ist zweihäusig getrentgeschlechtlich (diözisch).
Vorkommen: Auwälder, frische bis feuchte, nährstoffreiche Ruderalstandorte. Gartenpflanze.
Häufigkeit: Unklar.
Fundpunkte: 2003 bis 2009: Überwachsener Weg und Wegböschung zwischen Obergraben und Lenne bei Einsal, jedes Jahr mehrere Individuen anzutreffen.
Polygonaceae
Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta)
Merkmale: Mehrjährige, krautige Pflanze. Höhe meist 20 bis 80 cm. Rhizom kräftig und schlangenförmig gewunden (Name!). Die rosafarbenen Blüten stehen dicht in typischen, walzenförmigen Scheinähren.
Vorkommen: Glatthaferwiesen, Feuchtwiesen. Collin bis montan verbreitet.
Häufigkeit: Selten. Früher als Bestandteil submontaner Glatthaferwiesen vermutlich häufiger, ist in mehrschührigen, stark gedüngten Fettwiesen für den Schlangen-Knöterich heute kein Platz mehr.
Fundpunkte: 2003-2008: Wegböschung und überwachsener Erdaushub westlich Nettenscheid, Reliktstandort. Literatur: "Der Schlangenknöterich kommt häufiger vor als dem Landwirt lieb ist." (STREICH 1976).
Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica)
Merkmale: Äusserst schnellwüchsige, ausdauernde krautige Pflanze. Erreicht im Extremfall Höhen von über 3 m. Stengel hohl. Blätter ledrig, am Grunde gestutzt, vorne mit Spitze. Perianth der zahlreichen Blüten weißlich.
Vorkommen: Auwälder, Gewässerränder, frische bis feuchte, stickstoffreiche Ruderalflächen. Neophyt (Heimat: Ostasien).
Häufigkeit: Sehr häufig und besonders im Lennetal oft massenhaft.
Brassicaceae
Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)
Merkmale: Zweijährige bis einige Jahre ausdauernde, krautige Pflanze. Höhe zwischen 20 und ausnahmsweise bis 90 cm. Laubblätter nierenförmig. Blüten zahlreich, in einem endständigen, traubigen Blütenstand. Krone vierzählig, weiß, relativ schnell hinfällig. Frucht eine bis zu 7 cm lang werdende Schote. Ganze Pflanze mit auffällig Knoblauchgeruch.
Vorkommen: Wegränder, Säume, Ruderalflächen, Wälder. Liebt frische bis feuchte, nährstoffreiche Standorte. Gelegentlich auch in Gärten.
Häufigkeit: Sehr häufig.
Wiesenschaumkraut (Chardamine pratensis)
Merkmale: Mehrjährige krautige Pflanze, welche alljährlich aus einem verdickte Rhizom austreibt. Grundblätter unpaarig gefiedert. Fiederblättlichen rundlich. Blüten in endständiger Traube. Krone vierzählig, weiß bis rosa. Die Frucht ist, wie für die Kreuzblütler typisch, eine Schote.
Vorkommen: Frische bis Feuchte Wiesenstandorte, gelegentlich auch an Gewässerrändern.
Häufigkeit: Häufig.
Fundpunkte (Beispiel): 2005-2009: Frische Fettwiesen und Weiden auf dem Nettenscheid.
Brunnenkresse (Nasturtium officinale)
Merkmale: Ausdauernde, krautige Pflanze. Im Untersuchungsraum meist von kriechendem Wuchs.
Vorkommen: Quelltöpfe im Offenland, Flutschwaden-Kleinröhrichte. Nährstoff- und basenliebend.
Häufigkeit: Zerstreut.
Fundpunkte (Auswahl): 2007-2010: Quellwassergespeiste Viehtränke bei Finkingsen, kleines Vorkommen. 2007-2010: Rennerde, quellwassergespeiste Viehtränke, großer Bestand.
Ericaceae
Besenheide (Calluna vulgaris)
Merkmale: Immergrüner Zwergstrauch. Blätter dunkelgrün, klein und derb, schuppenförmig. Blüten nickend, in einem traubigen Blütenstand. Kelch- und Krone vierzählig, rosa bis purpurn, bei uns im Gebiet nur sehr selten weiß.
Vorkommen: Traubeneichen-Birkenwälder, Traubeneichen-Birken-Niederwälder, Birken-Pionierwälder, Wachholderheiden, Forstwegböschungen, Böschungen an Straßen. Stickstoff- und kalkmeidend.
Häufigkeit: Zerstreut, abnehmend. Im Untersuchungsraum nur noch stellenweise und oft reliktartig vertreten. Die Ursachen hierfür sind zum einen die Aufgabe historischer Waldwirtschafts- und Weideformen, die Beiseitigung von Traubeneichen-Birkenwäldern und ihr Ersatz durch artenarme Fichtenforste. Zum anderen ist die Besenheide an Saumstandorten vielfach durch Brennesseln verdrängt worden. Dieses Phänomen wird durch anthropogenen Stickstoffeintrag hervorgerufen.
Fundpunkte (Auswahl): 2000-2010: Nettenscheid, Wegböschung am Zubringer, ca. 10qm umfassender Restbestand. 2009-2010: Traubeneichen-Birkenwald auf dem Haunert bei Nettenscheid, reliktartig am Rande eines Forstweges.
Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
Merkmale: Laubabwerfender, ausnahmsweise bis 60 cm hoch werdender Zwergstrauch. Kann zahlreiche Ausläufer bilden. Äste auffallend grün gefärbt. Blätter eiförmig bis elliptisch, jung giftgrün, später grasgrün. Krone fünfzählig, grünlich oder rötlich. Frucht eine blaue Beere.
Vorkommen: Heidelbeer-Rotbuchenwälder (Subassoziation des Hainsimsen-Rotbuchenwaldes), Traubeneichen-Birkenwälder, Traubeneichen-Birken-Niederwälder, Birken-Pionierwälder, Wachholderheiden, Forstwegböschungen, Böschungen an Straßen. Liebt frische bis feuchte, saure und nährstoffarme Standorte.
Häufigkeit: Häufig, jedoch im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten deutlich seltener. Viele Standorte sind durch die Anpflanzung von Fichtenplantagen vernichtet. An Saumstandorten ist wie bei der Besenheide Vernesselung eine wichtige Rückgangsursache. Das Rehwild sucht die verbliebenen Bestände besonders im Winterhalbjahr verstärkt auf und verbeißt sie, was einerseits verjüngend wirkt, andererseits aber auch die Fruktifikation verhindert.
Fundpunkte (Auswahl): 2007-2010: Durchgewachsener Birken-Pionierwald mit einzelnen jungen Traubeneichen bei Lanferschlade, großer Bestand. 2008-2010: Traubeneichen-Birkenwald auf dem Haunert bei Nettenscheid, etliche Exemplare in der Krautschicht. Literatur: "Nach Aufgabe der Niederwaldwirtschaft und der Förderung von Fichtenmonokulturen kaum noch fruktifizierende Großbestände. Restbestände werden vom Rehwild verbissen. (...) Das Sammeln ist praktisch nicht mehr möglich." (MIEDERS 2006).
Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea)

Die einstmals weit verbreitete Preiselbeere ist im Untersuchungsraum heute auf wenige Saumbiotope beschränkt. Fundort: Forstwegböschung bei Bergfeld, 05.04.10. Foto: Chr. Schwerdt.
Merkmale: Ausläuferbildender, kompakter, immergrüner Zwerstrauch. Blätter eiförmig bis elliptisch, im Vergleich zur Heidelbeere relativ derb. Blüte glockenförmig. Krone weiß, vierzählig. Beeren ausdauernd, in reifem Zustand rötlich.
Vorkommen: Traubeneichen-Birkenwälder, Traubeneichen-Birken-Niederwälder, Birken-Pionierwälder, Wachholderheiden, Felsstandorte in bodensauren Waldgesellschaften, Forstwegböschungen, Böschungen an Straßen. Säureliebend. Meidet eutrophierte und vollschattige Standorte.
Häufigkeit: Selten, ehedem erheblich häufiger (vgl. MIEDERS 2006). Rückgangsursachen siehe Heidelbeere.
Fundpunkte: 2009-2010: Straßenböschung westlich Rosmart, zwei kleinere, vitale und fruktifizierende Restbestände (jeweils ca. 4 sowie ca. 10qm bedeckend, mit Heidelbeere); 2010: Böschung zwischen Breitenhagen und Bergfeld, vitaler und fruktifizierender Restbestand auf ca. 17m Länge und 2-4m Breite entlang des Forstweges; 2010: Straßenböschung oberhalb von Einsal, ca. 3qm umfassender, vitaler Restbestand im Mosaik mit Heidelbeere. Literatur (Auswahl): NSG Lohhagen bei Wiblingwerde, bereits in den 1980er Jahren erloschen (MIEDERS 2006); Waldfriedhof Kohlberg, nach 2002 erloschen (MIEDERS 2006).
Primulaceae
Echte Schlüsselblume (Primula veris)
Mermale: Ausdauernde, krautige Pflanze. Überdauert den Winter mit Hilfe ihres kräftigen Rhizomes. Laubblätter runzlig, länglich und gestielt, in grundständiger Rosette.Die Blüten stehen in einer einseitswendigen Dolde, welche an einen Schlüsselbund erinnert. Sie sind schwach duftend. Krone fünfzählig, Kronblätter verwachsen, dottergelb. Jedes Kronblatt mit einem orangeroten Schlundfleck (Saftmal).
Vorkommen: Waldmeister-Buchenwälder, Orchideen-Buchenwälder, Feldgehölze und Gebüsche auf Kalk. Liebt trockene bis frische, kalkreiche Standorte.
Häufigkeit: Sehr selten. Im Untersuchungsraum auf die wenigen Kalklinsen beschränkt.
Fundpunkte: Bei Evingsen (SCHLÜPMANN zitiert in MIEDERS 2006).
Hohe Schlüsselblume (Primula elatior)
Merkmale: Habitus ähnlich Primula veris, jedoch Laubblätter weniger runzlig, Krone blaßgelb, kaum duftend. Orangerote Saftmale fehlend.
Vorkommen: Waldmeister-Buchenwälder, Stieleichen-Hainbuchenwälder, Auwälder, Extensiv bewirtschaftete Wiesen, nicht zu saure Ruderal- und Saumstandorte, Gärten. Frische bis feuchte Standorte mit einem gewissen Basengehalt.
Häufigkeit: Zerstreut. Durch Aufforstung ihrer Wiesenstandorte mit Fichten und Zerstörung von Saumstandorten durch intensive Forstwirtschaft stark abnehmend. An ruderalen Standorten zudem durch Vernesselung bedroht.
Fundpunkte (Auswahl): 2009: Forstwegrand nahe Lissingsiepen, 2 Exemplare; 2009: Vom Naturschutz gepflegte Wiese, Steinwinkel, 38 Exemplare; 2005-2009: Brachtenbecke, Bachaue, kleiner Bestand. Literatur: "In großer Zahl findet man die Hohe Schlüsselblume (...)" (STREICH 1976); "Stellenweise ziemlich verbreitet. (...) An zahlreichen Stellen durch Standortveränderungen (...) zurückgehend bzw. bereits vernichtet." (MIEDERS 2006).
Saxifragaceae
Wechselblättriges Milzkraut (Chrysoplenium alternifolium)

An diesem Funpunkt im Siepen des Mühlenbaches sind Chrysoplenium alternifolium und oppositifolium miteinander vergesellschaftet. Wie man erkennt, ist das Gegenblättrige Milzkraut jedoch erheblich häufiger, was auch für den Untersuchungsraum in seiner Gesamtheit zutrifft. Foto: Chr. Schwerdt, 05.04.10.
Merkmale: Ausdauernde krautige Pflanze. Stengel dreikantig, fleischige Blätter wechselständig. Unscheinbare Blüten in Trugdolden, von gelben oder gelbgrünen Hochblättern umgeben.
Vorkommen: Auwälder, Schwarzerlen-Galeriewälder, feuchte und schattige, basenreiche Ruderalstandorte in der Nähe von Gewässern, Milzkrautfluren an Bachrändern. Insgesamt etwas weniger montan als das Gegenblättrige Milzkraut (HAEUPLER, mdl. Mitteilung).
Häufigkeit: Zerstreut.
Fundpunkte (Beispiel): 2007 bis 2009: Überwachsener Weg und Wegböschung zwischen Obergraben und Lenne bei Einsal, kleiner Bestand; 2010: Mühlenbach (bei Mühlenrahmede), einige Exemplare in von C. oppositifolium dominierter Milzkrautflur; 2010: Rahmede, mehrere kleinere Bestände am Bachufer.
Gegenblättriges Milzkraut (Chrysoplenium oppositifolium)
Merkmale: Ausdauernde krautige Pflanze. Habitus ähnlich C. alternifolium, jedoch mit vierkantigem Stengel und gegenständigen Blättern.
Vorkommen: Schwarzerlen-Galeriewälder, Bachauen, Milzkrautfluren an Quelltöpfen, Quell-und Bachstauen, Kolken, sowie an Bachrändern. Liebt feuchte, basenreiche Standorte.
Häufigkeit: Häufig.
Fundpunkte (Auswahl): 2007-2010: Große Milzkrautflur um einen Quellstau bei Neuenhaus; 2009-2010: Bachstau bei Hallenscheid, kleinere Milzkrautflur; 2003-2010: Quelltopf bei Rennerde, große Milzkrautflur; 2010: Mühlenbach (bei Mühlenrahmede), wohl eine der größten Milzkrautfluren im Untersuchungsgebiet.
Lythraceae
Blut-Weiderich (Lythrum salicaria)
Merkmale: Mehrjährige krautige Pflanze von bis über 1 m Höhe. Stengel vier- bis mehrkantig, behaart. Der Blütenstand ist eine Ähre oder eine Traube. Krone fünf- bis sechszählig, purpurn. Frucht eine zweiklappige Kapsel.
Vorkommen: Gewässerufer, Feuchtwiesen, lichte Auwälder. Meidet nährstoffarme und stark saure Standorte.
Häufigkeit: Unklar.
Fundpunkte: 2000-2009: Uferbereich der Fuelbecker-Talsperre, großer Bestand.
Linaceae
Ausdauernder Lein (Linum perenne)
Merkmale: Ausdauernde, krautige Pflanze von aufrechtem Wuchs. Blütenstand mit in der Regel mehr als 10 Blüten. Innere Kelchblätter stumpf, mit winziger Stachelspitze. Krone fünfzählig, hellbrau, schnell hinfällig.
Vorkommen: Ursprünglich auf Silikat-Xerothermrasen. Dieser Vegetationstyp kommt im Untersuchungsraum natürlicherweise nicht vor. Die Art verwildert bei uns aus Gärten und Wildäckern (?) und kann sich an besonnten Wegrändern oder auf überwachsenen Forstwegen in sonniger Südlange für einige Jahre halten.
Häufigkeit: Selten, nicht einheimisch und wohl auch nicht ständig vertreten.
Fundpunkte: 2002 und 2003: Bewachsener Forstweg am Südhang des Nettenscheides, 3 Exemplare; 2006: Wildacker und Wegrand am Lissing, mehrere Exemplare.
Aceraceae
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus)
Merkmale: Stattlicher, auf freier Fläche breitkroniger Baum. Höhe bis 30 m. Rinde in der Jugend glatt und hellbraun bis hellbraun-grau, später zunehmend dunkler und plattig abblätternd. Blätter 5-lappig und in unregelmäßigen Abständen gekerbt-gesägt.
Vorkommen: Ursprünglich in luftfeuchten Schluchtwäldern. Durch anthropogenen Stickstoffeintrag seit einigen Jahrzehnten auch zunehmend in Buchenwäldern, aufgegebenen Gärten, an Straßenrändern und auf Ruderalstandorten.
Häufigkeit: Sehr häufig, zunehmend.
Spitz-Ahorn (Acer platanoides)
Merkmale: Mit im Untersuchungsraum selten über 20 m Höhe weniger stattlich als sein Verwandter, der Berg-Ahorn. Borke bei alten Exemplaren längsrissig, nicht plattig abblätternd. Blätter fünflappig, aber im Gegensatz zu A. pseudoplatanus mit lang zugespitzten und ganzrandigen Blattlappen.
Vorkommen: Eschen-Ahorn-Schluchtwälder, Feldgehölze. Gelegentlich angepflanzt.
Häufigkeit: Häufig.
Fundpunkte (Beispiel): Literatur: Schluchtwald am Südhang des Wixberges (PETRASCH 1996).
Oxalidaceae
Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella)
Merkmale: Ausdauernde, krautige Pflanze. Überwintert mit Hilfe eines Rhizomes, aus dem jährlich einblütige Stengel und dreizählige, kleeartige Laubblätter getrieben werden. Krone fünfzählig. Kronblätter weißlich oder blass rosa, violett geädert.
Vorkommen: Der Waldsauerklee ist aufgrund seiner starken Schattenverträglichkeit als eine der wenigen Blütenpflanzen in der Lage, selbst in Fichtenmonokulturen zu überleben. Darüber hinaus findet man ihn in bodensauren Laubwaldgesellschaften und oftmals gemeinsam mit Moosen auf liegendem, morschem Holz.
Häufig: Sehr häufig, meist kleinere Bestände.
Geraniaceae
Stinkender Storchschnabel (Geranium robertianum cf ssp. robertianum)
Merkmale: Ein- bis zweijährige, stark verzweigte, krautige Pflanze. Nicht selten lang behaart. Blätter handförmig gefiedert, 3- bis 5-teilig. Blüte radiärsymmetrisch, Krone fünfteilig, rosa. Obere und sterile Teile der fünf Karpelle (Fruchtblätter) zum charakteristischen "Storchenschnabel" verwachsen. Dieser hat dementsprechend fünf Narben. Die ganze Pflanze mit äusserst unangenehmen Geruch.
Vorkommen: Ruderalflächen, nitrophile Säume.
Häufigkeit: Sehr häufig.
Balsaminaceae
Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)
Merkmale: Einjährige krautige Pflanze, welche äusserst schnellwüchsig ist und bis zu 2 m hoch werden kann. Laubblätter gegenständig, im oberen Bereich der Pflanze quirlständig, eilanzettlich und scharf gezähnt. Blüten hängen an einem dünnen Stiel, sind weißlich bis rosa und riechen unangenehm süßlich. Kelch dreizählig. Das untere Kelchblatt ist kronblattähnlich und lang gespornt. Krone fünfzählig, dorsiventral. Frucht eine Kapsel, welche in reifem Zustand die Samen herausschleudert (Deutscher Trivialnahme: "Rührmichnichtan").
Vorkommen: Gewässerufer, Auwälder, Feuchte Ruderalflächen. Neophyt aus Südasien (Vorderindien und Himalaya).
Häufigkeit: Sehr häufig, oft massenhaft.
Gentianaceae
Deutscher Kleinenzian (Gentianella germanica)
Merkmale: Ein- bis zweijährige, krautige Pflanze. Höhe höchstens 30cm, meist weniger. Laubblätter kreuzgegenständig, sich von unten nach oben verschmälernd.
Vorkommen: Kalk-Halbtrockenrasen, Extensive Viehweiden, magere Saumbiotope. Bevorzugt Standorte mit einem gewissen Vertritt. Kalkstet.
Häufigkeit: Sehr selten.
Fundpunkte: 2009: Wegrand in der Sohle des Kalksteinbruches Grünewiese, 18 Exemplare.
Boraginaceae
Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)
Merkmale: Bis etwa 50 cm (in Ausnahmefällen bis etwa 1 m) hoch werdende, derb borstige, krautige Pflanze. Stängel stielrund und steif. Krone verwachsenblättrig, erst rosa, später blau. Vierteilige Klausenfrucht.
Vorkommen: Kalk-Halbtrockenrasen, Kalk-Trockenrasen, Schuttplätze, Säume. Kalkstet.
Häufigkeit: Sehr selten.
Fundpunkte: 2009: Sohle des Kalksteinbruches Grünewiese, 1 Exemplar.
Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)
Merkmale: Ausdauernde krautige Pflanze. Stängel weich behaart, Blätter ebenfalls mit weichen Haaren und in der Regel mit hellgrünen Flecken. Grundblätter herz-eiförmig. Stengelblätter meist stiellos. Krone fünfzählig, verwachsen, erst rötlich, später violett und schließlich blau. Vierteilige Klausenfrucht.
Vorkommen: Artenreiche Hainsimsen-Rotbuchenwälder, Waldmeister-Rotbuchenwälder, Schluchtwälder, frische Ruderalstellen, Säume, zuweilen auch Gartenpflanze. Basenliebend, allerdings nicht auf stark stickstoffhaltigen Standorten.
Häufigkeit: Selten.
Fundpunkte: 2005-2010: Artenreicher Hainsimsen-Rotbuchenwald nördlich Einsaler Walzwerke, zahlreiche Exemplare; 2007: Gartengelände und Saum, Rotenschlade, 4 Exemplare (angesalbt?).
Lamiaceae
Salbei-Gamander (Teuricum scorodonia)
Merkmale: Ausdauernde krautige Pflanze. Höhe 30-60cm.
Vorkommen:Traubeneichen-Birkenwälder, Traubeneichen-Birken-Niederwälder, Wachholderheiden, Säume und Böschungen. Bevorzugt nicht zu feuchte, lichte und kalkarme Standorte. Oft mit Besenheide und/oder Heidelbeere vergesellschaftet.
Häufigkeit: Zerstreut.
Fundpunkte (Auswahl): 2008-2010: Besonnte Straßenböschung am Nettenscheid-Zubringer, großer Bestand.
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